Feierten das 70-jährige Bestehen der Wirtschaftsjunioren (WJ) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern: WJ-Geschäftsführerin Petra Diehm (von links), WJ-Sprecher David Bauer, Anne Lamberts, Landrat Thorsten Stolz, WJ-Sprecherin Julia Heuwieser, Nicole Schimmelpfennig, Kolja Erdmann, Stefanie Schietzold und Förderkreissprecher Christoph Traxel. Foto: Mike Bender

Hanau

Wirtschaftsjunioren feiern 70-jähriges Bestehen im Golfclub

Hanau. Mit rund 100 Gästen aus Politik und Wirtschaft feierten die Wirtschaftsjunioren (WJ) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern im Restaurant des Golfclubs Hanau ihren 70. Geburtstag.

Von Monica Bielesch

Und es war eine Punktlandung, denn genau am 4. Oktober 1949 ist dieser Ortsverein der deutschlandweit und international präsenten Wirtschaftsjunioren seinerzeit gegründet worden.

„Uns eint die Freude am Gestalten, am Machen – deswegen sind wir ja auch Unternehmer geworden“, begrüßte Julia Heuwieser, die zusammen mit David Bauer das derzeitige Sprecherteam bildet, die Gäste. Und unter diesen waren viele, die altersbedingt zwar keine aktiven Junioren mehr sind, aber als Fördermitglieder den WJ seit Jahren weiterhin verbunden bleiben. Gerade die Regel, dass man ab 40 Jahren keine aktive Vorstandsarbeit mehr machen kann, führt zur kontinuierlichen Erneuerung des Vereins und ermöglicht ein Netzwerken über Generationen hinweg.

Der aktuelle Präsident der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, Dr. Norbert Reichhold, erinnerte sich in seiner Rede daran, dass er vor 25 Jahren Junior geworden ist. Und die Arbeit bei den WJ habe ihn in seiner persönlichen Entwicklung stets positiv beeinflusst. Aber nicht nur für den Einzelnen seien die WJ ein Gewinn, auch für die Gesellschaft, die heute vor großen Herausforderungen stehe.

Junge, dynamische Menschen

„Wir brauchen junge, dynamische Menschen, die unsere Gesellschaft voranbringen und unternehmerisch wirken“, so Reichhold. Der IHK-Präsident zeigte sich mit Blick auf das Engagement der heutigen WJ diesbezüglich optimistisch und machte ihnen Mut zur Meinung: „Die Wirtschaftsjunioren sollten sich wirtschaftspolitisch deutlich artikulieren und positionieren.“

Dem schloss sich Gaston Michel, WJ-Landesvorsitzender an. „Wir wollen fördern, aber auch fordern, nicht nur uns, sondern auch die Politik“, so Michel. Mit einer Info-Veranstaltung Ende Oktober zum Thema Kreisfreiheit mit Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Landrat Thorsten Stolz zeigen die Wirtschaftsjunioren Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern beim Thema politische Meinungsbildung bereits Flagge.

Auch Landrat Thorsten Stolz (SPD) überbrachte seine Glückwünsche und zeigte die Bedeutung der jungen Unternehmer für den Wirtschaftsstandort Main-Kinzig-Kreis auf. Er würdigte die WJ als Unternehmer, die Verantwortung übernehmen und anpacken. „Sie gehen mit Mut, Wissen und Leidenschaft voran und leisten damit einen Beitrag, dass der MKK gut dasteht“, so Stolz.

Der Kreis wünsche sich weiter innovative Unternehmer und wolle entsprechend gute Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln schaffen. So soll der Breitbandausbau noch weiter intensiviert werden, sagte der Landrat.

