Die Welt in uns. Wir in der Welt - Warum sind wir, wie wir sind und wollen immer mehr? Eindrückliche Fragen in moderner Dichtkunst stellte die Theaterklasse der Hohen Landesschule. Foto: Ulrike Pongratz

Hanau

Vorhang auf für die Hanauer Schultheatertage

Hanau/Region. Das Philipp-Ludwig-Forum der Hohen Landesschule bot am Freitagabend Raum für insgesamt sechs abwechslungsreiche Inszenierungen von Schülergruppen im Rahmen der neu konzipierten Hanauer Schultheatertage.

Von Ulrike Pongratz

Wie Schultheater mitreißen und begeistern kann, wie spannend und unterhaltsam es sein kann, dass es fördern und fordern kann, wie Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck es in ihrer Begrüßungsrede formulierte, das präsentierten die Schülerinnen und Schüler der fünf weiterführenden Schulen, die sich um die diesjährigen Hanauer Schultheatertage unter dem Motto „Spiel-Arten“ beworben hatten.

In einem Zeitraum von vier Monaten studierten Schüler und Theaterlehrer kleine Szenen und Stücke ein oder performte Texte. Unterstützt wurden die Gruppen dabei in individuellen Workshops von freischaffenden Künstlern, Theaterpädagogen, Regisseuren oder Schauspielern, namentlich Benjamin Baumann, Raphael Kassner, Dominique Macri, Marco Schkoda, Wolfgang Schramm und Stefanie Zellmann.

Eine Viertelstunde etwa dauerte die Vorstellung auf der Bühne; dabei stellten die Hohe Landesschule mit zwei Gruppen, die Lindenauschule aus Großauheim, das Schlüchterner Ulrich-von-Hutten-Gymnasium, die Bertha-von Suttner-Schule in Nidderau und das Großkrotzenburger Franziskanergymnasium Kreuzburg unter Beweis, wie überaus vielfältig die darstellerischen Spiel- und Ausdrucksmöglichkeiten sind.

Sehr ausdrucksstark und überzeugend verlieh die Profilklasse Theater (Klasse 6f) ihren Emotionen Ausdruck. In ihrem „Impro-Theater“ verzichtete die Gruppe weitgehend auf Sprache, sondern setzte auf Gestik, Mimik und Musik als Ausdrucksmittel. Die sechste Jahrgangsstufe der Hola nutzte dagegen die Sprache, um sich sehr eindrücklich und intensiv mit dem „Hier und Jetzt“ in Beziehung zu setzen. „Die Welt in uns. Wir in der Welt“, hieß das Stück, das in seiner Eindringlichkeit unter die Haut ging.

Mit „Dinge und anderes Zeug“ – Wege des Objekttheaters ließ die Lindenauschule das Publikum staunen ob der großen Vielfalt des Dargebotenen. Erheiterndes, Nachdenkliches, Skurriles kamen in einer herrlichen Mischung zur Freude des Publikums zur Aufführung.

Selbst Moderator Matthias Kromat, der für die Amateurschauspielgruppe „Die Dramateure“ auf der Bühne steht, war tief beeindruckt und von mancher Inszenierung durchaus positiv überrascht, ebenso wie Schulleiterin Sabine Schaetzke von der gastgebenden Hola und Christina Hohmann, Dezernentin am Staatlichen Schulamt. Am Flügel übernahm Dominik Stipic mit „Arrival to Earth“ und „Hymn“ die musikalische Gestaltung jeweils zwischen zwei Vorführungen.

Mit „Short Cuts“, mit selbstverfassten Dialogen, die das Erwachsenwerden vor Augen führten, wusste die 10. Klasse des Franziskanergymnasiums in Kreuzberg zu überzeugen. Auch die „Generation 2000 plus – die Ziellosen“, die sich symbolträchtig im Zug nach Nirgendwo befanden, verstanden es, in einem chorischen Theater ihrer Gefühlswelt in selbst verfassten Texten eine eigene Sprache zu verleihen.

Mit „Du musst“ reflektierten sie die gesellschaftlichen Zwänge und damit zugleich die Chance, diese hinter sich zu lassen.

Zum Abschluss gab der Kurs Q1 Darstellendes Spiel eine kurze Kostprobe aus dem Stück „Das kalte Herz – Fame über Fam“, das die Gruppe frei nach dem Märchen von Wilhelm Hauff inszenierte und das „im Juni in größerem Rahmen präsentiert wird“, wie Sabine Schaetzke erläuterte.

Die Schüler haben die Herausforderung bravourös gemeistert, haben dass Lampenfieber in Elan und Energie umgewandelt, haben das Publikum begeistert und mitgenommen. „Aus unsicheren Pubertierenden werden auf der Bühne Persönlichkeiten“, meinte Beate Funck zu Beginn. Mit dieser Meinung stand sie nach sechs überzeugenden Darbietungen nicht mehr allein da. Ein Wermutstropfen bleibt dennoch: Es haben sich nur fünf Schulen beworben – für Funck und ihre Mitstreiter zu wenig.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema