Wichtiger Beweis: Die Videoüberwachung hat Kriminalpolizei und Schöffengericht geholfen, einen Exhibitionisten zu fassen und zu verurteilen. Symbolfoto: pixabay

Hanau

Video überführt Exhibitionisten: Acht Monate Haft auf Bewährung

Hanau. „So etwas darf sich nicht wiederholen. Sonst hat das erhebliche Konsequenzen“, sagt Amtsrichterin Dr. Renata Kohlheim, während sich ihr ernster Blick auf den Angeklagten richtet. Der 29-Jährige nickt.

Von Thorsten Becker

Er ist soeben zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt worden, weil er im Mai als Exhibitionist auf dem Freiheitsplatz zwei Mädchen im Kindesalter belästigt und verschreckt hat.

Schon vor Beginn der ‧eigentlichen Verhandlung macht die Vorsitzende des Schöffengerichts klar, wohin die Reise an diesem Tag geht. Sie schließt ein DVD-Modul an den Laptop und gibt Staatsanwalt Hubertus Pfeifer sowie Verteidiger Matthias Reuter Einblick in die aktuelle Beweislage.

Ein Videomitschnitt erscheint auf dem Bildschirm. Immer wieder fahren Busse durch die Szene. Es ist eine Aufnahme aus der Überwachungskamera auf dem Freiheitsplatz. Und sie zeigen einen Mann, bei dem es sich offenbar um den Angeklagten handelt. Der wartet derweil noch in der Zelle des Amtsgerichts.

Für die beiden Juristen scheint der Fall eindeutig zu sein. Vor allem haben Verteidiger und Staatsanwalt ein gemeinsames Ziel: Beide wollen verhindern, dass die beiden Zeugen, Kinder im Alter von elf und zwölf Jahren, die mit ihren Eltern auf dem Gang warten, zu den Details befragt werden müssen.

Nennung der Vorwürfe

Die Vorwürfe nennt der Staatsanwalt: Am 16. Mai soll sich der Angeklagte den beiden Mädchen auf dem Freiheitsplatz genähert haben. Nach verbalen Anzüglichkeiten soll er dann mit seiner Hand in der Hose onaniert haben. Bereits in den Wochen zuvor soll es zu drei ähnlichen Fällen gekommen sein.

Kurz nach der Tat erscheinen die Eltern der beiden Mädchen bei der Polizei und erstatten Anzeige. Die Ermittler können auf die Videos der Überwachungskameras auf dem Freiheitsplatz zurückgreifen. Wenig später klicken die Handschellen: Der 29-Jährige wandert Mitte Juni schnurstracks in Untersuchungshaft.

Im Prozess bewahrheitet sich nun, dass die Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen Straftaten nicht verhindern können – allerdings sind sie für Polizei und Justiz sehr hilfreich, um Taten aufzuklären.

Und die Verhandlung vor dem Schöffengericht zeigt auch, dass die Mühlen der Hanauer Justiz gar nicht so langsam mahlen. Denn nicht einmal zwei Monate nach seiner Festnahme sitzt der 29-Jährige vor den drei Richtern zur Hauptverhandlung.

Video reicht völlig aus

Kohlheim und die beiden Schöffen haben es in diesem Fall einfach, denn die DVD mit Video reicht als Beweis völlig aus. Der Angeklagte folgt zudem dem Rat seines erfahrenen Strafverteidigers. „Er gesteht umfänglich die vorgeworfenen Taten“, erklärt Rechtsanwalt Reuter für seinen Mandanten.

Der 29-Jährige, der keine Vorstrafen im Register hat, kommt also mit einer Bewährungsstrafe davon. Vor allem auch deshalb, weil er sich nicht entblößt hat.

Doch Richterin Kohlheim lässt es dabei nicht bewenden. Sie setzt die Bewährungszeit auf drei Jahre fest. Zudem muss der Verurteilte eine Geldauflage von 1000 Euro an die Hanauer Hilfe bezahlen, sich einer Therapie unterziehen und dies der Justiz nachweisen.

Am Ende des Prozesses, nachdem die Vorsitzende ihn pflichtgemäß über die Möglichkeit aufgeklärt hat, dass gegen dieses Urteil eine Berufung möglich ist, gibt es dann aber noch eine kurze Episode, die verwundert. Allen Ernstes fragt der Angeklagte seinen Verteidiger leise, ob er jetzt wohl in Berufung gehen soll. Dafür erntet er noch einen ziemlich bösen Blick – aber diesmal von Rechtsanwalt Reuter.

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