Firmen- und Vereinsgründer Frank Braun und Adoptivtochter Yvonne Rigaud in den Geschäftsräumen von "Nie wieder bohren" im Hanauer Hafen vor einem Aufsteller der "World Charity Tour". Foto: Seifert

Hanau

"World Charity Tour": Zwei Jahre im Auto und Gutes tun

Hanau. „Meine Frau und ich haben mit unserer Familie bislang so viel Glück gehabt und konnten beide unsere beruflichen Zielen verwirklichen. Deshalb wollen wir jetzt etwas zurückgeben, denn mit kleinen Projekten und Hilfen kann man in vielen Teilen der Welt etwas anstoßen oder Lebensverhältnisse verbessern“, betont Frank Braun.

Von Thomas Seifert

Braun, bis Ende März noch Geschäftsführer der von ihm mit einem Partner 2005 gegründeten Firma „Nie wieder bohren“, weiß, wovon er spricht. Der viel gereiste Mann, der sich mit seiner Frau Sabine stets neugierig auf fremde Kulturen einlässt und – wo es geht – die ausgetretenen Touristenpfade meidet, ist seit neun Jahren ein ständiger Gast in Kamerun. Eine Kollegin seiner Frau, die noch als Pflegedienstleiterin in einer Offenbacher Klinik arbeitet, hatte das Ehepaar ermuntert, sie doch in diesem afrikanischen Land zu besuchen.

Außer der viel verbreiteten Armut fiel den Brauns auf, dass Kamerun zwar über ein sehr gut ausgebautes Bildungssystem verfügt – das dortige Abitur wird in Deutschland ohne Wenn und Aber anerkannt –, viele junge Menschen auch Studienabschlüsse bis hin zum Doktortitel haben, aber keine Arbeit finden und sich mit jedem Job, den sie finden können, über Wasser halten müssen.

Verbesserungen der LebenssituationenMit diesem Wissen als Hintergrund begann das Ehepaar, das aus sozial engagierten Familien stammt, auf ihren Reisen durch das Land nach Projekten Ausschau zu halten, wo man mit geringem finanziellen Aufwand und unter Umgehung von staatlichen, meist korrupten Stellen Verbesserungen der Lebenssituationen der Menschen erreichen kann. Mal war es die Finanzierung eines Brunnens mit Pumpe in einer Region, wo die nächste Wasserstelle 20 Kilometer entfernt war, mal war es die Spende von Schuhen und Lebensmittel für ein Waisenhaus, die die Versorgung mit Essen von Kindern und Betreuern für mehrere Monate sicherte, weil das Geld vom Staat ausgeblieben war.

„Es waren immer überschaubare Summen und Vorhaben, die wir bei unseren Aufenthalten – drei- bis viermal im Jahr – investierten. Und auch nachprüften, ob die Gelder in unserem Sinn verwendet worden waren. Eine schlechte Erfahrung hatte uns sensibilisiert und vorsichtig gemacht“, berichtet Frank Braun im Gespräch mit dem HA. In Kamerun lernte das Ehepaar auch eine junge Frau kennen, ihre heutige Adoptivtochter Yvonne, die in wenigen Wochen ihr erstes Kind erwartet.

Ein besonderer LebenswegFür die 29-jährige war die Eingewöhnung vor acht Jahren in Deutschland zunächst ein Kulturschock. Kalt war es bei der Landung in Nürnberg, erzählte die zierliche Frau, ein Parkhaus hatte sie noch nie gesehen, und als Frank Braun das Navi anschaltete, wähnte sich Yvonne im Film „Knight Rider“. Inzwischen hat sie ein Studium abgeschlossen, vor eineinhalb Jahren geheiratet und arbeitet in der Firma ihres Adoptivvaters im Personalbereich.

„Was meine Eltern vorhaben, findet meine uneingeschränkte Unterstützung“, betont Yvonne Rigaud im Gespräch. Sie engagiert sich auch im Verein, den die Brauns gegründet haben, um Spenden für ihre Projekt zu generieren. Schwerpunkt soll die Hilfe für Kinder, Jugendliche und vor allem junge Frauen in schwierigen sozialen Situationen sein, diesen eine schulische und berufliche Bildung zu ermöglichen. Aber auch zum Beispiel ganz konkrete bauliche Maßnahmen zu Verbesserung der Lebenssituation stehen auf der Agenda.

Mit zwei Landrovern durch die WeltNachdem Braun und sein Partner nach intensiver Suche mit dem Unternehmen tesa einen Käufer für ihre Firma gefunden haben, die nicht nur fachlich, sondern auch die Philosophie ihrer Mitarbeiterführung garantiert – Menschen aus 19 Nationen arbeiten bei „Nie wieder bohren“ –, bereitet sich das Ehepaar nun auf ihre „World Charity Tour“ vor: eine Reise mit zwei Landrovern durch die Welt, um fremde Kulturen kennenzulernen und Hilfsprojekte anzustoßen.

„Wir bereiten uns mit Offroad-Fahrtraining, Survivaltraining und Schrauberkursen auf dieses Abenteuer vor“, berichtet der 57-Jährige, der zusammen mit seiner Frau Sabine mit der Tour in einen neuen Lebensabschnitt eintritt. Zunächst soll die Geburt des Enkels abgewartet werden, Probetouren durch Europa werden folgen, ehe voraussichtlich im September die Landrover nach Montevideo in Argentinien verschifft werden, von wo aus die Brauns sich nach Feuerland aufmachen.

„Von dort geht es auf der Panamericana quer durch Süd-, Mittel- und Nordamerika nach Alaska – so der Plan“, berichtet Frank Braun, „wobei Zeit keine Rolle spielt. Wir werden dann ein- oder zweimal nach Deutschland fliegen, die Familien besuchen. Aber die meiste Zeit verbringen wir auf der Straße, so bekommt man das normale Leben in den durchreisten Ländern hautnah mit.“

Wohltäter gesuchtAuf ihrer Reise werden die Brauns die Augen offenhalten und wo Not am Mann ist und sie helfen können, wollen sie helfen. 20 000 Euro Grundkapital des Vereins haben die Familien weitgehend selbst aufgebracht, weitere Spenden seien jederzeit willkommen. Frank Braun schwebt vor, zum Beispiel Sponsoren für jeden gefahrenen Kilometer zu finden. Parallel dazu bauen sich die Brauns gerade in Kamerun ein Haus, denn dieses afrikanische Land ist ihnen nach Deutschland zur zweiten Heimat geworden. „Wie lange Gesundheit und Kondition für die 'World Charity Tour' reichen, wird sich zeigen. Aber wir haben noch einige Pläne in der Tasche“, blickt Frank Braun optimistisch in die Zukunft.

Auf der „World Charity Tour“, die das Ehepaar Sabine und Frank Braun ab September durch Süd-, Mittel- und Nordamerika führen soll, werden vor Ort Hilfsprojekte angestoßen oder gefördert. Infos über die Initiative und den Verein gibt es auf www.holidayfour.com.

Das könnte Sie auch interessieren