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Große Hilfsbereitschaft in Hessen für Menschen in Ukraine

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Sachspenden-Sammlung
In großen Mengen treffen am Nachmittag Sachspenden für die Ukraine an einer improvisierten Sammelstelle an der Hauptwache in der Innenstadt ein. © Frank Rumpenhorst/dpa

Tausende Menschen in ganz Hessen sind in den vergangenen Tagen gegen den Krieg auf die Straße gegangen. Doch gibt viele, die mehr tun wollen. Die Hilfsbereitschaft ist groß.

Frankfurt/Wiesbaden/Gießen - Mehr als 10.000 Ukrainerinnen und Ukrainer leben nach Angaben des Innenministeriums in Hessen. Sie sorgen sich in diesen Tagen besonders um das Schicksal ihrer Angehörigen und Freunde, die unter dem Einmarsch der Russen in die Ukraine leiden und vielleicht schon auf der Flucht sind. „Für jene, die unter dem Angriffskrieg zu leiden haben, möchte auch die Hessische Landesregierung schnell und möglichst unbürokratisch ihren Beitrag zur Unterstützung und Hilfe leisten“, heißt es auf der zum Thema Ukraine eingerichteten Webseite des Landes.

Das Land bereite sich in enger Abstimmung mit dem Generalkonsulat der Ukraine, den Behörden des Bundes sowie der kommunalen Familie darauf vor, Geflüchtete aus der Ukraine aufzunehmen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Gegenwärtig stellten die EU-Agentur Frontex sowie die östlichen EU-Staaten täglich steigende Flüchtlingszahlen aus der Ukraine fest. In den Anrainerstaaten werde gegenwärtig die Mehrzahl der hilfesuchenden Menschen untergebracht und vor Ort versorgt.

„In Hessen sind bisher nur vereinzelt Einreisen ukrainischer Bürgerinnen und Bürger festgestellt worden“, sagte der Sprecher. Das Land bereite sich aber darauf vor, seine Aufnahmekapazitäten zu erhöhen. Die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes verfüge seit mehreren Jahren über ein flexibles Standortorganisationskonzept, das auf steigende Zahlen hier ankommender Menschen reagieren kann. „Mit Hilfe des täglichen Monitorings ist es möglich, Unterbringungsplätze zu aktivieren und neu ankommende Schutzsuchende geordnet aufzunehmen und unterzubringen.“ Auch hätten die Landkreise und Städte bereits eine hohe Aufnahmebereitschaft signalisiert.

Unabhängig von staatlichen Maßnahmen gibt es bereits Freiwillige, die Unterstützung anbieten: Die Frankfurter Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) stellt seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine eine überwältigende Hilfsbereitschaft fest. Die Verwaltung erreichten zahlreiche Hilfsangebote, etwa von einer Übersetzerin bis hin zu Immobilienbesitzerinnen und -besitzern, die Wohnraum zur Verfügung stellen wollen.

Intern laufen die Vorbereitungen für die Ankunft von Schutzsuchenden auf Hochtouren, hieß es. „Weder Bund, Land noch wir als Stadt können momentan sicher sagen, wie viele Menschen wohin kommen werden“, sagte Voitl. „Wir sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet und können schnell auf aktuelle Veränderungen reagieren.“

Bis Montagmittag haben sich noch keine Geflüchteten aus der Ukraine an die Stadt gewandt und um Hilfe gebeten. „Wer vielleicht schon privat bei Verwandten oder Freundinnen und Freunden untergekommen ist, taucht natürlich nicht in unserer Statistik auf. Sicher ist aber, es werden Menschen nach Frankfurt kommen und bei uns Schutz suchen“, betonte die Dezernentin.

