Das Publikum bedankte sich am Ende des Konzerts mit stehenden Ovationen bei Astor, der im Amphitheater zu den Stammgästen zählt und mit seiner stilistischen Vielfalt überzeugte. Foto: Paul

Hanau

Willy Astor gastierte mit Weltmusik im Amphitheater

Hanau. Wer Ubuntu noch nicht kannte, den machte Willy Astor bei seinem Konzert „Sound of Islands“ im Amphitheater mit dieser afrikanischen Lebensphilosophie vertraut. Noch immer klingt dem Zuhörer der Refrain im Ohr, den der Musiker das Publikum pfeifen ließ mit dem Hinweis, aus Ubuntu klängen Menschlichkeit und Nächstenliebe.

Von Jutta Degen-Peters

Die Berührung mit Afrika war nur eine der musikalischen Begegnungen, zu denen Astor sein Publikum auf diesem leisen Konzert mit handgemachter Musik veranlasste. Der Münchner unternahm mit seiner Band auch Ausflüge nach Lateinamerika, Spanien, Frankreich, Italien – und Bayern.

Wer sich auf einen ruhigen und beschaulichen Abend eingestellt hatte, der kam – besonders vor der Pause – auf seine Kosten. Denn da trug der 55-jährige Astor, den viele besonders wegen seines Wortwitzes mögen, fünf Gitarrenstücke vor. Das erste, bei dem ihn der „Saitenzauberer“ Ferdinand Körner unterstützte, war seinen beiden kleinen Söhnen Len und Louis gewidmet.

Gelungenes ZusammenspielEs folgten Astors eingängige Version des Beatles-Songs „Blackbird“, eine musikalische Liebeserklärung an die sizilianische Stadt Syrakus, ein Bossa Nova, der Caterina Valente gewidmet war, und schließlich ein mit einem romantischen Walzer eingeleitetes Stück, bei dem die Brüder Montgolfière einen Heißluftballon in den Himmel steigen ließen. Nick Flade (Piano) und Marco Tubino (Saxofon, Querflöte, Drums) verstanden es im Zusammenspiel mit Astor, mit Klängen Stimmungen zu zaubern und Bilder zu malen.

Wer sich auf ein schwungvolleres Konzert gefreut hatte, dem geriet der erste Teil etwas zu brav. Umso mehr, als der Hanau-Stammgast Astor mit seinen Wortspielereien zwischen den Instrumentalstücken sehr sparsam umging. Den Gag mit den Flugzeugen, die er immer wieder kommentierte – „das war jetzt der letzte, wir haben ein Flugverbot für die Dauer des Konzerts erwirkt“ – kannte man schon vom letzten Mal.

Moderation nicht immer passendUnd mancher Spruch ging regelrecht in die Hose. Etwa der Hinweis an eine Zuschauerin, die noch vor der Pause ihren Platz verließ, es gebe mittlerweile auch Granufink für Frauen. So vorgeführt zu werden, mag niemand gerne. Und den Chauvi-Spruch in Richtung einer Zuschauerin, sie gehöre ganz sicher nicht zur angesprochenen Zielgruppe der Frauen (bis 28), die seine Musiker auch mal anlangen dürften, hätte sich Astor wirklich schenken können.

Auch die Kommentare zum häufigen Nachjustieren der Tontechnik, die Astor mit einem Stau auf der A 3 und damit begründete, dass für den Soundcheck nur 20 Minuten blieben, wären in dieser Ausführlichkeit nicht nötig gewesen.

Mystische Reise Versöhnt wurde das Publikum, in dem viele Fans dem Meister einiges nachsahen, nach der 40-minütigen Pause. Da nahmen Astor und seine hervorragenden Instrumentalisten die Zuhörer mit auf eine mystische Reise durch die tiefen Ozeane, ein Stück, zu dem sich Astor seinen Worten zufolge von Jules Verne hat inspirieren lassen.

Hatten die Akustik-Gitarren eben noch die Weite und den Zauber der Meerestiefen vermittelt, nahm Astor das Publikum im nächsten Augenblick mit auf den Gipfel des Kilimandscharo. Querflöte und Rasseln erzeugten den Sound von Afrika. Astor mahnte, dass die Erderwärmung dafür sorgen werde, dass in 30 bis 50 Jahren dieser höchste Gipfel Afrikas seiner Schneedecke beraubt sein werde.

Stehende Ovationen des PublikumsBesonders eindrucksvoll gerieten der Flamenco zu viert und die Rumba „La Losa“, die ein Paar allabendlich auf einer Küchenfliese tanzt. Nach dem Medley aus bekannten Rockmelodien von Santana über Michael Jackson bis hin zu Pippi Langstrumpf ernteten „Willy Astor und Freunde“ zum Schluss stehende Ovationen des Publikums. Das veranlasste ihn zu mehreren Zugaben. Eine davon diente der bayerisch-indischen Völkerfreundschaft und erklang nach einer kurzen Story über bayerische Weißwurst, die in Delhi im Delhi-katessenladen angeboten werden.

Zum Schluss ließ der König des Wortspiels doch noch einmal seine Verbalkompositionen aufblitzen. Da bewies der Bayer, dass er das Hessische perfekt beherrscht – „Mach disch zackisch nackisch“. Kein Wunder. Gelernt hat er es auf einer Tournee mit Badesalz.

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