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Dieses Plakat wurde gestern am Klinikum Höchst aufgehängt. Es informiert Besucher darüber, dass sie zurzeit Hausverbot haben. foto: maik reuss

Sars-CoV-2

Coronavirus-Pandemie im Hessen: Besucher-Stopp in Krankenhäusern

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In Frankfurt sollen Kranke besonders vor dem Coronavirus geschützt werden. Krankenhäuser verbieten deshalb alle Besuche wegen der Ausbreitung von Corona. 

  • Klinikum Höchst verhängt zum Schutz vor dem Coronavirus  einen generellen Besuchs-Stopp für stationäre Patienten 
  • Auch andere Kliniken in Frankfurt und Umgebung verschärfen die Maßnahmen 
  • Ausnahmen auf der Kinder- und Palliativstation: Trotz Coronavirus soll die Menschlichkeit bewahrt werden

Frankfurt -Das Klinikum Höchst lässt keine Besucher mehr ein. Dies hat das berufsgruppenübergreifende Corona-Team des Klinikums gestern entschieden. Die mit dem Höchster Klinikum verbundene Main-Taunus-Klinik in Hofheim sperrte schon vor Tagen Besucher aus. Auf einem Schild am Eingang wird dies mit einer Empfehlung des Gesundheitsamts des Main-Taunus-Kreises begründet. 

Der Anlass ist klar, angesichts der sich immer weiter ausbreitenden Pandemie muss jede Ansteckungsgefahr möglichst vermieden werden. Insbesondere in Krankenhäusern soll sich die hochinfektiöse Viruserkrankung nicht ausbreiten. Denn die Patienten sind empfindlicher, geschwächter, nicht so robust wie ihre Besucher - die ohne Krankheitssymptome von einer möglichen eigenen Infektion ja gar nichts wissen können.

Klinikum Höchst (Frankfurt): Genereller Besuchs-Stopp zum Schutz der Patienten vor dem Coronavirus 

Auch im Klinikum Höchst wurde gestern ein "genereller Besuchs-Stopp zum Schutz der stationären Patientinnen und Patienten" verhängt, so Sprecherin Doreen Werner. Gestern wurden die Mitarbeiter und die Patienten informiert, zudem hängten Mitarbeiter im Lauf des Nachmittags entsprechende Plakate auf. Auf der Internetseite wird der Stopp ebenfalls kommuniziert.

Es gibt Ausnahmen, über die die Stationsärzte entscheiden. Auf der Entbindungsstation dürfen Väter ihre Familien besuchen, auf der Kinderstation und bei Palliativ-Patienten soll es auch Ausnahmen geben.

Krankenhaus Nordwest in Frankfurt entscheidet heute über schärfere Maßnahmen aufgrund des Coronavirus

Ob die Lage auch im Krankenhaus Nordwest restriktiver gehandhabt wird, entscheidet der Krisenstab heute. "Bereits am Dienstag haben wir den Besucherverkehr eingeschränkt", sagte die Sprecherin Brigitte Ziegelmayer. Maximal zwei Besucher pro Patient durften kommen, und dies nicht mehr den ganzen Tag über. Heute fällt die Entscheidung, ob jeglicher Besuch untersagt wird - eine notwendige Reaktion auf die Infektionsgefahr durch das Coronavirus. "Wir müssen unsere Patienten schützen", sagt Ziegelmayer. Zwei Ausnahmen gibt es auch hier: Auf der Neugeborenenstation und auf der Palliativstation dürfen Angehörige Beistand leisten - in den ersten Stunden eines Menschenlebens und in den möglicherweise letzten.

Auch die BG-Unfallklinik in Frankfurt Seckbach schränkt die Besuchszeiten wegen des Coronavirus ein

"Unsere Besuchszeiten haben wir bis auf weiteres eingeschränkt: Diese sind täglich von 15 Uhr bis 18 Uhr. Dabei sind maximal zwei Personen pro Besuch gestattet. Wir bitten um Ihr Verständnis. Ihre Klinikleitung." Diese Information hat die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik gestern auf ihre Webseite gestellt. Sie galt jedoch schon einen Tag früher.

