Die Spuren des Brandes vom 27. März sind noch zu sehen. Die Bewohnerin entkam dank der schnellen Hilfe von Antje Kranefuss (links) und Enriqueta Rüppel dem Feuer und konnte ins Krankenhaus gebracht werden. Foto: Mike Bender

Hanau

Zwei Heldinnen des Alltags retten Frau aus brennender Wohnung

Hanau. Helden des Alltags gibt es immer wieder. Und Heldinnen auch. Zwei sind Antje Kranefuss aus Erlensee und Enriqueta Rüppel aus Offenbach. Durch ihr schnelles und beherztes Eingreifen haben sie einer 82-Jährigen vielleicht das Leben gerettet.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Ein Leser hat uns auf die beiden aufmerksam gemacht. Wir haben sie an ihrer Arbeitsstelle getroffen und waren danach gemeinsam am Unglücksort.

Ein Rückblick: Es ist Mittwoch. Früher Nachmittag. Pflegehelferin Antje Kranefuss hat gerade Dienstschluss im Wohnstift Hanau. Zusammen mit ihrer Kollegin Enriqueta Rüppel macht sie sich auf den Weg Richtung Bushaltestelle an der Gustav-Hoch-Straße. Die beiden laufen die Lortzingstraße entlang, biegen in die Richard-Wagner-Straße ein und dann links in den Millöckerweg.

Plötzlich sehen sie den Rauch. Er kommt aus dem Fenster eines Mehrfamilienhauses. Eine alte Dame steht auf dem Balkon. Kranefuss ruft die Feuerwehr an, die aber schon informiert war.

Ältere Dame aus der brennenden Wohnung geholt

Dann geht alles ganz schnell, „und ohne viel nachzudenken“. Die 35-Jährige und ihre 52-jährige Kollegin rennen Richtung Eingang, klingeln sich den Weg frei und sprinten durchs Treppenhaus. Sie klopfen an alle Türen. In der zweiten Etage sind sie schließlich am Ziel. Und doch wieder nicht, denn die ältere Dame hat von innen abgeschlossen – und bekommt die Tür wegen des dichten Rauchs nicht mehr auf. Über den Balkon wirft sie den Schlüssel zur Nachbarin eine Etage tiefer, die ihn Kranefuss in die Hand drückt.

Die schließt die Tür auf, holt die 82-Jährige, deren Zunge schon schwarz ist vom Rauch, die weißen Haare angekokelt, gemeinsam mit ihrer Kollegin aus der Wohnung. „Man hat nichts gesehen – nur schwarze Wolken und Flammen“, erzählt die 35-Jährige eine Woche später im Gespräch mit unserer Zeitung. Vorsichtig stützen sie die alte Dame und begleiten sie Stufe für Stufe vor die Tür. Der Mitarbeiter einer Gaststätte nebenan bringt schnell ein Glas Wasser, während andere nur dastehen. „Es gab sogar Leute, die haben mit dem Handy gefilmt“, erzählt Kranefuss und schüttelt den Kopf.

Mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus

Schließlich rückt die Feuerwehr an und ein Sanitäter. Dem helfen Rüppel und Kranefuss noch die Bewohnerin, die mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus kommt, auf die Liege zu hieven, bevor sie selbst durchatmen können.

„Wir waren fix und fertig“, sagt Enriqueta Rüppel, „hatten Herzklopfen“. Die Polizei stellt wenig später fest, dass ein Brötchen auf dem Toaster den Brand ausgelöst hat. Auf 160 000 Euro wird der Sachschaden geschätzt.

Die Straße wird gesperrt, Busse fahren erstmal keine mehr. Die beiden Pflegehelferinnen laufen zusammen zum Freiheitsplatz, steigen dort in den Bus, um endlich nach Hause zu fahren. „Wir hatten schwarze Hände, haben gestunken“, sagt Rüppel, lacht und ergänzt. „Jeden Tag eine gute Tat.“

Eineinhalb Wochen sind seit dem Brand vergangen. Mittlerweile sind Handwerker dabei, die Wohnung zu renovieren. Die ältere Dame wurde aus dem Krankenhause entlassen und ist bei Verwandten untergekommen.

Vielleicht treffen sie sich ja irgendwann einmal wieder, wenn Antje Kranefuss und Enriqueta Rüppel nach Dienstschluss im Wohnstift zur Bushaltestelle laufen.

Das könnte Sie auch interessieren