Herausforderungen heute größer

Die Herausforderungen heute seien vielleicht sogar größer als 1949, meinte Florian Großner, Bundesvorsitzender der WJ in seinem Grußwort. „Heute können wir die Herausforderungen alleine national nicht mehr bewältigen.“ Aber ihm sei nicht bange um die Zukunft, denn unter anderem das Engagement der WJ sei ein Grundstein für Entwicklung und Wohlstand. Es seien die gemeinsamen Werte, der gemeinsame Geist, der die WJ weitertrage.

Das zeigte auch die inspirierende und kurzweilige Zeitreise, auf die Moderator Ömer Özbekler, der von 2015 bis 2018 WJ-Sprecher gewesen ist, die Gäste mitnahm. Mit Zeitzeugen aus verschiedenen Dekaden plauderte Özbekler über die Herausforderungen, die jede Zeit mit sich gebracht hat und die Rolle des Vereins für den Einzelnen. Dabei gelang es bei aller Würdigung der Vergangenheit und des Erreichten, immer auch den Blick in die Zukunft gerichtet zu lassen.

Michael Nies und Peter Brückner berichteten von den Anfangsjahrzehnten der WJ. Nies, der knapp 30 Jahre alt war, als er 1972 zu den WJ kam, erinnerte sich an sein erstes Autotelefon. „Das war eine riesige Kiste, die fest im Kofferraum eingebaut war.“ Die Kommunikation, um Mitglieder zu werben, sei damals sehr viel schwerer als heute gewesen. Bei jedem WJ-Treffen hätten die Mitglieder Anzug und Krawatte getragen, so Nies. „Die Zeit war eine andere.“

Brückner, der Anfang der 1980er-Jahre den WJ beitrat, schwärmte vom Weltkongress des weltweiten Verbandes, der Junior Chamber International, der 1981 in Berlin und damit erstmals in Deutschland stattfand. „Über 2000 Junioren aus der ganzen Welt waren in dieser geteilten Stadt, das war ein beeindruckendes Erlebnis.“

Aufbruchstimmung nach der Wende

Werner und Christine Maennchen als nächste Zeitzeugen berichteten von der Aufbruchstimmung unter den Junioren nach der Wende Anfang der 1990er-Jahre. Die Organisation von Landeskonferenzen habe die damals Aktiven als Team zusammengeschweißt und belastbare Freundschaften seien entstanden. Das bestätigte auch IHK-Geschäftsführer Dr. Gunther Quidde in seiner kurzen Rede.

Das Ehepaar Maennchen gab abschließend den Ratschlag: Jedes Engagement sei wichtig. „Einfach machen und Mut haben“, so Christine Maennchen. Mut hatte auch Regine Rang, die von 2013 bis 2015 mit Kerstin Cieslik WJ-Sprecherin war. Bei einer Bundesdelegierten-Konferenz gelang es ihr und Cieslik dem damaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer außerhalb des Protokolls ein T-Shirt mit der Aufschrift „Wir wollen die Nordmainische S-Bahn“ zu überbringen. Und Frank Stüss, der 2007 Sprecher wurde, betonte die Bedeutung des weltweiten Netzwerks der Junior Chamber International.

Die Zeitreise endete mit dem aktuell jüngsten Mitglied der WJ: dem 23-jährigen Andreas Bejm aus Schlüchtern. Frisch von der Leber weg erzählte Bejm wie er schon als Schüler die ersten unternehmerischen Schritte wagte. Zu Beginn seiner Karriere verkaufte er ein aufpoliertes Skateboard vom Sperrmüll, machte sich als 18-Jähriger selbstständig und führt heute ein Maklerunternehmen. Bejm prophezeite: „In zehn Jahren gibt es kein Papier mehr.“

Dann laufe die Kommunikation auch bei den WJ nur noch digital und über die Sozialen Medien. Und er wünschte sich, dass die Fördermitglieder sich noch mehr bei den WJ einbringen und sich mit den Aktiven vernetzen. „Damit wir alle auf Augenhöhe einen Austausch haben können.“ Dieser Austausch über Generationen hinweg gelang an diesem Abend perfekt.

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