Unverantwortlich findet Fritzie Sprungk das Verhalten von Hundehaltern, die ihre Vierbeiner frei über Wiesen laufen lassen. Fotos: jost
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Unverantwortlich findet Fritzie Sprungk das Verhalten von Hundehaltern, die ihre Vierbeiner frei über Wiesen laufen lassen.

Diskussion um Leinenpflicht

Frau von frei laufendem Hund verletzt: „Ich bin stinksauer und auch entsetzt“

Der blaue Gipsverband am linken Unterarm erinnert Fritzie Sprungk schmerzlich an den Unfall in Dreieich. Vor einigen Tagen, als sie durch die Baierhansenwiese spazierte, riss sie ein freilaufender Hund um.

  • Frau (71) in Dreieich von frei laufendem Hund umgerannt und verletzt
  • Diskussion um Leinenpflicht entbrennt neu
  • In Dreieich gibt es keine Hundesatzung

Dreieich – „Ich bin stinksauer und auch entsetzt, wie rücksichtslos manche Menschen sind“, sagt die 71 Jahre alte Sprendlingerin nach ihrem folgenreichen Zusammenstoß in den Baierhansenwiesen. Ihr Unterarm ist gebrochen, die nächsten vier bis fünf Wochen muss sie den Gips tragen.

Hunde-Vorfall in Dreieich: Großes Tier springt Frau (71) an

Es ist zwischen halb acht und acht am Abend, als Fritzie Sprungk einen Spaziergang auf dem Rundweg durch das Sprendlinger Naherholungsgebiet macht. „Auf Höhe der Storchenwiese, wo der Storchenhorst installiert ist, kam völlig unvermittelt ein großer Hund aus dem Gras gerannt. Ein kräftiger Kerl. Er hat mich nicht angesprungen, wollte auch nicht beißen oder so. Er ist einfach sehr schnell um die Ecke gekommen, hat mich angerempelt und mich dabei umgerissen“, schildert die Seniorin den Unfallhergang. Sie stürzt, fällt auf den Arm, der Knochen bricht. „Die Unfallärztin hat gesagt, ich habe noch Glück gehabt, dass ich mir nicht die Hüfte oder den Oberschenkel bei dem Sturz gebrochen habe“, berichtet Sprungk.

Der Hund, sagt sie, könne eigentlich nicht mal was dafür. Aber dem Hundebesitzer, der solch ein großes Tier einfach unbeobachtet und unkontrolliert über die Wiesen rennen lässt und dann möglicherweise gar nicht mitbekommt, was passiert ist, oder noch schlimmer: den Unfall vielleicht sogar ignoriert – dem macht die verletzte Sprendlingerin Vorwürfe. „Das ist unverantwortlich!“ – gerade zurzeit, wo so viele Leute in der Natur unterwegs seien. Fritzie Sprungk hat bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Beschreibung des Vierbeiners ist eher dürftig und auch dem Schock geschuldet. Der Hund sei sehr groß gewesen, habe ein braunes Fell und einen dunkleren Kopf gehabt.

Frau (71) durch Hund verletzt – Frei laufende Tiere ein Dauerbrenner in Dreieich

Frei laufende Hunde im Landschaftsschutzgebiet Baierhansenwiesen sind ein Dauerbrenner in Dreieich. Zur Brut- und Setzzeit zwischen dem 1. März und dem 15. Juni bekommt das Thema noch mehr Brisanz. Die Leinenpflicht ist politisch vor zwei Jahren knapp im Stadtparlament gescheitert. Das kann Fritzi Sprungk nicht verstehen: „Die Politiker, die mit einem Nein gegen eine solche Satzung gestimmt haben, müssen sich jetzt fragen lassen, ob es richtig ist, dass die Hunde hier ohne Leine herumrennen und ob sie die Verantwortung bei solchen Unfällen tragen wollen“, sagt die Sprendlingerin. Sie befürwortet eine ganzjährige Leinenpflicht in den Baierhansenwiesen.

