Vier Tiere, die trotz ihrer Unterschiede auf ihrer Wanderschaft zu Freunden werden: Der Hund (Marvin George, von links), der Esel (Detlev Nyga), der Hahn (Fabian Baecker) und die Katze (Annalisa Stephan). Foto: Axel Häsler

Hanau

Viel Sprachwitz auf karger Bühne: "Die Bremer Stadtmusikanten"

Hanau. „Der Weg ist das Ziel“, ist eine Weisheit, die Konfuzius gesagt haben soll. Das erleben auch die Protagonisten im diesjährigen Familienstück der Brüder-Grimm-Festspiele "Die Bremer Stadtmusikanten". Am Samstagnachmittag feierte das Stück unter der Regie von Marco Krämer-Eis Premiere bei den Brüder-Grimm-Festspielen.

Von Monica Bielesch

Dass Musik viele Grenzen überwinden kann, vier grundverschiedene Tiere zu Freunden und sogar eine Bande Räuber zu freundlichen Gesellen macht, stand am Ende des kurzweiligen Stücks „Die Bremer Stadtmusikanten“ im Hanauer Amphitheater.

Auf der sehr schlichten, in dunkelbraun gehaltenen Bühne standen die Schauspieler umso mehr im Fokus. Die Geschichte selbst ist altbekannt: Ein Esel, ein Hund, eine Katze und ein Hahn laufen ihren Besitzern davon, treffen auf ihrer Wanderschaft aufeinander und freunden sich auf ihrem Weg nach Bremen miteinander an. Dabei glänzte insbesondere Detlef Nyga als Esel Jonny, der den Rock`n`Roll im Blut hat und sich als eine Art alternder Rockmusiker zu einem Band-Wettbewerb nach Bremen aufmacht.

Moderne und jugendliche Sprache

Intendant Frank-Lorenz Engel selbst hat das Buch zu dieser Märchen-Adaption geschrieben und eine moderne, jugendliche Sprache getroffen. Das Stück ist gespickt mit herrlichen Wortspielen. Immer wieder werden die tierischen Eigenschaften der vier Protagonisten sprachlich aufs Korn genommen. Aber besonders die als Running-Gag platzierten Vorschläge für einen Namen für die Band sorgten für viele Lacher – zumindest unter den Erwachsenen: „The pussycat Dogs“ oder „Die toten Esel“ sind nur zwei Beispiele.

In der Band sollen die vier Tiere auch vier musikalische Richtungen repräsentieren. Das gelingt nur bedingt, vorallem bei Marvin George als Hund Rex und Fabian Baecker als Hahn ist gesanglich noch Luft nach oben. Der Hahn, als sprichwörtlich selbstverliebter Gockel ist der coole Rapper der Gruppe. Die Katze Minou (Annalisa Stephan) die verwöhnte Miezekatze aus reichem Haus, die sich mit ihrem Etepetete-Gehabe oft selbst im Weg steht. Hund Rex ist der bodenständige, gutmütige Kerl, der für seine neuen Freunde auch mutig über sich hinauswächst.

Bühnenbild überzeugt nicht

Auf ihrer Wanderung nach Bremen erleben sie einige Abenteuer, leider verändert sich dabei die Bühne kaum. Zwar wird ein reißender Fluss durch ein großes weißes Laken voller Noten dargestellt. Aber der dunkelbraune Hintergrund bekommt erst nach 45 Minuten von großen, grünen Schiebewänden, die mit Instrumenten bemalt sind und einen Wald darstellen sollen, einige Farbtupfer. Die liegenden Instrumente in der Mitte der Bühne, eine Tuba, ein Akkordeon, eine Trommel und eine Gitarre, verändern sich im Verlaufe des ganzen Stücks nicht.

Die Geschichte der Räuberbande aus dem Märchen verläuft parallel zum Abenteuer der Tiere. Und diese Räuber, die eigentlich ein Juweliergeschäft ausrauben wollen und dabei immer wieder an ihrer Tollpatschigkeit scheitern, sind spritzig und witzig anzuschauen. Besonders Marina Lötschert als Räuber-Chefin glänzt durch eine unglaubliche Bühnenpräsenz und gibt eine herrlich fiese zischelnde Ober-Räuberin.

Auch Barbara Bach und Benedikt Selzner, zwei altbekannte und beliebte Festspiel-Schauspieler, überzeugen in ihren Rollen zweier Räuber mit viel Witz und Charme. Ihnen gelingt es ebenso wie Detlev Nyga und Marina Lötschert in der kargen Kulisse und mit den auf das wesentliche reduzierten Kostümen etwas märchenhaftes zu zaubern.

Esel übt sich im Steptanz

Kommt die Musik zu den Liedern zu Beginn noch vom Band, spielen Marvin George (Gitarre), Annalisa Stephan (Ukulele) und Erik Aikele (Klarinette) am Ende selbst Instrumente auf der Bühne. Das und die eingängige Melodie machen das Schlusslied zu einem Song, der auch beim Rausgehen noch von einigen Zuschauern gesummt wird. Und zum Abschluss endlich kommt auch die leider zu kurze Steptanz-Einlage vom Esel, für die Detlev Nyga extra wochenlangen Stepptanz-Unterricht genommen hatte.

Am Ende gibt es natürlich ein Happy-End und die Tiere sind durch die Musik mit den Räubern vereint und stellen fest: „Bremen ist da, wo wir Zuhause sind.“ Konfuzisus in Grimmscher Manier eben: Sie müssen nicht ans Ziel kommen, um am Ziel zu sein.

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