Ausnahmen für Besuche auf der Kinderstation und bei Palliativ-Patienten

Bereits vor einer Woche wurde die Uniklinik Frankfurt aktiv. Hier dürfen ausweislich der Webseite Patienten nur noch von 16 bis 18 Uhr besucht werden, zudem ist nur ein Besucher pro Patient erlaubt. Ausgenommen sind als Begleitpersonen definierte Angehörige auf den Stationen der Kinderheilkunde, der Geburtshilfe und der Palliativstation.

Die Krankenhäuser trafen und treffen derlei Entscheidungen auf eigene Verantwortung und eigenes Ermessen. Das Gesundheitsamt hat keine Anordnung herausgegeben. "Der Pandemieplan ist für Covid-19 aktualisiert, aber nicht aktiviert", sagte Dr. Antoni Walczok, Leiter der Infektiologie und Hygiene des Amtes. Soll heißen, der Pandemieplan von 2009, der für die Schweinegrippe entwickelt worden war, wurde an die Besonderheiten der neuen Pandemie angepasst. "Aber der Plan ist nicht in Kraft getreten." Anordnungen kämen vom Bund oder Land. Dann könne das Amt auch Krankenhäusern Vorschriften machen, was Besucherverkehr angeht.

Frankfurt: Besucherausschluss nach Ermessen der Einrichtungen - Noch gibt es keinen Plan vom Gesundheitsamt

Das gilt auch für Alten- und Pflegeheime: Die Geschäftsleitungen entscheiden selbst. Beim Frankfurter Verband unterblieben Besuche freiwillig, so Vorstandsvorsitzender Frédéric Lauscher. Man appelliere an Angehörige, auf Besuche zu verzichten. Ansonsten gelte: Handhygiene, Abstand, möglichst wenig Kontakt. Dies gelinge bislang auch sehr gut. "Besucher und Bewohner verhalten sich durchgängig sehr vernünftig und unterstützend. Wir haben den Eindruck, dass die bisherige auf Freiwilligkeit beruhende Beschränkung sehr gut funktioniert", sagte Lauscher. 

Generell gilt bei Besuchen: Handhygiene, Abstand, möglichst wenig Kontakt. (Symbolbild)

Schutz der Patienten vor dem Coronavirus ist wichtig - Aber nicht auf Kosten der Menschlichkeit

Das Coronavirus stellt unser aller Leben auf den Kopf. Nun reagieren auch Krankenhäuser, indem sie Besucher gar nicht oder nur sehr eingeschränkt zulassen. Das ist eine harte Entscheidung, betrifft sie doch ein emotionales Bedürfnis: da zu sein für Menschen, die leiden, und für die Angehörige und Freunde so wichtig sind wie die richtige Medizin. Dennoch ist die Entscheidung angesichts der akuten Bedrohung durch das Virus richtig. Experten sagen, dass es bis zu 14 Tage dauern kann, ehe sich Symptome zeigen. 

Das heißt: Ein Besucher, der sich völlig gesund fühlt, kann trotzdem das Virus ins Krankenhaus tragen. Das aber hätte ausgerechnet an jenem Ort, an dem Menschen Heilung finden sollen, verheerende Auswirkungen. Ebenso wichtig ist es, dass die meisten Kliniken noch ein Hintertürchen offen halten - etwa für Angehörige, die ihre sterbenskranke Oma besuchen wollen. Denn Empathie und Menschlichkeit darf uns das Virus nicht rauben.

Michael Forst und Thomas J. Schmidt  

Neue Entwicklungen und Schließungen von Einrichtungen werden in diesem News-Ticker zum Coronavirus veröffentlicht.

In Offenbach sind mittlerweile fünf Personen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Zum Schutz schränken auch hier die städtische Ämter ihren Service ein.

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