Auch die Bundespolizei am Frankfurter Hauptbahnhof und am Flughafen hat bisher keine Schutz suchenden Ukrainer registriert. „Wir haben es mit einzelnen Fällen von "gestrandeten" Ukrainern zu tun, die während eines Urlaubs oder Auslandsaufenthalts vom Krieg in ihrer Heimat überrascht wurden und nun zurückwollen oder sagen, sie wollten sich der Verteidigung der Ukraine anschließen“, sagte ein Sprecher am Frankfurter Flughafen.

Auch Helfer mit Sachspenden wollen sich auf den Weg machen. Das in Gießen ansässige Hilfswerk Global Aid Network (Gain) stattet Partner in Polen, Rumänien, der Republik Moldau und Ungarn mit Hilfsgütern aus, damit ankommende Flüchtlinge dort sofort Hilfe erhalten. Ein Partner in Polen ist bereit, 180 Flüchtlinge dauerhaft zu betreuen, hieß es. Am Sonntag konnten den Angaben zufolge mit vereinten Kräften schnell und effektiv 25 Tonnen Lebensmittel für Partner in Polen auf dem Weg gebracht werden.

Angesichts des Krieges in der Ukraine erweitert Hessen seinen HessenFonds auf in ihrem Heimatland verfolgte Forschende. Das kündigte Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) an. „Der entsetzliche Überfall Putins auf die Ukraine ist ein Angriff auf die Freiheit in Europa, der auch unsere europäischen Partnerländer im Baltikum bedroht“, sagte sie.

Joybrato Mukherjee, der Präsident der Justus Liebig-Universität Gießen, kündigte einen eigenen Hilfsfonds der Universität an. Die Unterstützung solle auch mit Partnern in der Stadt und an den beiden anderen mittelhessischen Hochschulen abgestimmt werden. Die Universität habe zahlreiche Verbindungen in die Ukraine - es gebe viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende aus der Ukraine oder mit ukrainischem Hintergrund. „Ihnen gilt unsere besondere Unterstützung in diesen schweren Tagen. Wir wissen, dass sie sich um ihre Familien und Freunde in der Ukraine sorgen und dass sie große Zukunftsängste haben“, sagte Mukherjee.

Der Unternehmensdienstleister Wisag will auf eigene Kosten in Frankfurt ein Hotel für Flüchtlinge aus der Ukraine anmieten. Man sei gerade auf der Suche nach einem geeigneten Objekt zunächst für ein Jahr, berichtete das Unternehmen. Zudem habe man die Geschäftsbeziehungen mit sämtlichen Kunden aus Russland mit sofortiger Wirkung eingefroren. Das betreffe Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe.

Unter anderem leistete Wisag Dienstleistungen für die russische Fluggesellschaft Aeroflot am Frankfurter Flughafen. Es sei jeder und jede Einzelne aufgerufen, einen sichtbaren Beitrag zu leisten, um dem Angriff auf die Menschen in der Ukraine und auf die Demokratie zu beenden, erklärte Firmeninhaber Michael Wisser laut einer Mitteilung.

Auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Hessen kündigte Unterstützung an. „Wir als Gastgewerbe werden in diesen Tagen und Wochen breite und alle denkbare Hilfe und Unterstützung für die Menschen organisieren, die aus ihrer ukrainischen Heimat fliehen müssen“, sagte Präsident Gerald Kink laut Mitteilung. Die Branche in Hessen bereite sich auf die Aufnahme von Flüchtlingen vor, insbesondere die Hotellerie wolle im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen. „Wir sammeln und bündeln die Vielzahl an Hilfsangeboten aus der Branche und werden diese strukturiert Städten und Landkreisen in Hessen zur Verfügung stellen“, so Kink. Derzeit werde eine Plattform zum Eintragen entsprechender Zimmerkapazitäten erstellt.

Ukrainische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die sich gegenwärtig in Hessen mit einem Visum oder einer befristeten Aufenthaltserlaubnis befinden, erhalten nach Angaben des Innenministeriums möglichst unbürokratische Verlängerungen ihrer Titel in den zuständigen Ausländerbehörden der Kommunen. dpa

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