Eigens zur Eröffnung des neuen Einkaufszentrums Rondo wurde eine Buslinie eingerichtet. Nach wenigen Monaten zeigt sich: Die Hanauer haben kaum Interesse an der neuen Linie. Archivfoto: Paul

Zwischenbilanz: Rondo-Bus wird kaum genutzt

Steinheim. Die neue Buslinie 13 zum Rondo-Einkaufszentrum in Steinheim wird kaum genutzt. So lautet eine Art vorgezogene Zwischenbilanz der städtischen Verkehrsbetriebe, nach rund einem Vierteljahr Betrieb. Pro Runde, vom Amerikafeld durch Steinheim und wieder zurück, seien im Schnitt nur fünf bis sieben Fahrgäste unterwegs.

Von Rainer Habermann

Als „gute Resonanz“ auf einen Kurs gelten bei der HSB „Passagierzahlen im leicht zweistelligen Bereich“ pro Tour. Die Zahlen sind etwas ernüchternd, wie sie der HSB-Pressesprecher Joachim Haas-Feldmann auf unsere Anfrage hin präsentiert. Sie bedeuten, dass bei 13 Umläufen jeweils montags bis freitags und 15 samstags durchschnittlich rund 480 Fahrgäste pro Woche den Bus nutzen.

Im Monat Juni summierte sich dieser Durchschnitt auf exakt 1743 Passagiere, im Juli auf 2143, wie die HSB mitteilt. Eine „gute Resonanz“ würde also bei der doppelten bis dreifachen Passagierzahl monatlich liegen, mithin bei rund 4000 bis 6000 Fahrgästen, legt man eine „leicht zweistellige“ Belegung einer Tour zugrunde.

Letzte Runde um 15.30 UhrIm Einsatz ist ausschließlich ein so genannter Midi-Bus von Solaris mit 65 Plätzen, davon 27 Sitz- und 38 Stehplätze, wie Haas-Feldmann weiter erklärt. Nun fahren die Busse täglich im Halbstundentakt, werktags ab 9 Uhr, samstags sogar ab 8 Uhr morgens. Allerdings drehen sie ihre letzte Runde bereits um 15.30 Uhr. Danach kommen Fahrgäste nicht mehr zum Rondo hin beziehungsweise weg. Zumindest nicht mit dem ÖPNV.

Dies könnte ein Knackpunkt bei dieser Linie sein, wie es auch eine Leserbriefschreiberin aus Hanau, sieht. „Die Buszeiten sind nicht attraktiv für berufstätige Personen. Ich persönlich würde den Bus regelmäßig nutzen, wenn dieser bis 20 Uhr abends auch zur Verfügung stehen würde“, schreibt sie. „Ein weiterer Aspekt betrifft die Möglichkeit der Arbeitnehmer des Einkaufszentrums, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeitsstätte und nach 20 Uhr von dort auch wieder zurück nach Hause zu kommen“, schreibt die Frau weiter. Richtig: mit dem ÖPNV jedenfalls nicht. Da seien andere Einkaufszentren attraktiver zu erreichen.

AlternativenDie Nutzerin des öffentlichen Nahverkehrs zeigt Alternativen auf: „So fahre ich doch lieber mit der Linie 4 direkt vor das Kaufland oder runter nach Klein-Auheim, die mich auch um 22 Uhr abends noch nach Hause bringt.“

Trotz der recht geringen Auslastung könnte die Halbjahresbilanz, die die HSB dem Steinheimer Ortsbeirat im September vorlegen will, dank der hälftigen Beteiligung des Rondo-Investors Schoofs Immobilien GmbH an den laufenden Kosten dennoch neutral bis positiv ausfallen. Das Versuchsprojekt Rondo-Bus ist als Testphase zunächst auf ein Jahr befristet.

Kosten-Nutzen-RechnungDie HSB schildert die Kosten folgendermaßen: „Die jetzt in Betrieb befindliche Variante wurde unter vorsichtiger kaufmännischer Betrachtung mit einem Aufwand von maximal 100 000 Euro netto beziffert. Nach den bislang vorliegenden Erkenntnissen wird dieser Betrag voraussichtlich unterschritten und sich auf eine Größenordnung zwischen 91 000 bis 95 000 Euro belaufen. Der exakte Betrag kann erst ex post insbesondere unter Zugrundelegung der exakten Dienststunden ermittelt werden.“

Eine Ausweitung der Rondo-Bus-Fahrzeit, wie von der Leserbriefschreiberin angeregt, hält die HSB laut Haas-Feldmann dagegen nicht für opportun. „Eine Ausweitung wäre grundsätzlich möglich, allerdings zählen die Nachmittagsfahrten zu den schwächer nachgefragten Touren“, schreibt er auf unsere Anfrage. „Bei einer möglichen Ausweitung würden Kosten und Nutzen in keinem vertretbaren Verhältnis stehen.“

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