Klaus Rehwald, Mitglied der AG Umwelt- und Naturschutz, hat in den vergangenen Tagen vermehrt Hunde gesehen, die sonst nicht in Dreieich unterwegs seien. „Wir kennen die Hundebesitzer hier vor Ort und die meisten sind sehr rücksichtsvoll und haben Verständnis“, sagt Rehwald. Er bedauert es auch, dass es keine Hundesatzung für Dreieich gibt. Die umliegenden Städte wie Langen, Egelsbach, Neu-Isenburg oder Frankfurt hätten alle eine Satzung; dass die Tiere in Dreieich freilaufen dürfen, führe zu „Hundetourismus“ und damit zu mehr Hundebetrieb in den Wiesen.

Gilt für Hund und Mensch: Das Spazierengehen ist nur auf den Wegen erlaubt.

Frau in Dreieich durch frei laufenden Hund verletzt: Stadt will Kontrollen verstärken

Die Stadt hat Kenntnis von Fritzie Sprungks Unfall. „Wir nehmen diesen Vorfall zum Anlass, verstärkt zu kontrollieren“, kündigt Pressesprecherin Claudia Scheibel auf Anfrage an. Das Ordnungsamt habe in der jüngeren Vergangenheit keine weiteren gemeldeten Unfälle mit Hunden oder Beschwerden über Hunde im Allgemeinen gehabt, sagt die Stadtsprecherin.

„Eine Leinenpflicht gibt es ja bekanntlich nicht, aber Leinen bringen gerade in den derzeit stark frequentierten Naherholungsgebieten Sicherheit für alle“, so Scheibel weiter. Dass die Vierbeiner nicht angeleint sein müssten, bedeute allerdings nicht, dass er unkontrolliert durch die Gegend flitzen könne. „Wenn wir im Falle eines Unfalls wissen, welcher Hund das war und wem er gehört, ermittelt die Stadt in einem Verfahren gegen den Hundehalter. Es wurden in der Vergangenheit auch schon Bußgelder verhängt“, sagt die Pressesprecherin.

Hunde-Vorfall in Dreieich: „Die schwarzen Schafe machen viel kaputt“

Für Christa Mehl-Rouschal, Vorsitzende der AG Umwelt-und Naturschutz, sind die freilaufenden Hunde ebenfalls ein Problem. Sie regt an, eine Leinenpflicht für die Brut- und Setzzeit noch einmal in die Diskussion zu bringen. „Alle sprechen von der Artenvielfalt und ihrer Erhaltung, aber das gelingt uns nicht, wenn Hunde durch die Wiesen rennen.“ Mehl-Rouschal hat die Beobachtung gemacht, dass viele Hundebesitzer inzwischen sensibel mit dem Thema umgehen.

„Aber die schwarzen Schafe machen viel kaputt.“ Die AG Umwelt- und Naturschutz will sich überlegen, wie sie dazu beitragen kann, dass politische Beratungen zu dem Thema noch mal aufgenommen werden. Bis dahin appelliert die Vorsitzende an die Hundebesitzer, von März bis Mitte Juni die Hunde an die Leine zu nehmen, die Wege nicht zu verlassen und auch die Hinterlassenschaft ihrer Vierbeiner mitzunehmen, um Natur und Umwelt zu schützen.

In Dreieich wurde ein Hund vergiftet. Er zuckte bei einem Spaziergang plötzlich zusammen. Weißer Schaum kam ihm aus dem Maul. Wenig später starb das Tier.

Die Corona-Krise hält derweil weiter die Region in Atem. Der Tierheimbetrieb läuft trotz des Coronavirus weiter. Auch wenn die Anlage im Dreieichenhainer Haag offiziell nicht geöffnet hat, müssen all die herrenlosen Hunde in Dreieich* trotzdem versorgt werden.

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VON NICOLE JOST

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