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Zukünftiges Ehepaar und Standesbeamtin unmaskiert: Trennscheiben aus Plexiglas zwischen Astrid Born und den beiden zu Trauenden Johanna und Philipp sorgen für Abstand und die nötige Sicherheit. Per Smartphone wird die Zeremonie als Video aufgezeichnet – denn Angehörige können leider nicht dabei sein.

Die Liebe in Zeiten „der Corona“

Während der Krise dient Kantinenebene des Ordnungsamtes als Trausaal

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In guten wie in schlechten Zeiten: Für diejenigen, die sich in diesen Tagen das Jawort geben oder noch geben wollen, beginnt die Ehe bereits mit schlechten Zeiten – dem Coronavirus sei Dank. Aber immerhin: Trauungen sind möglich und finden auch statt.

Der Hanauer Reuters-Fotograf Kai Pfaffenbach hat für unsere Zeitung eine solche Trauung im Hanauer Standesamt begleitet. 60 Hochzeiten seien bisher in Hanau abgesagt worden, berichtet Standesamtsleiterin Astrid Born, als wir am Samstagmittag auf Johanna und Philipp warten. Die beiden wollen trotz Corona heiraten, und das macht die Umstände besonders. Zum einen findet ihre Trauung nicht in einem der schönsten Trausäle im Schloss Philippsruhe statt, und zum anderen sind sie im Trausaal mit der Standesbeamtin allein. Keine Familie, keine Freunde, selbst auf die Trauzeugen (da rechtlich nicht mehr notwendig) wird in Corona-Zeiten verzichtet. 

Romantik kommt auch bei einer Trauung unter ungewöhnlichen Umständen auf.

Das Team vom Standesamt Hanau hat dennoch versucht, den Übergangs-Trausaal so schön wie möglich zu gestalten. Untergebracht ist der Raum auf der Kantinenebene des Ordnungsamtes, hübsche Blumengestecke lenken von den Plexiglastrennwänden zwischen Brautpaar und Standesbeamtin ab, ansonsten wird aber auf Schnickschnack verzichtet, denn auch die Zeremonien sollen unter den Vorgaben des Seuchenschutzgesetzes so kurz wie möglich gehalten werden. Johanna und Philipp kommen dennoch bestens gelaunt ins Standesamt. Astrid Born hat für die beiden Schutzmasken mit ihren eingestickten Vornamen und dem Hochzeitsdatum parat, die sie tragen müssen, bis sie im Trausaal hinter der Scheibe sitzen. Die Trauzeremonie an sich findet ohne Masken statt, nur ich als Fotograf mit Ausnahmeerlaubnis behalte sie auf und auch genügend Abstand. 

Hochzeit im improvisierten Trauzimmer 

Dem Brautpaar scheint es nicht viel auszumachen, dass die äußeren Umstände etwas anders sind, als sie sich das für ihre Hochzeit vorgestellt hatten. Astrid Born findet liebevolle, persönliche Worte für das Brautpaar. Die „drei“, Johanna ist im sechsten Monat schwanger, machen einen glücklichen und entspannten Eindruck. Sie filmen die Zeremonie mit dem Smartphone, damit die Familien später zu Hause nacherleben können, wie es war, als sich die beiden erfolgreich am Hochzeitsbecher versucht haben. Liebevolles Detail: für Johanna hatte die Standesamtsleiterin, die das Paar persönlich kennt, extra einen alkoholfreien Sekt dabei. 

Zwei Gäste sind doch da: Die Schwester der Braut und ihr Mann beglückwünschen das Paar auf „Corona-Art“.

Nach gut 20 Minuten sind die beiden verheiratet, nutzen die Gelegenheit, dass ausnahmsweise ein Fotograf anwesend sein darf, und posieren noch für ein paar Schnappschüsse im improvisierten Trauzimmer, ehe sie von Johannas Schwester und ihrem Mann draußen erwartet und nach Hause chauffiert werden. Derweil erwartet Astrid Born im Foyer des Ordnungsamtes schon die nächsten Heiratswilligen. Für sie und ihr Team stellt sich die Frage, wie die abgesagten Hochzeiten „nach Corona“ nachgeholt werden können. Der Kalender für das kommende Jahr sei schon recht voll und man wisse ja auch noch nicht, wann die Gegebenheiten es zulassen, ins Schloss zurückzukehren, das für viele Brautpaare schlichtweg die „Traumlocation“ bleibt. Astrid Born und ihre Kollegen werden aber auch dafür eine Lösung finden, und so lange wird eben in der „Kantine“ getraut.

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