Zwei Teilnehmer disqualifizierten sich selbst (Bild unten links): Jule Weber (Zweite von links) und Philipp Herold wählten eine Geigen-Begleitung, was nicht erlaubt ist. Bei ihnen stehen Gewinner Jan Cönig (rechts) und Moderatorin Dominique Macri. Aber auch abgesehen von den beiden war eine Vielzahl an "Slammern" dabei. Fotos: Andrea Pauly

Hanau

Volles Haus für "Best of Poetry Slam" beim Kultoursommer

Hanau. Berührend, amüsant, gesellschaftskritisch, persönlich, in Reimen und als Prosa, frei vorgetragen und vom Blatt gelesen – die Texte des „Best of Poetry Slam“ beim Hanauer Kultoursommer und ihre acht Interpreten zeigten sich wie immer vielfältig.

Von Andrea Pauly

Präsentiert wurde die Veranstaltung vom KUZ-Trägerverein Kulturzentrum Pumpstation sowie „merchandevents“und moderiert von Domnique Macri, die ihre zwei Kinder als „Verstärkung“ dabei hatte – das kleinste in der Babytrage auf dem Bauch und ihren Sohn als exzellenten „Mithörer“ bei der Applaus-Auswertung. Die in Hanau aufgewachsene Dominique Macri, selbst aktive Slammerin und Workshopleiterin seit 2007, animierte mit gutgelaunter Frische die Zuhörer, den nachfolgenden Acts die Ohren und Herzen zu öffnen und erklärte die Regeln. Denn zwei Drittel der rund 300 Besucher war erstmalig bei einem Poetry Slam zu Gast.

Jeder der Vortragenden, deren Reihenfolge ausgelost werde, habe maximal etwa sieben Minuten Zeit, einen selbstgeschriebenem Text vorzutragen. Kostüme und andere Requsiten, wie auch musikalisch-akustische Unterstützung seien verboten. Der Publikumsapplaus entscheide schließlich, wer eine Runde weiterkomme und letztendlich gewinne. Zum Warmwerden gehörte die Bühne aber erstmal Singer- und Songwriterin und Geigen-Virtuosin Lucie Paradis aus Darmstadt mit Gitarrist „Bürgermeister“ Hueseyin Koeroglu, bekannt auch durch den „Hanauer Song Slam“, die mit erfrischenden Chansons zum Thema Leben und Lieben das Publikum in Stimmung für die folgenden Textpoeten brachte.

Karlsruherin macht den Anfang

Den Auftakt machte dann Anna Teufel aus Karlsruhe. Sie las ihren sich sukzessive emotional steigernden Text über eine zaghafte Annäherung und die Entwicklung von Gefühlen mit dem Titel „Zwei“. Der folgende Slammer aus Frankfurt, Jan Cönig, sorgte für viel Gelächter mit seinem ironisch zynischen Text über das Scheitern anhand eines fiktiven Dialogs mit seiner vierjährigen Nichte, in der er dieser das Leben und die Gesellschaft erklärte. Luca Swieter aus Köln gefiel mit ihrem Slam zum „Wegkommen und Ankommen“. Die Vor- und Nachteile verschiedener Städte für das Studentenleben kam bei den Zuhörern gut an.

Pauline Füg präsentierte mit ruhiger fast hypnotischer Stimme „Zwei Morgen wach“, bevor die erste Applaus-Entscheidung Luca Swieter und Jan Cönig eine Runde weiter brachte. Nach der Pause gab Philipp Herold aus Heidelberg zweizeilige amüsante Tiergedichte zum Besten, bevor er für seinen nachdenklich stimmenden Gender-Beitrag Beifall erhielt. „Gax“ aus Frankfurt stellte seinen sehr persönlichen Beitrag über Erinnerungen und gegen Xenophobie vor und Clemse Lebemann, ebenfalls aus der Rhein-Main-Metropole, erzählte ein alkoholgeschwängertes Märchen, indem er gefühlt mindestens 50 Bier- und Schnapssorten textlich untergebracht hatte. Einen besonders eindringlichen Slam hatte Jule Weber aus Bochum dabei. Ihre Interpretation des Beziehungstextes „Fehler im System“ war berührend.

Disqualifikation für die Kunst

In dieser Runde machten Weber und Herold das Rennen, die dann gegen die beiden ersten Nominierten nochmals mit Texten antraten, wobei sich Jule Weber und Philipp Herold bewusst selber disqualizierten, indem sie sich bei ihren Vorträgen auf der Geige von Lucie Paradis begleiten ließen. „Für die Kunst?“ spekulierte Dominique Macri. Beim Applaus-Entscheid war dann Luca Swieter plötzlich verschwunden, so dass Jan Cönig automatisch zum Sieger gekrönt wurde. Er käme sich gerade vor, als gewinne er bei den Bundesjugendspielen als einziger Teilnehmer seiner Altersklasse, lachte der Frankfurter.

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