Rußbedeckte Wände, Fenster und Türen, wohin das Auge reicht: Bis die Wohnung der Familie Yussufi, die in der Nacht zum 29. Dezember ausgebrannt war, wieder saniert ist, dürfte ein halbes Jahr vergehen. Bis dahin suchen Karim und seine Frau (rechts), die derzeit mit ihren beiden Kindern bei Karims Schwester Marzia Akbari (Mitte) wohnen, eine neue Bleibe. Fotos: Jutta Degen-Peters

Hanau

Wohnung bei Brand zerstört: Familie Yussufi sucht neue Bleibe

Hanau. Der Schreck steht der Familie noch ins Gesicht geschrieben. Kurz vor Silvester, in der Nacht zum Sonntag, hatte es in der Dachgeschosswohnung von Karim Yussufi und dessen Frau Waheda in der Straße Am Krawallgraben 11 gebrannt.

Von Jutta Degen-Peters

Das aus Afghanistan stammende Ehepaar, das Ende 2016 in die Brüder-Grimm-Stadt kam, konnte sich mit seinen beiden Kindern zwar rasch in Sicherheit bringen. Doch all sein Hab und Gut, Kleider, Möbel und mehr, ist verbrannt. Jetzt räumen die beiden, unterstützt von Karims Schwester Marzia Akbari, die Küche aus und retten das, was noch brauchbar ist. Wir haben das Paar vor Ort besucht.

Da die Yussufis zwischen den Jahren alle Behördenvertreter im Urlaub vermuteten, akzeptierte die Schwester Karims, Marzia Akbari, die der Familie des Bruders auch aufgrund ihrer guten Deutschkenntnisse eine große Hilfe ist, ein Gespräch mit unserer Zeitung in der Hoffnung, auf diese Weise schneller aus ihrer Notlage zu kommen. Marzia lebt seit 2010 in Deutschland und arbeitet als Verkäuferin in einer Bäckerei.

Aktuell bei Schwester untergebracht

Aktuell sind Karim, seine Frau und die beiden Söhne Benjamin (vier Jahre) und Yussuf (neun Jahre) im Haus von Karims Schwester in Kesselstadt untergebracht. „Sie teilen sich bei uns ein Zimmer“, erklärt Marzia Akbari, die wir im Hof vor dem Haus treffen. „Bis die Wohnung, in der die Yussufis zur Miete wohnen, saniert ist, wird wohl ein halbes Jahr vergehen“, erklärte der Hausbesitzer gegenüber unserer Zeitung. Bis dahin muss eine Übergangslösung gefunden werden.

Der Fachbereich Wohnen der Stadt bemüht sich bereits um eine andere Bleibe für die Familie. Auf Intervention unserer Zeitung meldete sich auch die Baugesellschaft und bot ihre Unterstützung an. Zunächst aber muss geklärt werden, wer – beziehungsweise welche Versicherung – den Schaden übernimmt, bestätigte uns eine Mitarbeiterin des Fachbereichs Wohnen.

Zu dem Brand gekommen war es laut Polizei wegen eines technischen Defekts in einem Kabelschacht, wo das Feuer in der Nacht im Schlafzimmer des Ehepaars ausgebrochen war. Dort waren viele kleinere Möbel, Kleider und Decken untergebracht. „Mein Bruder hatte gerade die Wohnung frisch renoviert“, sagt Marzia traurig. „Jetzt ist alles kaputt.“

Plötzlicher Stromausfall in der Nacht

Als die 32-jährige Waheda in der Nacht aufwachte, „machte es in der Wand des Schlafzimmers tick, tick, tick“, sagt Marzia. Plötzlich sei der Strom weggewesen, und Karim wollte in den Keller, um die Sicherung wieder einzuschalten. „Schnell, schnell, wir müssen raus“, habe seine Frau da gerufen. „Es brennt“. Marzia zeigt auf die schwarz verkohlte Ecke des Schlafzimmers, wo gerade zwei Arbeiter Tapeten von der Wand reißen und den Putz abschlagen. „Sie hätten die Wohnung mal sehen sollen, als die ausgebrannten Kinderbetten hier noch standen“, sagen sie. Von der Ecke im Schlafzimmer hatten sich die Flammen über die Decke ins Nebenzimmer ausgebreitet. In Windeseile war alles in dichten Qualm gehüllt.

Der vierjährige Benjamin leidet nach Aussage seiner Tante immer noch unter den Folgen der Ereignisse. „Als er wachwurde, sah er Feuer und hatte furchtbare Angst“, so die Tante, die in der Brandnacht binnen weniger Minuten von ihrem Haus in Kesselstadt im Hafengebiet eingetroffen war. „Wir haben nur gehört, dass es brennt, aber wir wussten nicht, was mit meiner Familie ist“, erinnert sie sich und die Tränen laufen ihr übers Gesicht. Gottseidank seien alle heil aus dem Haus gekommen.

„Die Feuerwehr war binnen weniger Minuten hier“, sagt die Vermieterin, die beim Räumen hilft. Sie selbst wohnt im Nachbarhaus und war von ihrem Sohn, der im Erdgeschoss des Brandhauses wohnt, in der Nacht geweckt worden. Der Sohn half, die Familie in Sicherheit zu bringen.

Die Yussufis, die noch keinen geklärten Aufenthaltsstatus besitzen, setzen ihre Hoffnung auf das Gespräch, das Mitte kommender Woche beim Fachbereich Wohnen stattfindet. „Vielleicht“, so hoffen sie, „haben wir bald wieder eine eigene Wohnung.“ Dann können Hanauer Bürger vielleicht auch mit Kleider- oder Möbelspenden helfen.

Das könnte Sie auch interessieren