Im großen Saal des Waldorfkindergartens in Kesselstadt lag auch Unterrichtsinfomaterial für die interessierten Eltern und Kinder aus. Foto: Thomas Seifert

Hanau

Waldorfschule soll zum Schuljahr 2020/21 starten

Hanau. Der Starttermin steht, das Kollegium wurde gefunden, die Stadt hat Unterstützung zugesagt, das Interesse der Eltern ist groß, nur die Raumfrage ist noch nicht geklärt. Das sei aber kein Hindernis: Mit Schuljahresbeginn 2020/2021 könne eine zweizügige Waldorfschule ihre Arbeit aufnehmen.

Von Thomas Seifert

Schon seit längerer Zeit gibt es in der Stadt und im Umland den Wunsch, eine Waldorfschule zu gründen. „Der Bedarf ist da, viele Eltern, die ihren Nachwuchs im Kindergarten in Kesselstadt haben, möchten diese Art der Pädagogik ihren Kindern auch in einer Schule zugute kommen lassen“, berichtete die Vorsitzende der Gründungsinitiative, DR. Gundula Pfältzer.

Standort ist noch offen

Am Wochenende waren interessierte Eltern zu einem Infotag in das Kindergartengebäude in Kesselstadt eingeladen worden, in dem früher die Wilhelm-Geibel-Schule und die Feuerwehr untergebracht waren. „Der Eröffnungstermin steht nach vielen Gesprächen und vorbereitenden Maßnahmen fest, wir haben den Forderungskatalog des Kultusministeriums für Privatschulen abgearbeitet und auch mit dem Staatlichen Schulamt alle Fragen geklärt. Einzig der Standort ist noch offen“, stellte Pfältzer fest.

Doch Stadtplaner Martin Bieberle, Ansprechpartner für die Gründungsinitiative, sei optimistisch, dass für die zukünftige Waldorfschule ein Gebäude oder ein Grundstück gefunden werde. „Wir können uns auch mit einer Containerlösung als Übergang anfreunden. Sollten alle Stricke reißen, werden die beiden Startklassen in den großzügigen Räumlichkeiten des Kindergartens untergebracht. Dort könnten wir zunächst auch Synergieeffekte beim Mittagessen und der Nachmittagsbetreuung nutzen“, blickte die Vorsitzende in die Zukunft.

Klassen werden in diesem Jahr zusammengestellt

Mitte dieses Monats können interessierte Eltern, von denen gut 40 zu der Infoveranstaltung mit Probeunterricht gekommen waren, ihre Kinder für die erste Klasse und eine Klasse für Quereinsteiger auf der Internetseite der Initiative verbindlich anmelden. Ende des Jahres, so der Zeitplan, würden die Klassen nach eingehenden Gesprächen mit den Erziehungsberechtigten zusammengestellt. Am Wochenende, so Pfältzer, waren auch letzte Gespräche mit den fünf bis sechs Pädagogen in Voll- und Teilzeit geplant, die zum Start im Herbst 2020 die Kinder unterrichten werden.

Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass die neue Waldorfschule in den ersten drei Jahren ihres Bestehens keinerlei staatliche Förderung erhält. Erst nach Ablauf dieser Frist überweist das Land Hessen pro Schuljahr 4000 Euro pro Schüler. „50 Prozent der Fördermittel, die der Schule in den ersten drei Jahren zugestanden hätten, werden ab dem vierten Jahr des Bestehens in sehr kleinen Summen ausgezahlt. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir werden, wie jede Privatschule, Elterngebühren erheben müssen, um den Schulbetrieb finanziell stemmen zu können. Allerdings stehen die Beiträge noch nicht fest, wir müssen das alles – nachdem die Raumfrage geklärt ist – noch einmal durchrechnen“, so Pfältzer.

Künftige Lehrkräfte bereits gefunden

Mit Matthias Klein und dessen Ehefrau Sabrina Leu, die beide aus Frankfurt stammen und derzeit beruflich noch in Osnabrück engagiert sind, hat die Initiative bereits zwei Gründungslehrer gefunden. Klein wird an der künftigen Waldorfschule die „operative Leitung in einer kollegialen Führung übernehmen, die Schule verwaltet sich selbst“, berichtete der Pädagoge. Man plane mit Klassen bis zu 25 Schülern, die nach den ersten beiden Grundstunden in kleinere Neigungsgruppen aufgeteilt würden. „Die Waldorfpädagogik legt viel Wert auf ein großes Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Schülern und eine der jeweiligen Lebenssituation angepasste Lernsituation, die der Kreativität der Kinder sehr viel Raum lässt“, erläuterte Klein.

Die beiden Pädagogen gaben den interessierten Eltern zu Beginn des Infotages in einer Schnupperstunde einen Vorgeschmack, wie der Unterricht an der künftigen Waldorfschule ablaufen soll. Diese Art des Unterrichts stieß bei den Eltern auf Zustimmung, sodass Pfältzer „sehr zuversichtlich ist, was die Zahl der Anmeldungen in den kommenden Wochen angeht“.

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