Der Wagen des Hanauer Carneval Vereins wird am Samstag eine der 48 Zugnummern sein. Foto: Paul

Hanau

Vorbereitung auf den Hanauer Faschingsumzug am Samstag

Hanau. Hendrik Flath und Peter Weber basteln noch immer auf Hochtouren an den Motivwagen und dem Zugprogramm für den Hanauer Faschingsumzug am Samstag. 31 Jahre liegen die beiden altersmäßig auseinander, doch bei den Umzugsvorbereitungen sind sie auf einer Wellenlänge ...

Von Reinhard Paul

„Es muss wieder mehr passieren beim Umzug. Wir müssen versuchen mehr Vereine ins Boot zu bekommen.“ 48 Zugnummern lang ist der diesjährige närrische Lindwurm. Dabei hatte er mal über 100 Zugnummern. Warum das so ist? „Viele Vereine haben keine Lust oder auch keine Zeit mehr, den Aufwand zu betreiben“, sagt Peter Weber. Alle wollen einen schönen Zug, aber keiner will sich mehr beteiligen.

Wie soll das funktionieren? „Ja es stimmt, es sind in den letzten Jahren immer weniger Zugnummern geworden, wir wollen versuchen, das zu ändern. Wir gehen mehr an die Öffentlichkeit, versuchen über die Presse, eine neugestaltete Homepage und über Facebook mehr Menschen zu erreichen“, so Hendrik Flath.

Das Küken des Hanauer Carneval Vereins (HCV) hat sich der Organisation des Zuges angenommen. „Ich habe schon im August Vereine und Verbände angeschrieben, in der Hoffnung, dass sie Abteilungen abstellen und am Zug teilnehmen lassen.“ Oftmals aber hagelte es Absagen.

Wer dabei ist und wer nichtKeine Basketballer von den White Wings, keine HSG-Handballer, keine 93er-Kicker wollten oder konnten sich beteiligen. Immerhin beteiligen sich aus der Welt des Sports die Hanau Hornets und die Kicker von 1860 Hanau.

Und erstmals haben sich die Verantwortlichen der Brüder-Grimm-Festspiele dazu bereit erklärt, mitzufahren. Einhorn und Kutsche, Prinzessin und Prinz werden dabei sein.

Peter Weber ist nun seit 48 Jahren dabei. Für ihn steigt am Samstag der mittlerweile 61. Umzug. Nur dreimal ist er ausgefallen. Einmal wegen des Krieges in Jugoslawien, einmal wegen des Hochwassers in Hamburg und einmal wegen eines Todesfalles.

Früher und heute„Früher war nicht alles besser. Die Menschen, die heute am Wegrand stehen, sind nicht nur mehr geworden, sondern es sind auch viel mehr maskierte Menschen als früher dabei. Es ist schon schön, vom Wagen aus zu sehen, wie viele Hanauerinnen und Hanauer auf den Beinen sind“, sagt Weber.

Früher gab es in der Stadthalle auch noch einen Zugball. Den gibt es seit Jahren nicht mehr. „Anfangs war die Halle noch rappelvoll, aber im Laufe der Jahre sind immer weniger Gäste gekommen. Dann mussten all jene, die schon am Zug beteiligt waren, auch noch den Ball stemmen. Irgendwann hat es halt nicht mehr gepasst“, so Weber.

Herausforderung Technische Abnahme„Man muss aber auch sagen, dass der Technische Überwachungsverein (TÜV) es uns nicht leicht macht, mit einem Wagen an einem Umzug teilzunehmen“, so Flath. Jeder Wagen muss jedes Jahr erneut zugelassen werden. „Das kostet die Vereine jedes Mal 100 Euro, Geld das man auch erst mal aufbringen muss. Allzu oft müssen technische Veränderungen vorgenommen werden – die Auflagen werden immer stringenter. Irgendwann ist halt auch da mal das Ende der Fahnenstange erreicht.“

Weber ergänzt: „Wir müssen für Erwachsene eine Bandenhöhe von einem Meter einhalten. Hätten wir Kinder an Bord, dann nur 80 Zentimeter. Ich schaue mir auch gerne den Freimarkt-Umzug in Bremen an, da fahren sie mit Tiefladern, auf dem viele Menschen versammelt sind, durch die Stadt und da gibt es gar keine Banden.“

So richtig „heiß“ sei der TÜV erst seit rund drei Jahren. „Seit 2000 gibt es die Verordnung, dass ein Kontrolleur die Wagen abnehmen muss, aber da hat sich niemand drum geschert. Bis ein paar Betrunkene in Miltenberg auf dem Nachhauseweg mitsamt dem Wagen umgekippt waren. Dabei gab es Verletzte. Seitdem wird streng kontrolliert. Ein Wagen, der nicht abgenommen ist, darf logischerweise auch nicht mitfahren.

Hoffen auf den KontrolleurEin Wagen für den Hanauer Umzug ist noch immer nicht abgenommen. „Der TÜV-Kontrolleur wollte erst am Samstagmorgen kommen“, lacht Weber. Zum Glück habe er sich aber bereit erklärt, heute nach einer anderen Prüfungsabnahme noch einmal vorbei zu kommen. „Nicht auszudenken, wenn dann noch einmal Veränderungen vorgenommen werden müssten.“ Weber beruhigt aber: „Der Wagen ist in einem guten Zustand“.

Viele Motivwagen werden die Hanauer auch in diesem Jahr nicht zu sehen bekommen. Es fehlt schlicht an Geld und ehrenamtlichen Handwerkern. Geld gibt es generell von der Stadt dazu. „Davon werden dann unter anderem auch die Musikgruppen bezahlt, ohne die ein solcher Zug gar nicht existieren könnte“, erklärt Weber.

WurfmaterialAuch das Wurfmaterial hat sich verändert. Waren es in früheren Jahren zumeist nur Kamellen, die aus den Wagen gefeuert wurden, so werden heute Schaumküsse, Chipstüten, Gummibärchen und kleine Schnäpse geworfen oder gereicht.

„Wir haben für rund 2500 Euro Wurfmaterial gekauft.“ Das Geld dafür wird an den Festen wie Lamboy- und Bürgerfest verdient. Da sind die fleißigen Karnevalisten im Einsatz, denn Dienst muss auch dort drei Tage geleistet werden.

Es wird aber immer schwerer, für die Karnevalisten Gelder zu generieren. Eintritt wie in Seligenstadt kommt für die Hanauer nicht in Frage. „Wie sollten wir das hier auch umsetzen – wir haben zu viele Einfallstraßen.“ Neben handwerklich geschickten Menschen würden dem Hanauer Faschingsumzug also auch noch ein paar Sponsoren gut zu Gesicht stehen.

Ungeachtet der knappen Ressourcen freuen sich alle Beteiligten auf den morgigen Samstag. Um 14.11 Uhr soll es los gehen. Dass das Wetter auch in diesem Jahr mitspielt, da sind sich die Hauptprotagonisten einig.

In den letzten 13 Jahren hat es nicht geregnet. Und das soll, glaubt man den Wetterfröschen, so bleiben . . .

Ab 14.11 Uhr können Sie den Zug auch via Facebook Live im Internet verfolgen: www.facebook.com/HanauerAnzeiger

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