Hanaus Wochenmarktbeschicker mussten ihre Waren gegen Minusgrade schützen. Elisabeth Wissel empfiehlt vitaminreiches Obst gegen die Kälte. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Wochenmarkt-Beschicker trotzen den frostigen Temperaturen

Hanau. Für die Hühnereier und den Handkäse dürfte die Kälte, die auf dem Hanauer Wochenmarkt herrschte, am besten zu ertragen gewesen sein. Zwei Grad minus zeigte das Thermometer an. Doch in den späten Morgenstunden sorgte ein leise rieselnder Schnee für ein besonders unangenehmes Kältegefühl.

Von Reinhard Paul und Jutta Degen-Peters

Während der Handkäse in der Vitrine wacker der Kälte trotzt, halten die Hühnereier einiges aus. Das jedenfalls erfährt die Kundin am Stand der Hüttenberger Käsemädels Petra Braun und Karin Schmidt. Und dass sie in diesem Jahr die Segel streichen werden, weil die Auflagen immer strenger werden und ihre urige und rustikale Ausstattung dem nicht mehr stand halten kann. Doch das ist an diesem Tage nur eine Randbemerkung.

Zu kalt: Hälfte der Kundschaft bleibt Zuhause

In den frühen Morgenstunden ist es ruhig. Vielen Kunden ist es zu ungemütlich. „Höchstens die Hälfte der üblichen Kundschaft war heute morgen da, erklärt Elisabeth Wissel. Ihr Stand ist wie die meisten anderen mit einem Zelt gegen die Kälte geschützt. Im Angebot ist trotzdem so gut wie alles. „Nur Bananen haben wir heute nicht dabei, die würden sonst bei den Minusgraden schwarz“, ruft Elisabeth Wissels Bruder herüber.

Kein Problem ist die Kälte für die Fleisch und Wurstwaren. Bei Remmel und Sohn, die seit Oktober als Nachfolger von Niedenthal in Hanau stehen und Geflügel aus Frankreich und besonderes Wild anbieten, herrscht gute Laune. „Wir wollten schon seit Jahren gerne nach Hanau“, sagt Christine Eichler, „jetzt habe es sich endlich ergeben“. Remmel verkauft seine Ware auch auf Märkten in Frankfurt Jetzt also auch in Hanau. Da können ein paar Grad minus nicht schrecken.

Marktbeschicker stehen zehn Stunden auf dem Platz

Die Verkäuferinnen und Verkäufer an den Ständen haben sich in dicke Jacken gemummelt, viele tragen fingerlose Handschuhe. Während die Marktbesucher ihren Einkauf im Blitztempo abwickeln können, stehen die Beschicker über zehn Stunden auf dem Platz. Sie bauen bei nächtlicher Eiseskälte auf und müssen bis 14 Uhr ausharren.

So wie Alban Rexha, der unter anderem Südfrüchte anbietet. Er schützt sich mit dicker Thermounterwäsche und kleidet sich nach der Zwiebeltechnik. Problematischer wird es bei der Ware: Orangen, Bananen und verschiedene Gemüsesorten vertragen keine Minusgrade, sonst erfrieren sie oder werden zu Hause schneller matschig. Damit das nicht geschieht, hat Rexha vier Heizstrahler rund um seinen Stand aufgebaut, den er mit zusätzlichen Planen geschützt hat.

„Die Tulpen machen einiges an Kälte mit“, sagt Blumenhändler Zeki Koc. Den Orchideen ist zu kalt, aber Rosen und Tulpen kommen mit etwas Wärme aus dem Strahler über die Runden.

Das verursacht den Händlern nicht nur zusätzliche Heizkosten, es ist auch mit Mehraufwand verbunden. So hat Rexha aus doppelten Gründen Einbußen: „Wenn es regnet oder nasskalt ist, haben wir meistens 30 bis 40 Prozent weniger Kunden."

Heizstrahler für die Blumen

Zusätzliche Kosten hat auch Zeki Koc an seinem Blumenstand. „Wir müssen für beinahe 100 Euro am Tag hier die Gasbrenner laufen lassen. Bis sechs Grad minus können wir noch abfedern. Was drunter liegt, hat keinen Wert. Dann gehen die Schnittblumen kaputt.“

Dass er seine Rosen aus Kenia von der Fairtrade-Firma Omniflora aus Neu-Isenburg bezieht, zahlt sich in diesen Tagen aus. Die Rosen sind kräftiger und halten daher auch die winterlichen Temperaturen besser aus. Noch von früheren Jahren an kalte Winter gewöhnt ist Markt-Urgestein Helmut Vulpius: „Eine kurze Unterhose, eine lange drüber, zwei dicke Pullis und ne Jacke, dann ist alles gut“, strahlt der Roßdorfer Kartoffelbauer.

Seine Erdäpfel mögen die Kälte weniger. Aus diesem Grund hat Vulpius unter dem Tisch Heizgeräte aufgestellt. Mit Blick in die Zukunft freut sich der Roßdorfer aber über die kalten Tage: „Eigentlich brauchen wir mehr davon. Wir haben zu viele Wühlmäuse und schädliche Insekten.“

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