Baurechts-Logik: Weil sie zu dicht am Dunlop-Werk stehen, sind die 22 Wohnblocks auf Sportsfield (unten) dem Abriss geweiht. Aktuell dürfen sie nur deshalb genutzt werden, weil sie planungsrechtlich als Flüchtlingsunterkünfte keine Wohnungen im Sinne des Baurechts sind. An ihrer Stelle prüft die Stadt neben einem Nahversorgungszentrum auch die Ansiedlung der städtischen Betriebe. Oben im Bild der Pioneer-Park. Luftbild: Häsler

Hanau

Wohnungen auf Sportsfield vor Aus - Abriss eine Frage der Zeit

Hanau. Die Nachricht ist nicht neu, sorgt aber immer wieder für ungläubiges Stirnrunzeln: Die mit hohem Millionenaufwand aus Steuergeldern für die Flüchtlingsunterbringung ertüchtigten Wohnblocks auf dem früheren Kasernengelände Sportsfield Housing werden mit immer höherer Wahrscheinlichkeit abgerissen werden müssen.

Von Robert Göbel

„Im Hinblick auf eine nicht mögliche weitere Wohnnutzung ist die baurechtliche Situation schon grotesk“, sagt auch Stadtplaner Martin Bieberle, der das Sportsfield-Areal jetzt als Standort für die städtischen Betriebe vorgeschlagen hat.

Während für all jene Menschen, die beispielsweise im Freigerichtviertel schon seit Jahren oder Jahrzehnten problemlos angrenzend an das Dunlop-Werk wohnen, aufgrund der Bestandsstrukturen baurechtlich alles in Ordnung ist, muss das Dunlop in anderer Richtung benachbarte Areal Sportsfield-Housing durch die Konversionsplanung nun „wie eine grüne Wiese, die Bauland werden soll“, eingestuft werden, so Bieberle.

Keine Ausweisung möglich

Und das geltende Bundesbaurecht besagt in diesem Fall, dass Wohngebiete in unmittelbarer Nachbarschaft zu Industrieanlagen, von denen Lärm- oder Geruchsbelästigungen ausgehen können, nicht mehr ausgewiesen werden dürfen.

Zwischenzeitlich hatte es noch Hoffnung auf eine Aufweichung des Bundesbaugesetzes gegeben; doch die ist jetzt vom Tisch. Stadtplaner Martin Bieberle erklärte: „Eine Änderung ist nicht mehr zu erwarten.“ Auch die Landesregierung hätte sich auf Anfrage der Stadt in diesem Sinne geäußert.

Bereits vor längerer Zeit eingeholte Gutachten hatten ergeben, dass die Geruchsbelästigung durch Dunlop auf Sportsfield im Jahresverlauf dreimal so häufig vorkommt, wie es die entsprechende Bundes-Immissionsschutz-Richtlinie zulässt. Der Dunlop-Mutterkonzern Goodyear hat – ‧neben dem Abbau von rund 600 Arbeitsplätzen – zwar angekündigt, 73 Millionen Euro am Standort Hanau zu investieren, von denen ein nicht unbeträchtlicher Teil in den Lärm- und Geruchsschutz fließen wird.

Frage nach Maßnahmen

Doch ob die Maßnahmen, die Experten als sehr diffizil und schwierig ansehen, ausreichend sein werden, damit die strengen gesetzlichen Vorgaben für Wohnen erfüllt werden können, bleibt zumindest für das unmittelbar benachbarte Areal Sportsfield fraglich. Zumal wegen der direkt an Sportsfield verlaufenden Eisenbahnlinie weitere Lärmschutzmaßnahmen erforderlich wären.

Die Planungen der Stadt für Sportsfield laufen deshalb seit geraumer Zeit in Richtung Gewerbegebiet; ein entsprechender Aufstellungsbeschluss ist bereits gefasst. Das sich im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) befindliche Gesamt-Areal wolle die Stadt möglichst bis zum Jahresende erwerben, um es ab Anfang 2020 wie im Fall des Pioneer-Parks mit privaten Partnern in Eigenregie als Gewerbegebiet entwickeln zu können, erklärte Stadtplaner Bieberle.

Aktuell leben in zehn von 13 Wohnblocks, die die Stadt für die Flüchtlingsunterbringung von der Bima noch bis zum Jahr 2025 angemietet hat, 815 Menschen. Wo sie unterkommen sollen, wenn ihr jetziger Wohnraum wegfällt, ist noch unklar. Die Stadt geht aber davon aus, dass die Bewohner – wie schon jetzt praktiziert – nach und nach dezentral untergebracht werden können. Es bestünde auch kein Zeitdruck, so dass die Unterkünfte auch noch einen längeren Zeitraum genutzt werden könnten.

Wohnblocks aktuell leer

Die neun Wohnblocks sowie die ehemalige US-Schule und Kita, die dem Land Hessen als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge dienten, stehen aktuell leer. Das Land hatte die Erstaufnahmeeinrichtung vor einigen Wochen offiziell aufgegeben.

Die sich abzeichnende künftig rein gewerbliche Nutzung von Sportsfield hat Stadtplaner Bieberle zum Anlass genommen, die Idee für die Verlegung der städtischen Betriebe von der Daimlerstraße in die frühere Großauheimer Underwood-Kaserne noch einmal zu überprüfen. Im Zuge der Neuordnung des Areals rund um den Hauptbahnhof bis hin zur B43a plant die Stadt, ihren Bauhof mit dazugehöriger Sperrmüll- und Wertstoffannahme sowie das Busdepot der Hanauer Straßenbahn samt Kfz-Werkstatt an anderer Stelle anzusiedeln.

Sportsfield läge für eine solche Einrichtung zentraler als Underwood und wäre verkehrstechnisch für viele Menschen besser zu erreichen. Die Verwaltung prüft deshalb nach Angaben von Bieberle, ob die städtischen Betriebe an dieser Stelle nicht sinnvoller beheimatet wären, zumal auf Sportsfield eine doppelt so große Fläche wie in der Underwood-Kaserne (6,5 Hektar) zur Verfügung stünde.

Unabhängig davon soll im künftigen Gewerbegebiet weiterhin ein Nahversorgungszentrum für die erwarteten 5000 Bewohner des gegenüber der Straße liegenden Pioneer-Parks entstehen. Der Platz für beide Einrichtungen wäre jedenfalls ausreichend.

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