Fledermaus-Experte Hans Schwarting, der bis 2016 die Fledermauskästen im Wildpark betreute, gab Sigrid Scherer und Kerstin Lochner bei der Einarbeitung wertvolle Tipps. Das Mausohr (links) übertagt in den Kästen an der Wiese des Damwildhgeheges, dort gibt es wegen des Wildkots besonders viele Laufkäfer. Fotos: Holger Hackendahl

Hanau

Wildpark: Fledermauskästen werden jährlich kontrolliert

Klein-Auheim. Die mehr als 100 Fledermauskästen im Wildpark Alte Fasanerie werden jährlich kontrolliert. Am dritten Tag der immer im Herbst durchgeführten Kontrolle werden zwölf Kästen begutachtet.

Von Holger Hackendahl

Die Aufzucht ihres Nachwuchses haben die Fledermäuse bereits abgeschlossen und so ist die Inventur der Ruhekästen für die Fledermäuse im Herbst am wenigsten störend. Auch Wespen und Hornissen, die die Kästen gerne als Unterschlupf annehmen, sind ausgeflogen.

Die beiden Wildparkführe‧rinnen Kerstin Lochner und Sigrid Scherer übernehmen in diesem Jahr erstmals die Fledermauskasten-Inventur. Sie werden von Fledermaus-Spezialist Hans Schwarting (Nabu Rodgau) unterstützt. Er hatte 2016 nach 35 Jahren die Betreuung der Wildpark-Fledermaus-Ruhekästen abgegeben, unterstützt nun die Wildparkführerinnen in ihrem „Einarbeitungsjahr“ mit Herz, Hand und viel Sachverstand.

„Das ist eine Amerikanische Zapfenwanze“

Das junge Damenduo folgt Evelin Evers-Blank und Regine Brändle nach, die die Kästen zuletzt betreut hatten. Wie ihre Vorgängerinnen schützen sich die beiden Naturfreundinnen beim Hineingreifen in die Kästen mit Handschuhen gegen unliebsame Begegnungen. Der versierte 77-jährige Schwarting ist – wie früher auch schon – stets engagiert dabei, identifiziert sofort jede Fledermausart mit Kennerblick ebenso wie die in den Kästen gefundenen Insekten.

„Das ist eine Amerikanische Zapfenwanze“, sagt Schwarting, nachdem er die ausklappbare Aluminiumleiter hinaufgeklettert ist und nach dem Öffnen des Deckels auf eine leere Wabenstruktur schaut. Er nimmt die Wabe heraus. „Hier hat sich eine Kiefernwanze eingenistet. In Buchenbeständen finden wir oftmals auch Überreste von Schwammspinnern“, sagt Schwarting.

Unterscheidung zwischen den unterschiedlichen Arten

Während seines 35-jährigen Engagements im Wildpark zählte Schwarting 15 verschiedene Fledermausarten. Jede hat ihre Eigenart – sei es Aussehen, Größe oder Ernährung. Die Großen Abendsegler etwa, die eine Flügelspannweite von bis zu 40 Zentimeter bei maximal 46 Gramm Körpergewicht haben, fangen ebenso wieder Kleine Abendsegler (bis 32 Zentimeter, Gewicht bis zu 20 Gramm) ihre Insekten in der Luft.

„Das Große Mausohr hat es hingegen auf am Boden lebende Käfer abgesehen und deckt damit 80 Prozent seines Nahrungsspektrums. Diese Laufkäfer leben vor allem auf der Lichtung des Damwildgeheges“, weiß Schwarting. Die Käfer, die vom Großen Mausohr auf dem Waldboden erbeutet und dort auch verzehrt werden, ernähren sich von den Kotknöddeln des Damwilds – das Große Mausohr hat quasi das Paradies vor der Haustür.

Fötus entwickelt sich erst, wenn es genug Nahrung gibt

„Fledermäuse paaren sich im Herbst“, sagt Schwarting, als er auf der Stehleiter die Frontabdeckung eines Quartiers öffnet. „Oh, diese beiden Mausohren sind am Kopulieren“, kommentiert er mit einem Schmunzeln das kopfüber hängende, eng gesellte Pärchen. In fast jedem Kasten an der Lichtung findet die muntere Damenriege, das an diesem Tag von Scherers Tochter Jana und ihrer Freundin Klara unterstützt wird, ein bis drei Exemplare dieser Fledermausart – mal ein einzelnes Mausohr oder bis zu drei kopfüber im Kasten hängend. „Vor 15 Jahren habe ich das erste Mal ein Mausohr gefunden, jetzt leben hier wirklich viele dieser Art – das Insektenangebot auf der Waldwiese scheint gut zu sein“, kommentiert Schwarting.

Das Waldgebiet der Alten Fasanerie ist für die Nacht- und Dämmerungsaktiven Fledermäuse auch Paarungsgebiet. Die Spermien des Fledermausmanns ruhen nach der Paarung im weiblichen Körper. Der Fötus entwickelt sich erst im Jahr darauf – wenn es ausreichend Nahrung gibt. Mehrere Tage brauchen Kerstin Lochner und Sigrud Scherer, um alle Kästen zu kontrollieren. Mit Handschuhen geschützt, säubern sie die Rund- und Flachkästen von Fledermauskot, Vogelnestern, Hornissen- und Wespenwaben oder anderen Insektenüberresten.

Kleinste Exemplar ist nur drei bis acht Gramm schwer

Bisher fand das Damenduo auch eine 16 Tiere zählende Wochenstube des Kleinen Abendseglers, bestehend aus zwei Ammen und 14 Jungtieren. In den Rundkästen fanden sie oftmals Exemplare des Großen Abendseglers – die größte im Wildpark vorkommende Art – oder auch die Zwergfledermaus. Die Kleinste im Wildpark ist jedoch die nur drei bis acht Gramm schwere Mückenfledermaus mit einer Flügelspannweite von 20 Zentimetern.

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