Zwischen 22 und 32 Tage waren die Mauersegler beim Besuch in ihrer „Päppelerin“ Elke Eger. So langsam dürften die älteren bereits flügge werden. Fotos: Holger Hackendahl

Hanau

Wieder fit gemacht: Elke Eger ist Klein-Auheims Vogelpäpplerin

Klein-Auheim. „Srii-Sriii-Sriiii“: Ihre Rufe gehören zum Sommer wie die Sonne und der blaue Himmel. Die Mauersegler umfliegen von Anfang Mai bis Mitte August in kleinen Verbänden mit ihrem lauten, markanten Ruf Häuser und Kirchtürme.

Von Holger Hackendahl

Die enorme Hitze mit Temperaturen von nahe an die 40 Grad setzte dem Mauersegler-Nachwuchs mächtig zu. Der Nachwuchs der Gebäudebrüter wurden in den Bruthöhlen – viele davon liegen unter Dächern – regelrecht gegrillt, erläutert Elke Eger. Seit mehr als fünf Jahren zieht sie gefundene und verletzte Jungvögel auf, pflegt sie gesund, versorgt sie mit Nahrung und wildert sie wieder aus.

Die Jungvögel stürzten sich nach Abkühlung hechelnd aus den Nestern. Hatte der gefiederte Nachwuchs großes Glück, blieb unverletzt und wurde gefunden, wird der Vogelfindling in die Mauerseglerklinik in Frankfurt-Griesheim gebracht und dort aufgepäppelt. Oder er kommt – weil die Aufzuchtstation voll belegt ist – zu Elke Eger nach Klein-Auheim. „Ein Mauersegler auf dem Boden ist immer ein Notfall. Nie den Segler aufheben und gleich wieder in die Luft werfen. Den Vogel erst mal sichern und in einen Karton – am besten auf ein Handtuch – legen“, rät sie.

Die „Vogelpäpplerin“ – wie sich Elke Eger vom Reiterhof Eger selbst nennt – kümmert sich derzeit um sieben junge Mauersegler. Der Vogelnachwuchs im Alter von 20 bis 34 Tagen wurde ihr zum Aufpäppeln gebracht. „Nach den extrem heißen Tagen Ende Juni wurden der Mauerseglerklinik Frankfurt innerhalb kürzester Zeit 120 junge Segler gebracht. Und sie war mit dann über 200 Vögeln voll. Die Station ist voll, dort ist Aufnahmestopp“, sagt Eger.

Sieben Flugakrobaten in Betreuung

Nun kümmert sich die Klein-Auheimerin um die sieben angehenden Flugakrobaten. Die jungen, noch flugunfähigen Mauersegler bekommen alle zwei bis drei Stunden Insektennahrung verabreicht: Heimchen-Grillen, Wachsmottenlarven und Drohnenbrut erhält der gefiederte Nachwuchs bis zu sieben Mal am Tag – von Sonnenauf- bis -untergang. Die Hand, mit der sie den Jungvogel beim Füttern festhält, hat sie mit einem Gummihandschuh überzogen – damit das Gefieder von der Haut nicht fettig wird, denn es muss später im Flug die Regentropfen abperlen lassen.

Zudem bekommen die jungen Mauersegler einmal täglich einen Tropfen eines Mineralstoff-Spurenelemente-Vitaminpräparats zugefüttert, dazu einmal wöchentlich ein Vitamin-B-Präparat. „Weil wir ja nicht so füttern können wie es Vogelmütter tun“, unterstreicht Eger.

Im Moment sollen die Jungvögel nur fressen, schlafen und an Gewicht zulegen. „Ein junger Mauersegler muss mindestens 50 Gramm wiegen, wenn er anfängt zu trainieren, denn dann frisst er nicht mehr“, weiß Eger.

Trainieren heißt „auf den Flügeln viele Liegestütze machen“ – um die Flugmuskulatur aufzubauen. „Das machen sie instinktiv. Beim Sporttreiben nimmt der Mauersegler wieder ab, aber für das dauerhafte Fliegen müssen Mauersegler ja gut durchtrainiert sein, sonst kommt er bald wieder runter“, weiß die Vogelpäpplerin. Dann verlässt ein Mauersegler ab dem 43. Lebenstag sein Nest und startet als Zugvogel in sein Leben, das er fast ausschließlich in der Luft verbringt.

Zwei Jahre im Flug unterwegs

Er fliegt nach seinem ersten Start die nächsten zwei Jahre – ununterbrochen. Etwa zum Vogelzug im Spätsommer bis nach Südafrika und dann im Frühjahr wieder zurück nach Europa. Mauersegler, die ganz kurze Beinchen haben und deshalb auch vom Boden aus nicht starten können, landen dann erst wieder zum Brüten und zur Aufzucht der nächsten Mauerseglergeneration, weiß Eger.

Die Dauerflieger, die übrigens nicht mit den Schwalben verwandt sind, schlafen im Flug, paaren sich dort und jagen in kleinen Verbänden mit lauten „Srii-Sriii-Sriiii“-Rufen den Insekten hinterher. „Die in der Luft gefangenen Insekten verarbeiten sie zu Matschkugeln, die sie dann ihrem Nachwuchs füttern. Die Küken in den Bruthöhlen docken am Schnabel ihrer Eltern an und bekommen den nahrungsreichen Matschball übergeben“, erläutert Eger.

Stürzen die jungen Mauersegler – etwa wegen großer Hitze – aus den Nestern, werden sie am Boden von den Eltern nicht mehr versorgt. Der Vogelnachwuchs ist auf menschliche Hilfe angewiesen oder verendet. Junge Mauersegler aufzupäppeln, ist im Vergleich zu anderen Vogelarten schwierig, quasi die „Königsdisziplin“ bei der Aufzucht von Vögeln. Mauersegler-Nachwuchs sperrt den Schnabel nicht auf, man muss nachhelfen.

"Es ist genug zu tun"

„Ich hatte, bis ich die sieben Segler vorbeigebracht bekommen habe, vier junge Spatzen. Die habe ich an eine Freundin ausgelagert, die sich jetzt um ihre Aufzucht kümmert, die sind einfach zu händeln. Und ich hab ja jetzt mit den Mauerseglern genug zu tun“, sagt Eger, die sich auch noch um die Pferde und den Reitunterricht auf dem Fasanenhof kümmern muss.

Die vielen jungen Rauchschwalben in den Stallungen hingen – laut Eger – bei der großen Hitze im Juni „in den Nestern der Stallungen auf halb acht. Zum Glück stürzte sich – im Gegensatz zu den Mauerseglern – keine heraus.“

Im Frühjahr hat Eger bereits sechs Haus- und Feldsperrlinge sowie ein junges Rotschwänzchen aufgepäppelt und zum Auswildern mitunter an die Wildtierhilfe Dreieich weitergegeben. Vor Kurzem erst hat sie einen entflogenen Wellensittich eingefangen. Der flatterte auf dem Fasanenhof umher und wird nun ebenfalls von ihr versorgt.

„Einen Mauersegler auszuwildern, ist – im Gegensatz zur Aufzucht – relativ unkompliziert“, erzählt Eger. „Ich setze ihn auf die flache Hand. Wenn der Mauersegler will, dann startet er. Will er nicht, dann nehme ich ihn wieder mit und wir versuchen es am nächsten Tag. Mauersegler wissen instinktiv, wann sie fit genug für den Abflug ins Leben sind.“

Das könnte Sie auch interessieren