Bunt und kindgerecht ist das neue Museum im Nordflügel vom Schloss Philippsruhe gestaltet. Foto: Axel Häsler

Hanau

Der Wunsch nach einem Hanauer Märchenmuseum geht in Erfüllung

Hanau. Wenn eine der wesentlichen Zielgruppen schon einmal ein gutes Urteil fällt, beruhigt das ungemein. Wenn sich diese Zielgruppe dann auch noch derart einig ist, wie die Kinder des Kinder Komitees des GrimmsMärchenReichs („Toll, super, großartig“), dann scheinen Kuratorin und Museumsplaner alles richtig gemacht zu haben.

Von Kerstin Biehl

Davon konnte sich am Montag die Presse überzeugen, die, kurz vor der Eröffnung des neuen Mitmachmuseums in Schloss Philippsruhe, GrimmsMärchenReich, zu einem Rundgang durch den Nordflügel eingeladen war.

Damit diese neue interaktive Attraktion für Vier- bis Elfjährige auch die geplante Zielgruppe überzeugt, hatte die Stadt vergangenes Jahr das Kinder Komitee für das Museum ins Leben gerufen. 30 Jungs und Mädels im Alter von drei bis zehn Jahren waren von da an in die Museumsplanungen mit einbezogen. Sie waren es auch, die als erstes die Spielstationen testen durften. Kuratorin Nina Schneider: „Der Input der Kinder während der Konzeption war ungemein wichtig und wertvoll. Unser Blick für die Bedürfnisse der Kinder wurde dadurch geschärft und sichergestellt, dass wir unser Zeilpublikum nicht aus den Augen verlieren.“

Abwechslungsreiches Erlebnisspektakel

Am Sonntag, 14. April, eröffnet, pünktlich zum Beginn der Osterferien, das neue Familien- und Kindermuseum. „Mit der Eröffnung des GrimmsMärchenReich verorten wir Hanau als Brüder-Grimm-Stadt in der hessischen Grimm-Familie – Hanau, Steinau, Marburg und Kassel – neu. Das erste Brüder Grimm-Mitmach-Museum in Deutschland – speziell für Kinder und Familien – wird ein großer Anziehungspunkt für unsere Stadt und die gesamte Metropolregion Frankfurt sein“, prophezeite Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Im GrimmsMärchenReich kommen auch ältere Kinder und Erwachsene auf ihre Kosten, denn das Museumskonzept der Agentur Schwarz-Düser*Düser aus Karlsruhe sieht ein abwechslungsreiches Erlebnisspektakel rund um die Brüder Grimm, ihre Familie und ihre berühmten Märchen vor.

Interaktiver Stadtplan

Den fünf in Hanau geborenen Brüdern Grimm – Jacob, Wilhelm, Carl Friedrich, Ferdinand Philipp und dem Malerbruder Ludwig Emil – ist ein großer Raum gewidmet. Durch Kinderaugen entdecken Besucher das Hanau des ausgehenden 18. Jahrhunderts, kehren in die gute Stube der Grimms ein und lernen die Familienmitglieder, ihre Arbeitsweisen, ihre Werke und Weggenossen kennen.

Dort gibt es unter anderem einen interaktiven Stadtplan des historischen Hanaus, dort stehen Büsten von Jacob und Wilhelm und ein Gehrock sowie eine Aktentasche der beiden Märchenbrüder. Zudem kann eine sogenannte Reiserolle der Brüder (ein gerolltes Reisetagebuch) bewegt und eine Art Comicstrip, ebenfalls auf einer Papierrolle festgehalten, betrachtet werden.

„Dank der Forschungen von Professor Dr. Heiner Boehncke konnten wir auch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den unbekannten Brüdern Carl Friedrich und Philipp Ferdinand Grimm in unserem GrimmReich-Raum präsentieren. Beide sind Hanauer wie auch der Malerbruder Ludwig Emil Grimm“, berichtet Kaminsky.

Das sei ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, das das GrimmsMärchenReich deutlich von anderen Museen, die sich mit dem Thema „Brüder Grimm“ beschäftigen, unterscheide. Martin Hoppe vom Fachbereich Kultur dankte dem Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt, der Akademie für Jugendliteratur Volkach für die wissenschaftliche Begleitung und Vermittlung von Bücherspenden für das LeseReich des Museums.

SiebenMärchenlandschaften

Nach dem Grimm-Zimmer geht es durch einen Flüsterflur mit dem lebendigen Gemälde der Hanauer Märchenbeiträgerin Marie Hassenpflug. Mit dem Märchenpass ausgerüstet, stellen sich die Kinder ein eigenes individuelles Märchen zusammen und im Raum der Verwandlung schlüpfen sie in das Gewand einer Märchenfigur.

Märchenhaft kostümiert erforschen die Kinder dann die sieben verzauberten Märchenlandschaften, erklimmen Rapunzels Turm oder fassen dem Wolf in den Bauch. „Echt gruselig“, findet der sechsjährige Ben. Zudem gibt es ein LeseReich mit Hörstationen und auch Filmen, die Märchen in Gebärdensprache erzählen. Am Ende der magischen Reise kann jeder Gast dann sein eigenes Märchen an der Märchenhecke verewigen. „Wiederkommen lohnt sich, denn die Märchenreise wird immer einen anderen Verlauf nehmen und die Teilnehmenden können immer in verschiedene Rollen schlüpfen“, erklärt die Kuratorin.

2,1 Millionen Euro Kosten

340 Quadratmeter nimmt das GrimmsMärchenReich im 1. Obergeschoss des Schlosses ein. Zusätzlich sind auf 105 Quadratmetern im 1. Stock und im Erdgeschoss drei neue museumspädagogische Räume entstanden. Die Kosten für das GrimmsMärchenReich wurden auf 2,1 Millionen Euro veranschlagt, allein für Sanierung und Umbau der Räume rund 1,6 Millionen Euro. 410 000 Euro flossen zudem in die Ausstattung und die museumspädagogischen Räume.

Finanziert wird die Summe anteilig von der Stadt Hanau, der Brüder Grimm Stiftung der Sparkasse Hanau, dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain sowie dem Main-Kinzig-Kreis.

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