Stelldichein zum Abschied: Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Direktorin Gabriele Jahns-Duttenhöfer, Schulamtsdirektor Michael Scholz, die Leiterin der BGBA Professor Nicole Simon, Schulamtsleiter Markus Topitsch, der Geschäftsführer der IHK Dr. Gunther Quidde und der Leiter der Gesellschaft für Goldschmiedekunst Hartwig Rohde (von links nach rechts). Foto: PM

Hanau

Zwei Persönlichkeiten der Zeichenakademie gehen in Ruhestand

Hanau. Mit Gabriele Jahns-Duttenhöfer und Alexander Zickendraht hat die Zeichenakadamie kürzlich zwei Persönlichkeiten verabschiedet, die ganz entscheidend das neue Profil der Schule aufgebaut und geprägt haben. Als Leiterin hat Jahns-Duttenhöfer die Zeichenakadmie durch turbulente Zeiten geführt.

Von Ulrike Pongratz

Turbulent ja, aber als Leiterin hielt sie den Stress für Schüler und Lehr gering und die Motivation des Kollegiums aufrecht. Jahns-Duttenhöfer arbeitete für drei: Sie war 1999 Abteilungsleiterin, am 1. Februar als stellvertretenden Schulleiterin eingesetzt, wobei sich der Schulleiter damals zum 31. Januar dauerhaft hatte beurlauben lassen.

Unter der Leitung von Jahns-Duttenhöfer wurde der Altbau über zehn Jahre lang saniert, wurde der Neubau mit einer überragenden Bibliothek errichtet, wurde die gesamte Ausbildung komplett neu strukturiert. Die Zahl der Computer stieg an von vier Rechnern im Jahr 2000 auf 124 leistungsfähige Arbeitsplätzen mit zwei 3D-‧Druckern.

„Frau Jahns-Duttenhöfer hat hier Unglaubliches geleistet.“Zu dieser Bilanz sagt Benjamin Pfister, seit 2002 stellvertretender Leiter der Zeichenakademie: „Frau Jahns-Duttenhöfer hat hier Unglaubliches geleistet. Sie saß oft bis nachts um elf und an vielen Wochenenden am Schreibtisch – und das über Jahre.“ Und dabei war sie absolut uneitel und selbstlos, sie versuchte nie, auf ein kreatives Unterrichtsgeschehen oder Entwurfsideen einzuwirken. „Als Leiterin machte Gabriele Jahns-Duttenhöfer viele Projekte und Studienfahrten möglich. Minderheitsgruppen und finanziell schwache Schüler hat die Leiterin stark unterstützt. Sie war im besten Sinne eine moderne, sehr couragierte Schulleiterin.“ Zur Dauerbaustelle kam die Studienreform, die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen.

„Der Berufsabschluss an der Zeichenakademie wäre geschwächt worden. Das Schulgremium und vor allemauch die Kommunalpolitik und Oberbürgermeister Claus Kaminsky haben die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt. Mit Gründung der Brüder-Grimm-Berufs-Akademie (BGBA) ist Hanau Hochschulstadt, die Zeichenakademie ist der Berufspartner innerhalb des dualen Studiums, das in dieser Weise nur in Hessen möglich ist.“ Mit der Gründung der „Hochschule für Gestaltung“ wurde das Haus komplett neu aufgestellt und neu orientiert. Neu hinzu kamen zu Gold-und Silberschmieden, Graveuren, Edelsteinschleifern die Metallbildner, die heute mit 74 Schülern einen bedeutenden Anteil ausmachen.

„Der Zickendraht, der kann's“Seit 2005 hat Alexander Zickendraht die Klasse der Metallbildner übernommen und ein klares Profil herausgearbeitet. In deutlicher Unterscheidung zu den Silberschmieden stellen die Metallbildner Gebrauchsgegenstände wie Möbel oder Leuchten als serielle Produkte her, sind also näher am Industriedesign. „Der Zickendraht, der kann's“, sagten die Schüler. Für alle Fragen fand er eine Lösung, besonders wichtig, wenn nach dreieinhalb Jahren Ausbildung das Abschlussstück gefertigt wurde.Zickendraht, der „Gründungsvater der Metallbildner“, kann auf insgesamt

37 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. 1981 hatte er Berufsschullehrer an der Zeichenakademie begonnen, wusste – als Einziger unter den Lehrkräften – mit den vier Computern umzugehen. 1999 lockte eine neue Aufgabe in Indien. Zickendraht wurde dort für das Centrum für internationale Migration und Entwicklungshilfe tätig. Bis 2005 hat er als Leiter des National Centre für Design and Development im Auftrag der BRD dort seine ganze Kraft den Austausch von Industrieprodukte eingesetzt.

Die Staatliche Zeichenakademie Hanau, gegründet 1772, sei gut aufgestellt, ein „Schmuckstück“, das Tradition und Moderne in besonderer Atmosphäre verbindet. Für die Zukunft, so Pfister, der die Schule kommissarisch leitet, „müssen wir uns dem demografischen Wandel stellen“. Die Zeichenakademie wirbt an Schulen und auf Messen überregional. Um hier Goldschmied zu werden, bewerben sich Schüler aus Japan und Südamerika.Wer Jahns-Duttenhöfer beerben wird, steht noch nicht fest. Ein Nachfolger wird gesucht.

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