Eine Fachfirma montierte die Metalltore an der Zugangsschneise zwischen dem alten und dem neuen Gehege. Foto: Hackendahl

Hanau

Wildpark: Wisentherde bekommt neues Gehegeteil

Klein-Auheim. Es dauert nicht mehr lange und die vier Tiere umfassende Wisentherde in der Alten Fasanerie hat doppelt so viel Auslauf wie bisher.

Von Holger Hackendahl

Derzeit wird für Europas größtes Säugetier ein neues 2,9 Hektar großes Gehegeteil vorbereitet und mit dem alten Gehege (3,6 Hektar groß) durch einen zehn Meter breiten Zugang verbunden. Im letzten halben Jahr gab es in der Herde, die durch die Blauzungenkrankheit vor rund zehn Jahren arg zusammengeschrumpft war, einige Wechsel. Drei Jungwisente verließen den Wildpark, zwei Wildrinder kamen zur Auffrischung des Genpools neu in die Herde.

„Unsere zwei Neuankömmlinge aus dem Nationalpark Bayrischer Wald, die jeweils eineinhalb Jahre alten Abia und Abnette – beide am 18. Oktober 2017 in der Alten Fasanerie angekommen – haben sich bestens bei uns eingelebt“, hat Wildparkbiologin Dr. Marion Ebel beobachtet. „Sie wurden von den anderen Wisenten gut angenommen, sind nach dem Ausladen gleich zu den anderen hingelaufen und in der Herde mitgelaufen“, freut sich Ebel, dass es „überhaupt keine Differenzen gab“ und alle „beim Fressen friedlich zusammen stehen“.

„Alle drei Wildrinder haben den Auszug gut überstanden“Dafür verließen die drei in der Alten Fasanerie geborenen jungen Wisente Fatu (kam am 9. Februar ins Artenschutzzentrum Freudingen), Fachim (zog am 30. September in den Wildpark Saarbrücken) und Fairytail (zog im November in den Wildpark Gersfeld) die Herde. „Alle drei Wildrinder haben den Auszug gut überstanden“, weiß die Biologin. Und Forstamtsleiter Christian Schaefer erläutert den Mitgliedern des Fördervereins, dass drei Wisente den Wildpark verließen und dafür zwei neue Wisentkühe aus dem Nationalpark Bayerischer Wald in die Alte Fasanerie kamen. „Der Genpol der Wisente ist sehr eng, deswegen müssen wir öfters austauschen“, sagt Schaefer.

„Wir freuen uns, dass das Wisentgehege vergrößert wird. Denn unser bisheriges Gehege war zu eng, der Boden ist ziemlich ausgelaugt und es können sich Parasiten vermehren“, so Ebel. Nun bestehe die Möglichkeit, den Erdboden dort bearbeiten zu können. „Jetzt können wir das alte Gehege absperren und haben so die Möglichkeit – etwa vier Wochen lang – den Boden gegen die Magen-Darm-Würmer zu behandeln“, erläutert Ebel.

Ende März/Anfang April„Die Einweihung des neuen Gehegeteils soll Ende März/Anfang April erfolgen“, so Günter Hunold, technischer Leiter des Wildparks. Es sei viel Arbeit, die 800 Meter Holz-Umrandung sowie zusätzlich umlaufend einen Stromzaun zu ziehen. Außerdem mussten die „attraktiven Nadel- und Laubäume“ im Gehege durch eine Eichenholz-Lattenmantel „wisentfest“ gemacht werden, da sonst die Wisente die Rinde schälen und die Bäume absterben, erklärt Hunold.

Die Besucher werden auf einen neuen Weg, der entlang der historischen Wildparkmauer führt, gelenkt. Der bisherige Weg wird durch die Zugangsschneise zwischen den Gehegen zur Sackgasse. Ziel sei es, dass das neue Gehege einen parkähnlichen Charakter bekomme und sich unter den Bäumen eine Grasvegetation bildet. „Im alten Wisentgehege wollen wir neue Bäume pflanzen damit dort in einigen Jahrzehnten wieder schöne Einzelbäume wachsen.“

Derzeit befinden sich „nur“ noch vier braune Schwergewichte im Wisentgehege: Die 18 Jahre alte Kuh Falca sowie Stier Eginwald (geboren 2005), der 2008 aus dem Wisentgehege Warburg-Hardehausen kam. „Ich hoffe, dass es bei Falca nochmal mit Nachwuchs klappt, denn sie ist genetisch wertvoll. Ich bin gespannt“, hofft Dr. Ebel. „Sie ist eine sehr gute Kuh und war lange Zeit die Leitkuh“, ist die Biologin gespannt, wann die Wisente den Weg zum ersten Mal den zehn Meter breiten Zugang zum Areal passieren.

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