Wolfsmutter Dr. Marion Ebel heult mit Ayla und Scott, doch bei Scott ließ zuletzt die Stimme stark nach. Foto: Hackendahl

KleinAuheim

Wolfsheulen: Stimme zwingt Polarwolf Scott zum Aufhören

Klein-Auheim. Polarwolf Scott geht es gut, doch sein Leben neigt sich dem Ende zu: Sein Körper ist voll mit Tumoren, er bekommt täglich Medikamente. Weil seine Stimme schon jetzt nicht mehr mitmacht, macht er nicht mehr beim Wolfsheulen mit.

Von Holger Hackendahl

Drei Wolfsrudel mit insgesamt zwölf Tieren gibt es im Wildpark Alte Fasanerie. Das junge Polarwolfsrudel und die europäischen Wölfe stehen zumeist im Schatten der beiden Alten, die trotz ihres biblischen Polarwolfsalters von mehr als zwölfeinhalb Jahren bei vielen Wolfsheulen – zuletzt beim Großen – ihre Stimmbänder erzittern lassen.

„Für Scott war es die letzte Teilnahme – die Stimme will einfach nicht mehr . . . Ihr wart großartig“, bedankte sich Wildparkbiologin Dr. Marion Ebel mit Melancholie bei ihren beiden betagten Weißen. „Danke Ayla und Scott für euren Einsatz. Zwölfmal habt ihr die große Wolfsheulnacht bestritten und immer alles gegeben.“"Ayla kann sicherlich noch 2018 erleben"Polarwolf Scott bekommt wegen zahlreicher Tumore in seinem Körper täglich Tabletten, erläutert Wolfsmutter Ebel. „Seit Juni ist er gut eingestellt, und er hat wohl auch keine Schmerzen. Wegen seines biblischen Alters neigt sich sein Leben dem Ende zu“, bedauert sie, die mit ihren zwei Weißen stets das Wolfsheulen vom Hügel aus anstimmt.„Ayla kann sicherlich noch 2018 erleben. Eigentlich hatte ich mir immer mehr Sorgen um sie gemacht, da sie immer sehr dürr war. Ich bin dankbar, dass beide noch da sind“, sind der Biologin ihre Wölfe, die sie als Welpen im Tierpark Stralsund abgeholt hatte, sehr ans Herz gewachsen.Antiautoritär erzogenDas jüngere Polarwolfsrudel – Inuq, Aslan und Monja – wurden am 25. April 2012 im Wildpark Rheinböllen geboren und kurze Zeit später von Dr. Ebel abgeholt und mit der Flasche antiautoritär erzogen. Das junge Wolfstrio wurde dann im „Wolfs-Teenageralter“ mit Ayla, Scott und dem am Silvesterabend 2015 verstorbenen Khan vergesellschaftet.Und die „Alten“ hatten die jungen Polarwölfe sehr gut in ihr Rudel integriert. Vor drei Jahren – früher als erwartet – kam es zum Rangkampf. Der junge Inuq attackierte Scott, Alpha-Wölfin Ayla wurde von der jungen Monja attackiert und „weggeputscht“.Ebel melancholischScott überlebte schwer verwundet, weil die Biologin die beiden Wolfsgenerationen rechtzeitig trennte, die Jungen im Nachbargehege separierte. „Trotz Sichtschutz ging der Krach weiter. Die Jungen haben die Alten immer wieder herausgefordert“, erinnert sich Dr. Ebel.Ein neues Wolfsgehege musste her und wurde in bemerkenswert kurzer Zeit realisiert. Mit vielen Spenden sowie finanzieller Unterstützung des Wildpark-Fördervereins und Hessen-Forst wurde das neue Polarwolfsgehege für Inuq, Aslan und Monja realisiert. Die Jungen zogen dorthin um, die Alten blieben in ihrem Gehege. „Ich bin froh, dass Ayla und Scott ihren Lebensabend in ihrem angestammten Gehege verbringen – dort wo sie auch großgezogen wurden“, sagt Ebel melancholisch."Roy war Vater und Mutter in einem"Das siebenköpfige europäische Wolfsrudel lebt – wohl auch weil die Braun- und Graupelze sehr scheu sind – weitgehend unbeachtet im von einem Grünstreifen getrennten Nachbargehege von Ayla und Scott. Mitunter antworten sie ebenso wie die jungen Weißpelze im 400 Meter entfernten Gehege auf das Geheul der beiden Alten. Der europäische „Wolfsmethusalem“ Roy (geboren am 12.April 2004) hat sich – gemeinsam mit dem vierjährigen Siegfried – im Sommer 2015 um die Aufzucht der fünf Jungwölfe gekümmert.„Der gute Chef (Roy) war Vater und Mutter in einem. Siegfried hat dagegen eher die Mutterrolle eingenommen und mit den Welpen gespielt“, erinnert sich die Biologin. „Roy ist erst 2010 aus dem Zoo Osnabrück zu uns in den Wildpark gekommen, in Osnabrück war er zwei mal aus dem Gehege ausgebrochen“, schätzt die Expertin, dass er zwar wegen seines Alters (12,5 Jahre) schlechte Zähne hat, aber dennoch älter werden wird als die gleichaltrigen Weißpelze Ayla und Scott.Gunther, Tristan und Richard„Europäische Wölfe werden älter als Tundrawölfe, denn sie sind kleiner.“ Der vierjährige „Europäer“ kam mit seinem 2014 an einer Blutvergiftung verstorbenen Bruder Hagen 2012 aus dem Wildpark Schloss Tambach in die Alte Fasanerie.2015 kamen zum Duo Roy und Siegfried fünf junge Artgenossen hinzu. Die drei Welpen Gunther, Tristan und Richard wurden mit den beiden Welpen Brunhilde und Isolde (geboren im Biotop-Wildpark Anholter Schweiz) mit den beiden Alten vergesellschaftet.Hormonchip für Wölfinnen„Beide haben den fünf Welpen das Futter gebracht, gekaut und vorgewürgt“, erinnert sich Biologin Ebel. Zu sehen sind die sieben Wölfe nur mit viel Geduld und Ruhe, sie blieben scheu. „2017 soll es in keinem der Wolfsrudel Nachwuchs geben“, überrascht Dr. Ebel.„Mit einem implantierten Hormonchip wurden die Wölfinnen für dieses Jahr unfruchtbar gemacht.“ Erst wenn Ayla und Scott nicht mehr sind, ist ausreichend Platz für Nachwuchs in den Wolfsgehegen der Alten Fasanerie.

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