An eine Mauer gelehnt, wartete Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel auf die Ankunft. Foto: Hackendahl

Klein-Auheim

Zweijähriger Wisent Egtober ist neu im Wildpark Alte Fasanerie

Klein-Auheim. Wie aus dem Bilderbuch ist gestern in der Alten Fasanerie die Vergesellschaftung der vier Wisentkühe mit Neuankömmling Egtober verlaufen, einem jungen Tier aus dem Wildpark Hardehausen. Der „Märchenprinz“ eroberte im Sturm die Herzen der vier Kühe.

Von Holger Hackendahl

Die alte Wisentkuh Falka schaute ihm tief in die Augen, und die beiden Jungkühe Abia und Abnette, die vor Jahresfrist in den Wildpark Alte Fasanerie gekommen waren, zeigten sich sehr interessiert am zweijährigen Wisentstier. Die eine versuchte ihm aufzureiten, die andere hauchte ihm ins Ohr.

Doch der Reihe nach, denn Egtober, der heute seinen zweiten Geburtstag feiert, bekam gestern Nachmittag schon seine Geschenke. „Egtober hat eine neue Herde, vier schöne Gefährtinnen und ein sehr schönes großes Gehege“, sagte Forstamtsleiter Christian Schaefer eine gute Stunde nach Ankunft zufrieden. Da wurde das Happy End absehbar.

„Märchenprinz der Wisentkühe“

Der „Märchenprinz der Wisentkühe“ kam in einem Transportanhänger aus dem Wisentgehege in Warburg-Hardehausen. Um 13.30 Uhr passierte der Tiertransport das Tor zum Wildpark, Minuten später stand er bereits mitten im Wisentgehege. Um 13.40 Uhr wurde die Tür zum Transporter geöffnet, und der Jungbulle, der Chef der kleinen aus vier weiblichen Tieren bestehenden Herde werden soll, stürmte heraus. Und suchte Schutz unter riesigen Buchen.

Die vier Kühe nahmen sogleich Witterung auf, trotteten zu viert zu ihm, beschnupperten ihn neugierig. Der ließ sich das wohl gefallen. Eine Viertelstunde später – als hätten sie ihm eine Einladung zum gemeinsamen Mittagessen ausgesprochen – trottete die Herde – nun zu fünft – zu einer frisch geschlagenen Buche, verspeiste das frische Prossholz, Blätter und Zweige, genüsslich. Danach ging es für alle – so als wolle man Egtober seinen neuen Lebensraum zeigen – zur Erkundung durchs Gehege und auch auf den Wisenthügel.

Gehege sei groß genug

Für Egtober, der die Nachfolge des am 5. April verstorbenen Eginwald antritt, dürfte es heute ein durch und durch schöner Geburtstag werden. „Dass die Vergesellschaftung so schnell und so reibungslos geht, hätte ich auch nicht gedacht“, sagt Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel, umringt von Kamerateams des HR. Den Kauf des Wisentstiers sowie Tierarztkosten und Transport mit Gesamtkosten von in Summe über 1000 Euro übernimmt wie auch schon die Erweiterung des Wisentgeheges (100 000 Euro) der Förderverein des Wildparks.

„Die Wisentherde kann auf bis acht zu Tiere anwachsen, das Gehege ist groß genug“, kündigte Forstamtsleiter Schaefer an, dass Egtoberts Nachwuchs allerdings abgegeben werden soll. Für Europas größtes landlebendes Säugetier wurde im vergangenen Winterhalbjahr ein neues, 2,9 Hektar großes, mit Bäumen bewachsenes Ausweichgehege geschaffen. Das bisherige 3,6 Hektar große Gehege war für die Herde zu eng geworden, dazu war der Boden ausgelaugt. Die Wisentherde hatte vor elf Jahren etliche Tiefschläge zu verkraften – durch die Blauzungenkrankheit war die Population auf wenige Tiere zusammengeschrumpft.

Das könnte Sie auch interessieren