Der Einschlag eines Asteroiden vor 66 Millionen Jahren hat die Dinosaurier und zahlreiche andere Lebewesen ausgelöscht. Nun haben Forschende den Zusammenhang zwischen Asteroiden-Einschlag und Massensterben nachgewiesen. (Symbolbild)
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Der Einschlag eines Asteroiden vor 66 Millionen Jahren hat die Dinosaurier und zahlreiche andere Lebewesen ausgelöscht. Nun haben Forschende den Zusammenhang zwischen Asteroiden-Einschlag und Massensterben nachgewiesen. (Symbolbild)

Geologische Schnitzeljagd

Fund im Chicxulub-Krater in Mexiko löst Rätsel um Aussterben der Dinosaurier

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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Eine jahrzehntelange geologische Schnitzeljagd ist zu Ende, Forschende präsentieren das letzte Puzzleteil: Die Dinosaurier wurden von einem Asteroiden-Einschlag ausgelöscht.

  • Vor 66 Millionen Jahren fand ein gewaltiges Massensterben statt, unter anderem die Dinosaurier wurden ausgelöscht.
  • Konsens ist, dass ein Asteroid das Massensterben verursachte. Nun haben Forschende dafür den letzten Beweis dafür gefunden – im Chicxulub-Krater in Mexiko.
  • Neues aus der Weltraumforschung – auch wenn sie wie in diesem Fall auf der Erde stattfindet – finden Sie auf unserer Themenseite.

Vor 66 Millionen Jahren wurden zwei Drittel aller damals lebenden Arten – unter ihnen die Dinosaurier – durch ein gewaltiges Ereignis ausgelöscht. Es gab viele Hypothesen, welches Ereignis wohl für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich war, mittlerweile gilt die Theorie eines Asteroiden-Einschlag im Golf von Mexiko als weithin anerkannt. Doch eindeutig bestätigt war der Zusammenhang zwischen Einschlag und Massensterben bisher nicht, obwohl man in den 1990er Jahren den so genannten Chicxulub-Krater in Mexiko fand und damit sogar den Einschlagskrater lokalisiert hatte.

Nun hat ein internationales Team von Forschenden um Dr. Steven Goderis, Professor für Geochemie an der Vrije Universiteit Brussel, offenbar das letzte Puzzleteil einer langen geologischen Schnitzeljagd gefunden. Es ist das Teil, das den Zusammenhang zwischen dem Asteroiden-Einschlag und dem Massensterben herstellt. Doch um zu verstehen, was die Forschenden gefunden haben, muss man die Vorgeschichte kennen:

  • Ende der 1970er Jahre: In Italien und Spanien entdeckten Forschende in Sedimentschichten eine sehr dünne Schicht aus Tonmineralien, die die Grenze zwischen Kreidezeit und Paläogen zieht.
  • Vor etwas mehr als 40 Jahren fanden Forschende in diesen „Grenzschichten“ eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Iridium und anderen Platinmetallen. Diese seltenen Metalle kommen in hohen Konzentrationen in Meteoriten (unter Meteoriten versteht man Gestein aus dem Weltall, das in die Erdatmosphäre eingedrungen und auf der Erde aufgeschlagen ist) vor, aber nur in sehr geringen Konzentrationen in Gesteinen auf der Erde. Erklärt wird die Schicht damit, dass sich Staub abgelagert hat, der durch Einschlag und Verdampfung eines zwölf Kilometer großen Asteroiden entstanden ist.
  • In den frühen 1990er Jahren wurde der etwa 200 Kilometer große Einschlagskrater Chicxulub unter der Halbinsel Yucatán in Mexiko entdeckt. Er erhärtete die Theorie eines gewaltigen Einschlags.

Asteroiden-Einschlag löschte Dinosaurier aus: Chicxulub-Krater in Mexiko wird erforscht

Der Chicxulub-Krater in Mexiko steht seit seiner Entdeckung im Mittelpunkt der Forschung. Im Mai 2016 hat ein Team von Forschenden dort Bohrungen vorgenommen. Im Bohrkern sind Ablagerungen aus der Zeit zu sehen, in der der Krater von den chaotischen Bedingungen nach dem Asteroiden-Einschlag* (beispielsweise Tsunami-Wellen) zu ruhigeren Bedingungen überging. Dieser Teil des Bohrkerns wurde von vier unabhängigen Labors in aller Welt untersucht.

Das Element Iridium, nach dem die Forschenden Ausschau hielten, ist aufgrund seiner geringen Konzentration schwierig zu messen, doch die Labors wurden fündig: „Unsere Messungen konnten eindeutig zeigen, dass innerhalb des Kraters eine Schicht erhalten ist, die Iridium und andere Platinmetalle enthält“, freut sich Dr. Christian Köberl, Professor für Impaktforschung und Planetare Geologie an der Universität Wien.

Forschende finden Asteroiden-Staub im Chicxulub-Krater in Mexiko

Die Zusammensetzung und Konzentration der Elemente, die von einem Asteroiden stammen, gleichen Messungen, die an 52 Orten weltweit in derselben geologischen Schicht genommen wurden. „Dieser meteoritische Staub hat sich nach dem Einschlag viele Jahre in der Atmosphäre gehalten, und ist erst einige Jahrzehnte nach dem Einschlagsereignis wieder in den Krater zurückgefallen“, erklärt Köberl.

Die Forschenden konnten die Schicht mit dem Asteroiden-Staub genau datieren: Sie entstand etwa zwanzig Jahre nach dem Asteroiden-Einschlag. „Wir sind jetzt auf einer Ebene des Zufalls, die geologisch nicht ohne Grund geschieht“, erklärt der Co-Autor der Studie, Sean Gulick von der University of Texas in Austin. „Der Fund begräbt alle Zweifel, dass die Iridium-Anomalie nicht in Zusammenhang mit dem Chicxulub-Krater steht“, so Gulick weiter.

Asteroiden-Staub als letztes Puzzleteil: Einschlag sorgte für Massensterben

Der Fund des Asteroiden-Staubs im Krater ist bedeutend: Anhand der Reihenfolge der Ablagerungen können die Forschenden zeitlich einordnen, wann der Einschlag des Asteroiden stattfand. Die Forschenden haben den „unbestreitbaren Beweis“ gefunden, „dass der Einschlag und das Aussterben eng miteinander verbunden sind“, heißt es in einer Mitteilung des Naturhistorischen Museums Wien. „Der Kreis ist nun endlich geschlossen“, freut sich Dr. Steven Goderis, Hauptautor der Studie, die im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht wurde.

In den vergangenen Jahren haben Forschende aus aller Welt einige neue Erkenntnisse rund um den Asteroiden-Einschlag gewonnen, der die Dinosaurier auslöschte. Beispielsweise glauben sie nun zu wissen, dass der Asteroiden-Einschlag alleine für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich war, und dass der Einschlag unter anderem deshalb so tödlich war, weil der Asteroid in einem ganz bestimmten Winkel auf der Erde einschlug. Doch war es überhaupt ein Asteroid, der vor 66 Millionen Jahren die Erde für immer veränderte? Astronomen haben erst kürzlich ein neues Modell präsentiert und vermuten, dass ein Bruchstück eines Kometen für den tödlichen Einschlag verantwortlich war*. (Tanja Banner) *fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

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