Nach einem brutalen Angriff auf eine LGBTQIA-Persönlichkeit auf der Zeil in Frankfurt sind drei Personen angeklagt worden. (Symbolfoto)
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Nach einem brutalen Angriff auf eine LGBTQIA-Persönlichkeit auf der Zeil in Frankfurt sind drei Personen angeklagt worden. (Symbolfoto)

Queere Person verletzt

Brutaler Hassangriff auf der Zeil in Frankfurt: Jüngster Täter fast noch ein Kind

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Auf der Zeil in Frankfurt wird ein Mensch Opfer eines brutalen Angriffs. Drei Jugendliche werden angeklagt. Ein 16-Jähriger sitzt in Untersuchungshaft.

  • Am 14. November wird in Frankfurt* eine Person aus der LGBTQIA-Community brutal verprügelt.
  • Auf der Zeil* schlagen und treten Jugendliche auf „Kweendrama“ ein.
  • Die Staatsanwaltschaft hat nun Anklage gegen drei mutmaßliche Täter erhoben.

Frankfurt – Über fünf Monate nach dem brutalen Angriff auf eine Person aus der LGBTQIA-Community auf der Zeil in Frankfurt hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen drei Personen erhoben. Das geht aus einer Pressemitteilung vom Dienstag (16.03.2021) hervor. Der Fall sorgte nicht nur wegen der Brutalität für Erschütterung, sondern auch, weil die Polizei lange Zeit das Motiv zurückhielt.

Mitte November 2020 hielt sich „Kweendrama“, eine bekannte queere Persönlichkeit aus der Frankfurter LGBT-Szene, vor dem Kaufhaus MyZeil zwischen Hauptwache und Konstablerwache auf. Verschiedene Akteure aus der „Influencer“-Szene hatten laut Angaben der Polizei für den Abend des 14.11.2021 zu einem Treffen aufgerufen. Als „Kweendrama“ aus Offenbach mit einer Person das Gespräch suchte, eskalierte die Situation.

Hassverbrechen in Frankfurt: „Kweendrama“ stellt homophoben Jugendlichen zur Rede

Laut den Ermittlungen der Polizei in Frankfurt soll eine Debatte von Youtuber „Breso“ und „Kweendrama“, in der es um Toleranz gegenüber Schwulen und Transsexuellen geht, Auslöser des Hassverbrechens gewesen sein. Die queere Persönlichkeit aus Offenbach habe laut Staatsanwaltschaft eine Person „aus der Gruppe der Angeschuldigten“ auf das Video und die homophoben Aussagen von „Breso“ angesprochen. Die Person habe daraufhin „Kweendrama“ attackiert.

Als sich „Kweendrama“ wehrte, kamen immer mehr Personen dazu. Sie schlugen und traten auf das 21-jährige Opfer ein, besprühten es mit Pfefferspray und bewarfen es mit einer Glasflasche. Laut Polizeiangaben sollen zur Tatzeit auf der Zeil bis zu 400 Personen in der näheren Umgebung gewesen sein, niemand kam dem Opfer zur Hilfe. Ein Fluchtversuch sei laut Staatsanwaltschaft gewaltsam unterbunden worden.

LGBTQIA-Persönlichkeit „Kweendrama“ erleidet Gehirnerschütterung

Während des Angriffs vor dem Kaufhaus MyZeil versetzte der jüngste Täter den am Boden liegenden Geschädigten aus der LGBTQIA-Community mehrere weit ausholende Tritte gegen Oberkörper und Kopf, wodurch dieser zur Seite wegkippte. Eine Gehirnerschütterung sowie Prellungen am Schädel, an der Brustwirbelsäule und im Gesicht waren die Folge.

Zehn Personen zwischen 14 und 30 Jahren wurden in Frankfurt von der Polizei festgenommen, gegen zwölf Jugendliche und Männer wurde ermittelt. Angeklagt hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt nach dem brutalen Angriff auf der Zeil nun aber nur drei Personen im Alter von 16, 17 und 18 Jahren. Sie müssen sich nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Frankfurt verantworten.

Hassverbrechen in Frankfurt: 16-Jähriger in Untersuchungshaft

Der 16-Jährige befinde sich derzeit in Untersuchungshaft, weil er gegen „Kweendrama“ Morddrohungen ausgesprochen haben soll. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Wie weiter bekannt wird, sind fünf Verfahren an die Staatsanwaltschaften Darmstadt, Offenbach und Hanau weitergeleitet worden.

Gegen vier weitere Beschuldigte sind die Verfahren eingestellt worden, da laut Staatsanwaltschaft Frankfurt „in einem Fall der Beschuldigte zur Tatzeit unter 14 Jahren und damit strafunmündig war, in einem Fall der Tatverdacht ausgeräumt und in den beiden übrigen Fällen eine Tatbeteiligung nicht nachgewiesen werden konnte“.

Hassverbrechen in Frankfurt: Immer wieder Randale auf der Zeil

LGBTQIA ist eine Abkürzung für „Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual and Asexual“. Der Begriff „queer“ wird verwendet, um von Menschen zu sprechen, die nicht-heterosexuell und nicht-cisgeschlechtlich seien, so das Deutsche Jugendinstitut (DJI). Von cisgeschlechtlich spricht man laut dem Institut dann, wenn eine Person sich mit dem Geschlecht identifiziert, das ihr bei der Geburt zugewiesen wurde.

Immer wieder kommt es auf der beliebten Einkaufsstraße zu Zwischenfällen*. Laut Polizei seien die Straftaten in der Innenstadt von Frankfurt aber rückläufig. Es würden in Kooperation mit der Stadtpolizei und Bundespolizei „entsprechende Maßnahmen“ durchgeführt. Welcher Art diese Maßnahmen genau seien, ließ die Polizei allerdings offen. (Erik Scharf) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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