Jahrelang heulte Scott Seite an Seite mit Schwester Ayla und Bruder Khan- die Wolfsheulnächte zogen bis zu 500 Besucher pro Abend an. Archivfoto: Holger Hackendahl

Hanau

Wildpark Alte Fasanarie: Polarwolf Scott feiert Geburtstag

Klein-Auheim. Wenn auf einen Wolf die Worte „einsam“ und „uralt“ zutreffen, dann dürfte diese Beschreibung wohl am ehesten auf den im Wildpark Alte Fasanerie lebenden Polarwolf Scott zutreffen.

Von Holger Hackendahl

Der einstige Alphawolf (Rudelchef) und einzig noch Lebender des einstmals dreiköpfigen Polarwolfrudels wird am morgigen Donnerstag, 9. Mai, sage und schreibe 15 Jahre alt.

Er ist damit wohl Deutschlands ältester Wolf. Und 15 Jahre sind selbst für einen Wolf in Gefangenschaft ein biblisches Alter. Im Vergleich zu einem Menschen wäre sein Alter mit 105 bis 110 Jahren anzusetzen, weiß Wildpark-Biologin Dr. Marion Ebel. „In der Natur wäre er wohl schon mit sieben Jahren in die ewigen Jagdgründe übergegangen.“

Wolfbruder Khan 2016 gestorben

Scott hat ein bewegtes Wolfsleben hinter sich. Er wurde im August 2013 von Inuq, einem sieben Jahre jüngeren Polarwolf, nach einer heftigen Beißerei an der Rudelspitze abgelöst. Am Tag danach wurden das junge und alte Rudel getrennt. „Scott war im Alter von sieben Jahren fast am Ende. Er hatte beim Kampf schwere Bisswunden davongetragen, wir haben ihn wieder aufgepäppelt“, erinnert sich Ebel an die schweren Tage im Spätsommer 2013.

Nach dem Tod seines Wolfsbruders Khan im Dezember 2016 – er wurde eingeschläfert wegen einer Nierenfehlfunktion – und seiner Schwester Ayla – sie war im Dezember 2017 wegen einer entzündeten Pfote aus der OP-Narkose nicht mehr aufgewacht – lebt Scott als „einsamer Wolf“ allein in dem großen Polarwolfgehege. „Ich hätte nicht gedacht, dass er 14 Jahre alt wird und jetzt wird er bald 15 Jahre alt. Er hat mich eines Besseren belehrt, der alte Bub“, schmunzelt die Biologin, die ihm täglich persönlich seine Tabletten verabreicht. „Scott kommt gut mit dem Alleinsein zurecht, hat gern seine Ruhe und mag auch gar nicht mehr so viele Streicheleinheiten wie früher noch“, hat sie festgestellt.

„Bei Regen liegt Scott in seiner Hütte oder im heißen Sommer in der kühlen Höhle des Wolfshügels. Dort, auf einem dicken Strohpolster, kann er seine alten Knochen weich betten.“ Im Sommer bringt Ebel dem alten Wolf seine Mahlzeit sogar in die Höhle – damit die frechen Krähen ihm nicht die Fleischbrocken wegfressen. Biologin Ebel verköstigt ihren Scott bei seiner täglichen Mahlzeit mit klein geschnittenem Rindfleisch. Schmerztabletten für seine Knochen und weitere Antibiotika werden von ihr in Leberkäse, Nürnberger Würstchen oder Leberwurst versteckt. „Geflügel-Mortadella und Hühnerflügel frisst er gern.

Das schmeckt ihm derzeit am besten“, hat die Wolfs-Ethnologin festgestellt. „Vor Kurzem erst hatte Scott eine dicke Schnauze, entweder wegen einer Fistel, einer Zahnentzündung oder ein Insektenstich war schuld“, vermutet Ebel. „Scott schläft viel – wie's halt bei alten Leuten so ist. Er läuft schön langsam durch sein Gehege – wie ein alter Mann mit 110 Jahren. Für sein Alter geht’s ihm noch prächtig. Und er kommt ja auch noch allein ohne Hilfsmittel vorwärts. So lange er noch aufsteht, frisst und trinkt, geht’s ihm noch gut“, freut sich die Biologin.

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