Bei Wolfsmutter Marion Ebel fühlen sich die acht Jahre alten Monja, Aslan und Inuq immer noch am wohlsten (linkes Bild). Mit den Menschenmassen fremdelten die Wölfe noch (rechtes Bild). Fotos: Holger Hackendahl

Hanau

Wolfsheulen im Wildpark: Zweite Generation noch schüchtern

Hanau. Die zweite Polarwolf-Generation ging am Dienstagabend im Wildpark „Alte Fasanerie“ zum Heulen an den Start – bereits zum dritten Mal in diesem Jahr. Allerdings war dies das erste Wolfsheulen nach dem Ableben des 15-jährigen Scott.

Von Holger Hackendahl

Scott hatte – nachdem Ayla und Khan bereits in die ewigen Wolfsgründe übergegangen waren – seit knapp zwei Jahren als einsamer Wolf allein im Gehege gelebt. Den Wolfshügel erklomm er seitdem kaum noch, wurde aber tagtäglich von „Wolfsmutter“ Dr. Marion Ebel umsorgt. Das seit einigen Wochen verwaiste Wolfsareal soll aber wieder mit Leben gefüllt werden. Die Polarwölfe Inuq, Aslan und Monja – die Generation nach Ayla, Scott und Khan – sollen möglichst bald dorthin umziehen. Mittlerweile ist das Trio acht Jahre alt. In dem Gehege hatten sie als junge Wölfe bereits mit den drei „Alten“ zusammengelebt.

Der Umzug dorthin soll möglichst bald vonstattengehen. Möglichst ohne die Polarwölfe in Narkose legen zu müssen. „Ich will probieren, sie mit Futter in einen Hänger zu locken. Es wird sicher einige Tage dauern, bis sie sich daran gewöhnt haben. Aber vielleicht klappt es ja. Der Umzug soll im Juli oder August klappen, an einem nicht so heißen Tag“, wünscht sich die Biologin. „Vielleicht leben sie ja schon im August in Scotts ehemaligem Gehege und wir heulen dann mit Glück am Vollmond im August auf dem Wolfshügel“, wünscht sich Ebel. „Spätestens aber im September sind wir mit dem Trio umgezogen.“

Rund 300 Wolfsinteressierte, vor allem wegen der Sommerferien jüngere Besucher und Familien, waren am Dienstagabend dabei, als Wolfsmutter Ebel die drei jüngeren Polarwölfe zum Anstimmen des typischen Wolfsgeheuls bringen wollte. Und es klappte dann auch – wenn auch eher zaghaft und etwas leise. Monja, Aslan und Inuq zeigten sich eher schüchtern und irritiert von den Menschenmassen, die dicht gesäumt am Zaun und auf dem Ausblickhügel standen. Das Trio begrüßte ihre Wolfsmutter, sie hatte auch einige Leckereien mitgebracht. Ihr angestimmtes Geheul erwiderte das Trio vom Teich, wohin sie sich erstmal zurückgezogen hatten.

Gut gelaunt und offen erläuterte die Biologin, dass sie seit 25 Jahren im Wildpark arbeite und es Polarwölfe in der Alten Fasanerie seit nunmehr 15 Jahren gebe. Vom alten Rudel Ayla, Scott und Khan lebt nun keiner mehr. Die Nachfolgegeneration Monja, Aslan und Inuq, hat sie 2011 im Alter von nur acht Tagen im Wildpark Rheinböllen abgeholt. Sie waren unterkühlt und untergewichtig, als sie aus dem Bau geholt wurden, erinnerte sich Ebel, dass der Wurf sonst wohl keine Überlebenschance gehabt hätte.

Mit Hormonchip versehen

Ebel zog das Trio mit der Flasche antiautoritär auf und vergesellschaftete sie im Alter von zehn Wochen mit den alten Polarwölfen. Anfangs lebten alle sechs Weißpelze harmonisch zusammen – bis zum Putsch. Als die jungen Polarwölfe eher als von der Biologin erwartet die Rudelspitze übernahmen und dann wieder von den Alten getrennt wurden. Zuerst ins Nachbargehege, was Spannungen zwischen beiden Rudeln verursachte. Schließlich folgte deshalb auch der Umzug ins neue, weiter entfernte Wolfsgehege.

Vor dem gemeinsamen Revierheulen teilte die Biologin den gebannt zuhörenden Wolfsfans aus Nah und Fern auch mit, dass Monja mit einem Hormonchip versehen worden sei und deshalb in diesem Jahr keinen Nachwuchs bekommen könne.

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