IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde (links) und IHK-Mitarbeiterin Raija Hawly (rechts) mit den Referenten (von links) Benjamin Schultz, Oberst Heiß und Oberst von Andrian-Werburg. Foto: Habermann

Hanau

Wirtschaft: Bundeswehr-Reservisten sind oft Fachkräfte

Hanau. Sind Reservisten der Streitkräfte auch eine „Waffe“ gegen den Fachkräftemangel in der Wirtschaft? Zugespitzt könnte man da Ja sagen. Kürzlich haben hochrangige Militärs sowie leitende Mitarbeiter des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) den (hohen) Qualifikationsstand von Bundeswehrangehörigen vorgestellt.

Von Rainer Habermann

Ob im IT-Sektor, ob in der Logistik, natürlich im Sicherheitsgewerbe oder im Feld der Kfz-Mechatronik und vielen weiteren Dienstleistungs-, Produktions- und Entwicklungsbereichen: Soldaten und Offiziere lernen nicht nur, mit Waffen umzugehen und Führungsqualitäten zu entwickeln, sie qualifizieren sich innerhalb der Bundeswehr auch für zivile Weihen.

Das Prinzip von Befehl und Gehorsam mag dabei gelegentlich sogar förderlich sein, es hindere aber nicht am selbständigen, kritischen Denken und Handeln. Und schon gar nicht an einer guten Ausbildung innerhalb der Verteidigungsorganisation des Bundes. Das zumindest stellten Regierungsdirektor Benjamin Schultz (BMVg), Oberst Hans-Jürgen Heiß und Oberst Benedict Freiherr von Andrian-Werburg vor einem recht zahlreichen Publikum aus Gewerbe, Handel, Produktion und Dienstleistung, im Gebäude der IHK am Pedro-Jung-Platz klar.

Berufsförderungsdienst sei der SchlüsselDer Schlüssel zum Zugang zu qualifizierten Reservisten (das sind alle Bundeswehrangehörigen, die sich nach ihrer Ausbildung freiwillig verpflichten, auch über die abgeleistete Dienstzeit hinaus den Streitkräften alljährlich für eine oder mehrere Wochen dauernde Übungen und Weiterbildung zur Verfügung zu stehen), und für weitere Bundeswehrabgänger, ist der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD). Hier sind deren bundesweit 16 regionale „Karriere-Center“ und ihr „Job-Service“ zuständig. Für Hessen ist dies das Karrierecenter in Kassel.

Die Crux dabei: Die Meldung als Reservist ist zwar in Zeiten der Abschaffung der Wehrpflicht freiwillig. Bekommt man aber dann den Befehl zu einer Übung, muss der in jedem Fall befolgt werden. Eine „Heranziehung“ zum Reservistendienst „auch gegen den eigenen Willen ist jederzeit möglich“, sagte von Andrian. Das hat möglicherweise (zeitliche) Konsequenzen für Betriebe, die Reservisten einstellen.

Gehalt unterscheidet sichAndererseits haben Unternehmen wohl auch ein hohes Verhandlungspotenzial, wenn es um die Einstellung im eigenen Betrieb geht. Denn das Gehalt – bei der Bundeswehr sind Reservisten und insbesondere Offiziere geradezu fürstliche Saläre (im Vergleich zur freien Wirtschaft) gewohnt, weil die Sozialversicherungsbeiträge komplett wegfallen, – kann unter dem Aspekt verhandelt werden, dass für bis zu fünf Jahre staatliche Zuschüsse gewährt werden. In Form von Einarbeitungszuschüssen, Eingliederungsbeihilfen,

Ausgleichsbezügen und vielen weiteren, staatliche Leistungen. Die stehen dem Reservisten ohnehin zu, und sie betragen erhebliche Prozentsätze des zuletzt erreichten Solds. Weitere Möglichkeiten sind beispielsweise auch Berufsorientierungspraktika.

Spanne ist breit gefächertDas Potenzial für die Wirtschaft ist relativ groß, obwohl so mancher gut ausgebildete Bundeswehrangehörige nach seiner Dienstzeit einen Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst oder der DB AG sucht, wie die Statistik des BFD zeigt. Aber die Spanne reiche „von Altenpflegehelfern bis Zerspanungsmechanikern“.

Und immerhin rund 9000 Menschen sind es jährlich, welche die Bundeswehr mehr oder weniger gut ausgebildet – vom Hauptschul- bis zum Hochschulabsolventen – verlassen.

Der Schwerpunkt der Eingliederung lag 2016 mit knapp zwölf Prozent im kaufmännisch-administrativen Bereich, gefolgt vom technischen Sektor und Berufen in Schutz, Sicherheit und Überwachung sowie der Logistik. „Wie groß ist die Chance, einen IT-Spezialisten von der Bundeswehr zu ergattern?“, fragte ein Zuhörer im IHK-Saal. Schultz antwortete lächelnd: „Na, es gibt Chancen. Aber die Damen und Herren sind natürlich äußerst begehrt.“ Dies unterstrich auch Oberst Heiß mit einer eindrucksvollen Präsentation der bundeswehrinternen Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton.www.bfd.bundeswehr.de

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