Hier steht es gedruckt: die Taufnachricht von Isaac Pierre Bury.
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Hier steht es gedruckt: die Taufnachricht von Isaac Pierre Bury.

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Was 1782 in der Zeitung stand: „Privilegierte Hanauer Wochen-Nachricht“ war Vorgänger des HANAUER ANZEIGER

  • vonIngbert Zacharias
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Es ist ein echtes historisches Kleinod, das an der Wand des Büros von Ingrid Wilke hängt – eine Originalausgabe der „28. Privilegierte Hanauer Wochen-Nachricht“ von Donnerstag, 11. Juli 1782. Fein unter Glas eingerahmt und von beiden Seiten zu lesen, gibt das Dokument in der Größe des heutigen DIN A4-Formates einen aufschlussreichen Einblick in das Leben der Hanauer zu einer Zeit noch vor der Französischen Revolution.

Hanau –Das Besondere an dieser hervorragend erhaltenen Ausgabe aus dem sechsten Erscheinungsjahr der Vorläuferin des HANAUER ANZEIGER ist für Ingrid Wilke die Namensangabe eines gewissen Isaac Pierre Bury, der als „Söhnlein des Herrn Jean Jacob Bury, Goldstecher in der Neustadt“ Anfang Juli 1782 in der Französischen Gemeinde getauft wurde. „Der Vater des kleinen Buben war der erste Bury, der sich damals mit seiner hugenottischen Familie in der Hanauer Neustadt niederließ“, berichtet Ingrid Wilke, die als geborene Bury aus der bekannten Künstlerfamilie stammt und mehrere Bücher geschrieben hat.

„Der Mann war zwar im Hauptberuf Graveur und führte eine von ihm gegründete Goldschmiedewerkstatt, hatte aber seinerzeit auch die Hanauer Zeichenakademie mit ins Leben gerufen und war dort auch einige Jahre als Lehrer beschäftigt“, ergänzt die heutige Ronneburgerin. Die in der Neustadt lebende Familie muss recht groß gewesen sein; schaut man in den alten Stammbaum, so findet man dort den kleinen Isaac Pierre als zwölftes und letztes Kind der Familie von Jean Jacob Bury.

Ein Blick in die historische Nachrichtenausgabe, die „auf Verlag des Evangel. Reform. Waisenhauses in Alt-Hanau“ erschien, zeigt deutlich, dass in den verschiedenen Hanauer Kirchengemeinden viele Neugeborene getauft wurden, jedoch die Zahl der zu Grabe getragenen Gemeindemitglieder im Kindesalter bis zu sechs Jahren ebenfalls recht hoch war. Die Kindersterblichkeit war seinerzeit ein großes Problem; vielleicht war dies auch mit ein Grund, warum der kleine Isaac Pierre nur wenige Tage nach seiner Geburt die Taufe erhielt, um bei einem frühen Tod schon im sicheren Schoß der Kirche zu sein.

Ingrid Wilke mit ihrem kleinen Zeitungsschatz.

Allerdings hatte der Junge wohl viel Glück und blieb zumindest als Kind von Krankheit und anderem Übel verschont; in einem alten Werk wird er im erwachsenen Alter als sanfter Mensch mit liebenswürdigem Charakter beschrieben. 1802 übernahm Isaac Pierre Bury die Goldschmiede seines Vaters; er verstarb erst 1851 in einem für damalige Verhältnisse recht hohen Lebensalter von 69 Jahren. Eine weitere Besonderheit beim Leser der Wochen-Nachrichten findet sich in den Angaben zu Stand, Beruf oder Tätigkeit der Personen. Vom „Bediensteten bey sr. Excellenz des Geheimraths“ oder „Herrschaftl. Forstläufer“ über Fuhrmann und Perückenmachermeister bis hin zum Schweinehirt sind viele damals bestehende Berufe vertreten. Was das Einkommen für die einzelnen Tätigkeiten angeht, so sind keine näheren Angaben zu finden; der „Hanauer Brodpreiß“ gibt allerdings Auskunft darüber, dass für ein „Sechs Pfund Roggenbrod“ zehn Kreuzer bezahlt werden mussten und ein „Vier Pfund welsch Brod“ nur einen Kreuzer weniger kostete. Wer etwas verkaufen, verpachten oder tauschen wollte, konnte dies über die „Hanauer Wochen-Nachricht“ an den Mann oder die Frau bringen. So werden auf der Rückseite des gefalteten Exemplars Landparzellen oder Wiesen zu „Kauf oder Pacht gegen einen gebührlichen Zins“ angeboten; gleiches gilt für Waren oder Lebensmittel der verschiedensten Art. Aber auch Stellenangebote und -nachfragen, wie sie auch heutzutage noch im HANAUER zu finden sind, konnten in dem Blättchen veröffentlicht werden.

Die „Privileg. Hanauer Wo-chen-Nachricht“ erschien unter diesem Namen bis zum Frühjahr 1810; dann musste aufgrund einer Anordnung der in Hanau stationierten französischen Besatzung der Zeitungsname in „Hanauer Departements-Blatt“ geändert werden. Die Ausgabe an der Wand von Ingrid Wilke mit der Taufnachricht eines ihrer Vorfahren stammt allerdings noch aus der Zeit, bevor in Frankreich die Bastille erstürmt wurde und in der Folge der Revolution auch die königlichen Köpfe rollten.

Von Ingbert Zacharias

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