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In den Räumen des Puppenmuseums wurde ein Laptop aufgebaut und eine Videokonferenz gestartet, sodass die Kinder aus Bolivien einen Einblick erhielten.

Bolivianische Kinder „besuchen“ das Puppenmuseum

Videoschalte aus dem Kurpark: Einrichtung testet mit deutscher Schule in La Paz neue digitale Wege

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Das Hessische Puppen- und Spielzeugmuseum hat ein digitales Museumsprogramm mit den Vorschulgruppen der deutschen Schule in La Paz/Bolivien gestartet. Darüber informiert das derzeit für Besucher geschlossene Museum im Kurpark Wilhelmsbad in einer Mitteilung.

Der Kontakt zwischen Museum und Schule kam über die Enkelin eines Hanauers zustande, die als Lehrerin an der deutschen Schule in La Paz/Bolivien arbeitet. Florence Höhn wollte ihren Kindern, die zurzeit auch alle zu Hause bleiben müssen, etwas Besonderes bieten. Die meisten der Kinder haben nicht einmal einen Garten und müssen sich in der eigenen, meist nicht so großen Wohnung aufhalten. 

So kam ihr die Idee, über eine Videokonferenz mit den Kindern ein Museum zu besichtigen, heißt es in der Mitteilung. Die Kinder lernen in der Vorschule deutsch, verstehen schon ganz gut und können auch schon einige Worte und Sätze sprechen. Was würde sich da besser eignen, als die Sammlungen des Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseums zu besichtigen? Hier finden sich alle Dinge, die man als Kind kennt und zu benennen lernt: Nahrungsmittel im Kaufladen, technische Geräte in der Küche, Fahrzeuge, Körperteile oder Kleidungsstücke und vieles mehr. Die Leiterin des Museums, Dr. Victoria Asschenfeldt, war sofort begeistert von der Idee. Zumal sie mit ihrer Kollegin Belén Moran Osuna eine spanischsprechende Mitarbeiterin an der Seite hat, um bei Verständnisproblemen helfen zu können. 

Experiment war nicht nur für die Kinder eine willkommene Abwechslung

Asschenfeldt meint laut Mitteilung: „Es war eine wunderbare Gelegenheit, die Dinge, über die wir schon längere Zeit nachdenken und die wir für uns im Museumsteam austesten, einmal live auszuprobieren. Wir haben bereits unseren Facebook-Auftritt verbessert und die Homepage ausgebaut mit 'Mio – Museum immer offen', wo wir versuchen, unseren Besucherinnen und Besuchern unsere Sammlungen und Ausstellungen für zu Hause aufzubereiten oder Bastel- und Spielanleitungen zur Verfügung zu stellen. Aber mit diesem Projekt wagen wir uns nun auch an Live-Programme heran, das ist natürlich etwas ganz Neues für uns.“ 

So war das Experiment nicht nur für die Kinder in La Paz eine willkommene Abwechslung im momentan nicht ganz einfachen Alltag, auch das Team des Puppenmuseums hatte laut Mitteilung seine helle Freude. So sandten sie den Kindern vorab einige kleine mit dem Handy aufgenommene Museumsführungen und kamen dann für etwa 40 Minuten in einer Videokonferenz zusammen. Hier saßen die beiden Museumsmitarbeiterinnen inmitten der sonst von fröhlichen Kindern bespielten museumspädagogischen Stationen wie dem Kaufladen oder der Küche und erzählten und beantworteten Fragen, parallel gefilmt und dokumentiert von Joachim Wiebel, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museums. Die Zeit verging wie im Fluge, und alle waren sich einig, dass in den kommenden Wochen auf jeden Fall noch weitere Klassen in La Paz von dem Angebot profitieren sollen. 

Digitale Angebote in Museen könnten nur zusätzliche Kommunikationskanäle sein

Weitere Videokonferenzen sind laut Mitteilung in Planung. Und weil es zur Förderung der Sprache bei den Kindern auch bei den Lehrerinnen gut angekommen ist, denkt Asschenfeldt darüber nach, ob das Angebot nicht auch für die Kita-Kinder in Hanau weiterentwickelt werden könnte. „In jedem Fall hat uns die Krise gezeigt, dass wir als Museen sicher noch viel mehr Augenmerk auf die Entwicklung digitaler Prozesse legen müssen. Es wurde aber zugleich deutlich, dass digitale Angebote für Museen immer nur zusätzliche Kommunikationskanäle sein können. Wir leben von unseren Originalen, dem kommunikativen Lernen im dreidimensionalen Raum und insbesondere von der sozialen Interaktion, die sich im intergenerationellen Austausch an fast keinem Ort besser erleben lässt als in einem Museum“, meint Asschenfeldt abschließend laut Mitteilung. 

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