Ausgabe von FFP2-Masken

Hessens Apotheken verteilen Gratis-Masken an bestimmte Personen

  • vonJoel Schmidt
    schließen

Ab Dienstag (15.12.2020) können sich Risikopatienten kostenlose FFP2-Masken in der Apotheke abholen. In Hessen sind etwa zwei Millionen Menschen dazu berechtigt.

  • Zum Schutz gegen das Coronavirus bekommen Angehörige der Risikogruppen gratis FFP2-Masken ausgehändigt.
  • Vor den Apotheken in Hessen wird mit einem großen Andrang gerechnet.
  • FFP2-Masken filtern Partikel zwar besonders stark, bieten aber auch keinen umfassenden Schutz gegen Coronaviren.

Frankfurt – Bundesweit sind ab dem heutigen Dienstag (15.12.2020) rund 27 Millionen Menschen aus den Corona-Risikogruppen dazu berechtigt, sich in Apotheken kostenlos mit FFP2-Masken ausstatten zu lassen. Die Aktion läuft noch bis zum 6. Januar 2021 und kostet das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) rund 2,5 Milliarden Euro. Dem Hessischen Apothekerverband zufolge gehören in dem Bundesland etwa zwei Millionen Menschen zu Corona-Risikogruppen.

Ausgabe von FFP2-Masken zur Eindämmung von Corona: Lange Schlangen vor Apotheken sollen verhindert werden.

Corona-Risikogruppen: Gratis-FFP2-Masken in der Apotheke

Nach Angaben des Hessischen Apothekerverbands gibt es derzeit etwa 1.400 Apotheken im Bundesland, in denen Angehörige der Corona-Risikogruppen sich ab Dienstag mit kostenlosen Masken ausstatten lassen können. Das BMG teilt mit, dass sich über 60-Jährige und Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen unter Vorlage ihres Personalausweises oder einer „nachvollziehbaren Eigenauskunft über die Zugehörigkeit einer Risikogruppe“ in einer Apotheke ihrer Wahl gratis bis zu drei FFP2-Masken aushändigen lassen können.

Appell an Angehörige der Corona-Risikogruppen: „Nicht gleich heute oder morgen in die Apotheke“

Bereits im Vorfeld der Maskenvergabe rechnete der bundesweite Apothekerverband mit einem „enormen Kundenandrang“ und appellierte an die Angehörigen der Corona-Risikogruppen, nicht gleich am ersten Tag in die Apotheken zu strömen. Diesem Appell kann sich Jürgen Schneider, Geschäftsführer des Hessischen Apothekerverbands, nur anschließen. Angesichts des zu erwartenden Andrangs bei der Ausgabe der FFP2-Masken sagte er auf Anfrage: „Wir können wirklich nur die Leute bitten, nicht gleich heute oder morgen in die Apotheken zu gehen, sondern das auf die nächsten acht Tage zu verteilen.“

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki, zweifelt indes am Sinn der FFP2-Maskenverteilung an Corona-Risikogruppen. „Leider klingt es wie Realsatire, wenn Jens Spahn die vulnerablen Gruppen jetzt aufruft, in den Apotheken ihre drei FFP2-Masken abzuholen, während das Land in den harten Lockdown geht“, sagte Kubicki den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Dienstag (15.12.2020). „Die von der Kanzlerin gewollte Kontaktbeschränkung wird damit von ihrem eigenen Minister ad absurdum geführt.“

Insbesondere auf dem Land müssten viele Angehörige der Corona-Risikogruppen, um in eine Apotheke zu kommen, auch noch ihre Kontakte weiter erhöhen, weil sie in den Bus oder ins Taxi steigen müssten. „Viel sinnvoller wäre es gewesen, hätten die Krankenkassen statt der fälschungssicheren Coupons gleich mehrere FFP2-Masken per Post an die Menschen verschickt“, so Kubicki.

FFP2-Masken für Corona-Risikogruppen: Zwei Millionen Menschen in Hessen haben Anspruch

Laut dem Bundesministerium für Gesundheit haben alle Versicherten, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, einen Anspruch auf Aushändigung der drei kostenlosen FFP2-Masken. Ein Anspruch besteht außerdem bei Nachweis einer der folgenden Krankheiten oder Risikofaktoren:

  • chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder Asthma bronchiale
  • chronische Herzinsuffizienz
  • chronische Niereninsuffizienz Stadium ≥ 4
  • Demenz oder Schlaganfall
  • Diabetes mellitus Typ 2
  • aktive, fortschreitende oder metastasierte Krebserkrankung oder stattfindende Chemo- oder Radiotherapie, welche die Immunabwehr beeinträchtigen kann
  • stattgefundene Organ- oder Stammzellentransplantation
  • Trisomie 21
  • Risikoschwangerschaft

Vorrat an FFP2-Masken in Hessen: Apotheken können von Lieferengpässen betroffen sein

Schneider weist auch darauf hin, dass zu Beginn der kostenlosen Ausgabe der FFP2-Masken nicht sofort alle Apotheken in Hessen mit ausreichend Material versorgt sein könnten und bittet für Verständnis. Da die Lieferdienste in der Weihnachtszeit traditionell stark überlastet seien und der Transport der FFP2-Masken nicht ausschließlich über den pharmazeutischen Großhandel abgewickelt werde, könne es auch in diesem Bereich zu Lieferengpässen kommen. „Da muss man dann auch ein bisschen an die Vernunft der Leute appellieren, dass so ein Vorgang nicht in ein bis zwei Tagen abgewickelt ist“, so Schneider.

Ausgabe von FFP2-Masken an Corona-Risikogruppen: Aktion wird 2021 fortgesetzt

In einem zweiten Schritt der Aktion zur Vergabe von FFP2-Masken können Angehörige der Corona-Risikogruppen ab dem 1. Januar 2021 zudem weitere zwölf Masken in Apotheken ausgehändigt bekommen. Laut Bundesgesundheitsministerium sollen sie von ihrer Krankenkasse zu diesem Zweck entsprechende Coupons erhalten, mit denen sie zweimal je sechs FFP2-Masken ausgehändigt bekommen. Dabei soll für die Angehörigen der Corona-Risikogruppen allerdings ein Eigenanteil von jeweils zwei Euro für je sechs Masken vorgesehen sein.

FFP2-Masken filtern Partikel zwar besonders wirksam aus der ein- oder ausgeatmeten Atemluft, doch auch sie können keinen allumfassenden Schutz gegen die weiterhin starke Verbreitung des Coronavirus bieten. Darauf machte auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu Beginn der Aktion noch ein mal aufmerksam, indem er sagte: „Auch FFP2-Masken bieten keinen hundertprozentigen Schutz vor dem Coronavirus. Sie sind kein Freifahrtschein dafür, unachtsam zu sein. Aber sie senken die Gefahr für eine Ansteckung erheblich.“ (Joel Schmidt)

Rubriklistenbild: © Angelika Warmuth/dpa

Das könnte Sie auch interessieren