Mit Passanten ins Gespräch kommen, Auskunft geben, auf Verstöße hinweisen – einige der Aufgaben von Schutzmann und Schutzfrau vor Ort. Foto: Axel Häsler

Hanau

Wenn der Schutzmann mit dem E-Bike kommt

Hanau. Die Gummireifen lassen das Regenwasser, das sich auf dem Asphalt gesammelt hat, zur Seite spritzen. Die beiden Radfahrer, die an diesem Freitag trotz Regenwetter in der Innenstadt unterwegs sind, machen ordentlich Tempo. Kein Wunder, sie sind auf Pedelecs unterwegs.

Von Kerstin Biehl

Ein Pkw kommt entgegen. Die Radler schneiden ihm den Weg ab. Kommen direkt vor ihm abrupt zum Stehen. Hindern ihn an der Weiterfahrt.

„Sie wissen, dass das nicht erlaubt ist“, richten die beiden ihr Wort an den Fahrer. Der schaut fragend. Dass er es mit Polizisten zu tun hat, ist unschwer zu erkennen. Katja Uffelmann und Kai Strauß tragen Fahrraduniformen. „Diese Straße ist keine Durchgangsstraße. Sie darf von privaten Pkw nicht befahren werden“, informieren sie den Verkehrssünder.

Theoretisch könnten sie ihm für seinen Verstoß 20 Euro abnehmen. Doch diesmal belassen sie es bei der Verwarnung. „Der Herr kam von auswärts, wir glauben ihm, dass es keine Absicht war.“ Doch das sei hier, an der Ecke Mühlstraße / Am Freiheitsplatz, eher die Ausnahme. „Viele Leute nutzen den Weg als Abkürzung oder haben sich immer noch nicht an die seit ein paar Jahren bestehende Verkehrsregelung gewöhnt.

Mit Pedelecs und der Landespolizei auf Fahrradstreife in Hanau

Uffelmann und Strauß sind als Schutzfrau und Schutzmann vor Ort im Auftrag der Landespolizei in Hanau unterwegs. Ihre Arbeit dreht sich ums Repräsentieren, Kommunizieren und darum, Präsenz zu zeigen.

Seit drei Wochen tun sie dies vermehrt auf Pedelecs. „Wir sind die erste Polizeistation im gesamten Polizeipräsidium Südosthessen, die mit E-Bikes ausgestattet wurde“, erzählt Kai Strauß. Bislang waren die Polizisten in der Innenstadt ausschließlich als Fußstreife unterwegs. Jetzt können sie, je nach Bedarf, aufs E-Bike umsteigen.

Vor allem in der Rosen- und Hammerstraße missachten Radfahrer immer wieder das Fahrverbot für Radfahrer in der Zeit von 11 bis 18 Uhr. „Dort stehen wir jetzt mit Fahrrädern. Wenn wir dann Fahrradfahrer ansprechen, die sich falsch verhalten, sind wir, dadurch, dass wir selbst auch auf Rädern unterwegs sind, gleich auf einer Ebene“, erklärt Uffelmann.

Flexibler Ortswechsel möglich

Mit den Elektro-Drahteseln können Katja Uffelmann und ihr Kollege Örtlichkeiten aufsuchen, an die man mit dem Pkw nicht oder nur schwer gelangt. Wie etwa das Mainufer unterhalb von Schloss Philippsruhe. „Hier sind die E-Bikes wirklich komfortabel. Wir legen die Strecke von der Polizeistation in der Innenstadt mit den Pedelecs viel schneller zurück, können zudem den Mainuferradweg befahren“, sagt Uffelmann.

Bei dem heutigen Regenwetter sind nur wenige Passanten unterwegs. „Bei Sonnenschein sieht das natürlich ganz anders aus. Dann wird hier unten gegrillt, auch mal Feuer gemacht, was nicht erlaubt ist. Darauf weisen wir die Leute dann hin“, sagt Strauß. Ihm und Uffelmann kann die Nässe wenig anhaben. Regenjacke und Regenhose halten die Polizisten warm und trocken.

Unverhofftes Erscheinen ist ein großes Plus

Ein großes Plus sei auch das unverhoffte Erscheinen. „Von Weitem erkennt man erst einmal nicht, dass das auf dem Fahrrad Polizisten sind, wir bleiben relativ lange unerkannt“, sagt Strauß. Etwa im Tiefgarten, wohin die Polizei öfter mal gerufen werde, sei dies von Vorteil.

Die Pedelecs von Uffelmann und Strauß sind deutlich als Polizeifahrzeuge gekennzeichnet, sind zudem in den typischen Polizeifarben Blau und Silber gehalten. Auch die Kleidung der Beamten lässt keinen Zweifel daran, dass es sich bei ihnen um Polizisten handelt. Natürlich gelten für Uffelmann und Strauß die selben Regeln wie für alle anderen Fahrradfahrer (siehe Infokasten unten).

Privat fahren die beiden übrigens herkömmliche Fahrräder. – „Noch“, lacht Uffelmann. In den drei Wochen E-Bike-Streife ist sie auf den Geschmack gekommen.

Fünf Regeln für E-Bike-FahrerWie viel darf ich trinken, wenn ich mit dem E-Bike (gemeint ist ein Pedelec) unterwegs bin?Auf dem E-Bike dürfen Fahrradfahrer mit bis zu 1,6 Promille unterwegs sein, ehe sie sich strafbar machen. Bei auffälliger Fahrweise oder einem Unfall ist allerdings schon ein Wert ab 0,3 Promille ausreichend.Brauche ich an meinem E-Bike Licht?Funktionierende Scheinwerfer und Schlussleuchte sind für jede Art von Fahrzeug im Straßenverkehr Pflicht.Muss ich einen speziellen E-Bike-Führerschein machen?Da Pedelecs als normale Fahrräder gelten, brauchen Radfahrer für diese keinen Führerschein. Demzufolge ist auch kein Mindestalter erforderlich.Muss ich einen Helm tragen?Generell ist das Tragen eines Helms beim Fahrradfahren ratsam. Verpflichtend ist er nicht.Darf ein E-Bike auf dem Radweg gefahren werden?Ist ein Radweg vorhanden, muss er genutzt werden. Gehweg und Fußgängerzone sind tabu, sofern nicht ein entsprechendes Schild die Nutzung für Fahrräder ausdrücklich erlaubt.kb

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