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Angeklagter in „Boystown“-Prozess spricht von „Doppelleben“

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Boystown-Prozess
Ein Angeklagter wird in den Saal gebracht. © Sebastian Gollnow/dpa/Archvibild

Im Prozess gegen die mutmaßlichen Betreiber einer Internetplattform zum Austausch von Darstellungen sexueller Gewalt an Kindern hat einer der Angeklagten zu seiner Tätigkeit als Moderator und Administrator ausgesagt. Der 41-Jährige aus dem Landkreis Paderborn sagte am Freitag zu Beginn seiner Einlassung vor dem Landgericht Frankfurt, die Anklage sei „vollumfänglich richtig“.

Frankfurt/Main - Er sei bereit, jede Strafe zu akzeptieren, und hoffe auf professionelle Hilfe, „da ich alleine mit meinem Problem nicht fertig werde“, sagte der untersetzte Mann mit zurückweichendem Haaransatz. Er entschuldigte sich bei den Opfern der Plattform namens „Boystown“.

Während der Aussage wurde die Öffentlichkeit teilweise ausgeschlossen. Im öffentlichen Teil ging es um die Tätigkeit des Angeklagten als Moderator des Chats. Dort sei es um Unterhaltungen gegangen, Darstellungen seien in anderen Bereichen des Forums gepostet worden.

Er sei schon ziemlich lange im Darknet unterwegs gewesen und zuvor an einem anderen Chat als Moderator beteiligt gewesen, sagte der Angeklagte, der von einem „Doppelleben“ sprach. Als Moderator habe er auf die Einhaltung von Gruppenregeln und höflichen Umgang geachtet, sagte der Mann, der auf der Plattform mit dem Namen „Phantom“ unterwegs gewesen war. Nach seiner Festnahme sei er auch erleichtert gewesen, dass es vorbei war. „Ich habe gedacht, jetzt mache ich reinen Tisch.“

Die übrigen drei Angeklagten hatten in dem Verfahren über ihre Verteidiger erklären lassen, dass die Vorwürfe zuträfen, sie über ihre Aussagen bei der polizeilichen Vernehmung hinaus aber keine Angaben machen wollten. Ein 66-Jähriger aus Hamburg, der laut Anklage einer der aktivsten Nutzer der Plattform war, bezeichnete sich am Freitag in der von seiner Verteidigerin verlesenen Erklärung als ein „einfacher Teilnehmer der Plattform“, der zu keiner Zeit eine herausgehobene Position gehabt habe. Die Bezeichnung „Guru“ oder „Megastar“ für ihn hätten sich andere Teilnehmer ausgedacht. Dagegen hatte der 41-Jährige angegeben, diesen „Rang“ hätten besonders aktive Nutzer der Plattform erhalten.

In dem Verfahren sind zudem ein 49-Jähriger aus dem Landkreis Mühldorf am Inn in Bayern und ein 60-Jähriger aus Norddeutschland angeklagt, der zuletzt in Paraguay lebte. Sie sollen im sogenannten Darknet die Plattform „Boystown“ im Sommer 2019 aufgebaut haben. Zwei der Männer sollen zudem selbst Kindern sexuelle Gewalt zugefügt haben. dpa

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