Barrierefrei im Nahverkehr durch Frankfurt? Das wird trotz anderer Vorgaben auch 2022 noch nicht möglich sein. 55 Prozent der Straßenbahnhaltestellen sind bis dahin noch nicht umgebaut. Dieses Ziel des Nahverkehrsplans verursacht Kritik. Foto: Salome Roessler
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Barrierefrei im Nahverkehr durch Frankfurt? Das wird trotz anderer Vorgaben auch 2022 noch nicht möglich sein. 55 Prozent der Straßenbahnhaltestellen sind bis dahin noch nicht umgebaut. Dieses Ziel des Nahverkehrsplans verursacht Kritik.

Planungen 

Zukunft der Busse und Bahnen: Frankfurt scheitert bei wichtigem Ziel

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Die Busse und Bahnen in Frankfurt sollen zuverlässiger fahren. Bei der Barrierefreiheit hakt's: Der Plan für den Nahverkehr bis 2025. 

Frankfurt - Zuverlässiger und öfter sollen U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse fahren. Bis 2025 kann die Fahrgastzahl so um 27 Prozent auf jährlich 324,3 Millionen steigen. Das sieht der Nahverkehrsplan vor, den Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) vorlegt. Die Richtschnur für den Nahverkehrsausbau müssen die Stadtverordneten noch beschließen. Sie und die Fahrgäste warten seit vielen Jahren darauf.

Im 326 Seiten starken Werk wird eines bereits klar: Die Vorgabe der Bundesregierung, dass der Nahverkehr ab 2022 barrierefrei sein soll, wird die Stadt reißen. 96 Prozent der U-Bahn-Stationen werden zwar bis dahin barrierefrei sein, auch der Halt Westend gerade rechtzeitig. Bei Römerstadt und Niddapark klappt es jedoch wohl erst kurz danach.

62 Prozent der Busstopps sollen bis 2022 barrierefrei sei, bei den Tram-Halten aber nur 55 Prozent. Das sei der einzige deutliche Kritikpunkt, der bei der Abfrage von Stellungnahmen von mehr als 50 betroffenen Verbänden und Behörden in den vergangenen drei Monaten geäußert worden sei, so Tom Reinhold, Geschäftsführer der städtischen Nahverkehrsorganisation Traffiq. Rund 700 Anregungen seien eingegangen, viele übernommen worden.

Frankfurt: Halte-Umbau wäre 141 Millionen teuer

"Der öffentliche Nahverkehr in Frankfurt wird immer noch nicht barrierefrei gedacht und geplant, und bestenfalls wird das Ergebnis übertüncht", heißt es von der Behindertenarbeitsgemeinschaft. Eine Prioritätenliste habe man nun erstellt, erklärt Oesterling. Der Ausbau hänge davon ab, wie viel Geld die Politik bereitstelle, erinnert Reinhold. Für alle Halte würde es 141 Millionen Euro kosten.

Der Nahverkehrsplan führt vor allem Vorhaben zusammen, die in Planung oder gar schon in Bau sind, etwa die Verlängerungen der U2 nach Bad Homburg, der U5 zum Römerhof sowie zum Frankfurter Berg, der U7 ins Gewerbegebiet Praunheim. Eine Neuauflage des Plans alle fünf Jahre sei seit 1997 vorgesehen, räumt Klaus Oesterling ein. Einen Entwurf habe sein Amtsvorgänger 2016 zurückgestellt, weil Basisdaten unaktuell gewesen seien. Der neue Plan erwartet, dass die Stadt von 2018 bis 2025 von 748 000 auf 794 000 Einwohner wächst. Für 27 Prozent mehr Fahrgäste soll das bessere Angebot die Kosten um 25 Prozent auf 214 Millionen Euro jährlich ansteigen lassen. Reinhold: "Wir schaffen die Kapazitäten für die wachsende Stadt."

Frankfurt: Zehn-Minuten-Takt wird Standard

Dafür wird vor allem das heutige Angebot verdichtet. Auch das ist schon bekannt, etwa das Metrobus-Netz ab diesem Dezember, in dem sieben stark nachgefragte Linien in den 24-Stunden-Betrieb gehen und tagsüber alle zehn Minuten verkehren. Wenn Bus und Bahn "immer da" seien, locke die Zuverlässigkeit langfristig viele Fahrgäste, erläutert Reinhold. Wohl 2023 sollen vier weitere Linien folgen. Zudem sollen Tram- und Buslinien über grüne Welle an Ampeln beschleunigt werden.

Der Zehnertakt soll auch bei der Elektrischen Standard werden. Bis 2025 soll das Netz umgestrickt, drei Linien sollen ergänzt, zwei Betriebsstrecken reaktiviert werden. Das Konzept will Oesterling nächste Woche vorstellen.

Auch Blicke in die Zeit nach 2025 gibt der Plan. Der U4-Lückenschluss Bockenheim-Ginnheim gehört dazu, die U4-Verlängerung zum Atzelberg, die U7-Verlängerung durch die "Josefstadt", das künftige Baugebiet östlich der A5, zum Nordwestzentrum.

Bei der Straßenbahn rechnet der Plan mit dem Bau der Ringtram und Strecken nach Bad Vilbel und via Neu-Isenburg nach Dreieich - aber nicht nach Offenbach: "Da bin ich sehr skeptisch", sagt der Dezernent. Bis heute gebe es nicht einmal eine Vereinbarung, das gemeinsam zu untersuchen. (Von Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Am Platz der Republik in Frankfurt stehen während der Sommerferien umfangreiche Arbeiten an. Wie die Straßenbahnen während der Bauzeit fahren und welche Umsteigemöglichkeiten es gibt, haben wir zusammengestellt.

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