Hanaus Zukunft nicht nur denken, sondern gleich bauen. Daran hatten vor allem jüngere Besucher viel Spaß. Über 60000 Legosteine machten es möglich. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Zukunft Hanau: Auftakt für Bürgerbeteiligungsprozess im CPH

Hanau. Neugierig, aufgeschlossen und experimentierfreudig waren jene, die in den vergangenen drei Tagen in den Congress Park Hanau (CPH) gekommen waren. Die einen aus beruflichen oder politischen Gründen, weil sie die Auftaktveranstaltung für den Bürgerbeteiligungsprozess „Zukunft Hanau“ konzeptioniert und realisiert haben.

Von Martina Faust

Die anderen aus ganz persönlichen Motiven, weil sie Hanauer sind und sich für die „Zukunft Hanau“ interessieren.

Es war eine unglaubliche Fülle an Informationen, die da an drei Tagen im CPH präsentiert wurde. Schließlich könnte jedes einzelne der acht Handlungsfelder Leben, Wohnen, Arbeiten, Lernen, Mitmachen, Fortbewegen, Ungleichheit und Kreisfreiheit für sich genommen bereits diesen Raum und die Zeit beanspruchen.

Doch mit Stellwänden, Infotafeln, Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden ist es gelungen, die wesentlichen Aspekte zusammenzufassen und eine Grundlage für den Diskurs zu schaffen – auch und gerade im Gespräch mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und ehrenamtlich Aktiven. Eine Möglichkeit, die Besucher vom Kleinkind bis zum Senior, vom alteingesessenen Hanauer bis zum Neubürger mit Migrationshintergrund nutzten. Schließlich lautete die Devise „Mitmachen. Mitdiskutieren. Mitgestalten“.

Großes Interesse an Thema Sicherheit

Die Resonanz – allein Freitag und Samstag seien 2700 Besucher ins CPH gekommen, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), der sich mit dieser Zahl „super zufrieden“ zeigte – bot ausreichend Zeit, Raum und Ruhe, um sich intensiver mit den Themen zu beschäftigen. Denn es war durchaus immer etwas los, aber nicht überlaufen. In dieser Atmosphäre ließen sich gut Gespräche führen. Zum Beispiel zum Thema Sicherheit, an dem großes Interesse bestand. „Das ist generell ein starkes Thema, weil es hier die Diskrepanz zwischen objektiven Daten und subjektiver Wahrnehmung gibt“, so der Rathauschef.

Groß war das Interesse auch an der Kreisfreiheit. Zu groß. Zumindest für den Landgraf-Saal, wo Hanaus Oberbürgermeister, Landrat Thorsten Stolz (SPD) und Landtagsabgeordneter Heiko Kasseckert (CDU) in einer Podiumsdiskussion aufeinandertreffen sollten – das erste Mal, seit das Verhältnis zwischen Stadt und Kreis gerade mit Blick auf etwaige finanzielle Nachteile als etwas angespannter bezeichnet werden darf.

Man wechselte dann mit den Gästen in den Paul-Hindemith-Saal, wo die Stimmung zwischen den Gesprächspartnern trotz unüberbrückbarer Differenzen sachlich, fair und verständnisvoll war – wie bei einer guten Trennung nach einer langen Ehe (siehe separater Bericht).

Podiumsdiskussion über die Kreisfreiheit

Dass so viele Gäste zurPodiumsdiskussion über die Kreisfreiheitkamen, überraschte Hanaus OB. „Das hätte ich nicht für möglich gehalten.“ Gleiches gilt für die Besucherzahl am gesamten Wochenende. Denn offensichtlich war man im Rathaus mit einer gedämpften Erwartungshaltung in das Wochenende gegangen. Auf 1000 Gäste hatte man gehofft, deutlich mehr waren es geworden, „und das, obwohl wir hier über die Zukunft in abstrakter Form diskutieren“, so Kaminsky.

Für den OB selbst sind die dringlichsten Handlungsfelder – nicht nur für Hanaus Zukunft – der Klimawandel und die Ungleichheit. „Wenn wir diese beiden globalen Entwicklungen nicht in den Griff bekommen, dann werden uns die Brocken um die Ohren fliegen.

Denn so hohe Mauern kann kein Land bauen, um sich abzuschotten“, so Kaminsky, der gerade unter diesem Blickwinkel bedauerte, dass einige Hanauer nicht gekommen waren: jene, die schon jetzt sozial benachteiligt sind. „Die Ärmsten erreichen Sie nicht mehr. Auch nicht mit einem so niedrigschwelligen Angebot wie diesem hier.“

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