Wie ihm sollte es vier weiteren Fußgängerüberwegen in Mittelbuchen gehen: Der am meisten frequentierte Zebrastreifen an der Hauptstraße (Alte Rathausstraße 7b) sollte laut HIS Überprüfung wegfallen. Fotos: Kerstin Biehl

Mittelbuchen

Vehemenz zahlt sich aus: Fünf Fußgängerwege fallen doch nicht weg

Mittelbuchen. Es dürfte einer der meist genutzten Zebrastreifen in Mittelbuchen sein: Der Fußgängerüberweg an der Alten Rathausstraße (Höhe Hausnummer 7b) – Wer Mittelbuchens Hauptstraße überqueren möchte, um etwa zum Bäcker, zur Bank oder auf der anderen Seite zur Post zu kommen, nutzt den Zebrastreifen in der Ortsmitte.

Von Kerstin Biehl

Der Fußgängerüberweg sollte, wie vier weitere in dem Stadtteil, entfernt werden. Das ergab eine Überprüfung durch den städtischen Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS), verantwortlich für den Umbau oder die eventuelle Neuanlage von Fußgängerüberwegen. Doch gestern wendete sich das Blatt – dank des Ortsbeirats.

Im gesamten Stadtgebiet gibt es 346 Fußgängerüberwege. Relativ viele, wenn man dies beispielsweise mit der Stadt Kassel vergleicht, die doppelt so groß ist wie Hanau, aber lediglich über 98 Zebrastreifen verfügt. Laut HIS entsprächen allerdings viele von ihnen nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik, weshalb sie nun schrittweise überprüft werden. Denn: „Nur richtlinienkonforme Fußgängerüberwege sind sicher“ und „Ein unsicherer Fußgängerüberweg ist gefährlicher als kein Fußgängerüberweg“ – das zumindest sagt HIS.

Veraltete Fußgängerüberwege vermitteln trügerische Sicherheit

Mittelbuchens Zebrastreifen wurden also genau unter die Lupe genommen: Befindet sich eine Ampel in der Nähe? Dann ist ein Zebrastreifen nicht zulässig. Liegt er in einer 30er Zone? Dann ist er entbehrlich. Kann er DIN-konform beleuchtet werden? Dann kann nachgerüstet werden. Und: Wird er überhaupt von genügend Fußgängern genutzt, fahren genügend Autos, um in „rentabel“ zu machen?

Jährlich stehen im HIS-Haushalt rund 200 000 Euro zur Verfügung, um schrittweise die Zebrastreifen auf einen neuen, sichereren Stand zu bringen oder sie gegebenenfalls auch zu entfernen, weil sie nicht mehr den Richtlinien beziehungsweise der Verwaltungsvorschrift der Straßenverkehrsordnung entsprechen.

Veraltete Fußgängerüberwege, so heißt es von HIS, vermittelten oft nur eine trügerische Sicherheit. Seitens der Gesetzgebung existiert eine strenge Richtlinie für Fußgängerüberwege, in der genau festgelegt wird, unter welchen Voraussetzungen ein Überweg wie auszusehen hat, insbesondere mit Blick auf Beleuchtung und Beschilderung.

Auf fünf Zebrastreifen (hier mit Foto) könne laut HIS verzichtet werden

HIS hat sieben Zebrastreifen in Mittelbuchen begutachtet. Das Ergebnis: Auf fünf davon könne verzichtet werden. Überprüft wurden folgende Überwege:

Die in der Karte grün markierten Zebrastreifen sollten laut HIS erneuert, die roten zurückgebaut werden. Die Gründe dafür sind verschieden:

  • Fußgängerüberweg Lützelbuchener Straße 19: Dieser Überweg soll erneuert werden. So soll unter anderem die Fahrbahndecke im Bereich des Zebrastreifens neu gemacht werden, der nordseitige Gehweg verbreitert und neu gepflastert werden und eine Beleuchtung angebracht werden.
  • Fußgängerüberweg Lützelbuchener Straße 2: Auch dieser Zebrastreifen bleibt erhalten und wird erneuert.
  • Fußgängerüberweg Alte Rathausstraße 7b (siehe oben):Da sich dieser Zebrastreifen zu nah an der Ampelanlage befindet, sollte er wegfallen.
  • Fußgängerüberweg Kesselstädter Straße 8:

Auch dieser Zebrastreifen sollte entfernt werden (ebenfalls zu nah an der Ampel), allerdings wird er durch eine Mittelinsel (eine Verkehrsinsel aus Fertigteilen) ersetzt. Die Verkehrsschilder, die bisher auf den Zebrastreifen hingewiesen haben, werden ebenfalls entfernt.

  • Fußgängerüberweg Wachenbuchener Straße 15:

Der Zebrastreifen sollte weg fallen, weil auch er sich zu nah an der Ampel befindet.

  • Fußgängerüberweg Fichtelgebirgstraße 141:
  • und Fichtelgebirgstraße 117:

Auch diese beiden Zebrastreifen sollten zurückgebaut werden. Denn zum einen liegen sie in einer 30er Zone, zum anderen sind sie in der Nacht nicht ausreichend beleuchtet und auch hinsichtlich des Verkehrsaufkommens nicht wirklich nötig. An ihrer Stelle soll das Verkehrszeichen „Kinder“ aufgestellt werden. Das Verkehrsaufkommen dürfte hier, wie in ganz Mittelbuchen, allerdings steigen, denkt man an das derzeit im Nordwesten entstehende Neubaugebiet, das mit seinen rund 100 neuen Wohneinheiten entsprechend neue Bewohner in den Stadtteil bringt.

Ortsbeirat setzt sich für den Erhalt der Zebrastreifen ein

Am Mittwochabend hat sich der Mittelbuchener Ortsbeirat, nachdem das neue Überweg-Konzept bereits in der Juni-Sitzung ausführlich von HIS vorgestellt worden war, einstimmig gegen den Rückbau der fünf Fußgängerüberwege ausgesprochen. „Wir sind uns alle einig, dass sämtliche Fußgängerüberwege in Mittelbuchen erhalten werden müssen“, so Ortsvorsteherin Caroline Geier-Roth (SPD). „Wir setzen uns dafür ein.“ Ihre Stellvertreterin, Birgit Mutz (MAL), betonte, dass sämtliche Mittelbuchener Zebrastreifen gleich wichtig seien: „Sie haben sich alle bewährt. Wenn sie den gesetzlichen Vorschriften nicht mehr entsprechen, muss man sie eben verändern, so dass es wieder passt.“

Ob die Entscheidung bereits in Stein gemeißelt ist, wollte der HA gestern von HIS-Leiter Markus Henrich, wissen. Allerdings war dieser für eine Stellungnahme telefonisch nicht erreichbar. Stattdessen gab es kurz darauf eine schriftliche Antwort von der städtischen Pressestelle: „Die Stadt zieht aus dem einstimmigen Wunsch des Ortsbeirates die Konsequenz, die Planungen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit für Fußgänger in Mittelbuchen durch neue Querungshilfen nicht umzusetzen, sondern allenfalls vorhandene Zebrastreifen – sofern erforderlich – nachzumarkieren.“ Heißt: Alles bleibt beim Alten, sämtliche Zebrastreifen dürfen bleiben.

Mit "ehrenamtlichem Einsatz und ganz viel Herzblut"

Nicht nur die HA-Redaktion, auch Ortsvorsteherin Caroline Geier-Roth, war von der Mitteilung überrascht. Von der Entscheidung wusste sie noch nichts, als wir Geier-Roth auf dem Handy erreichten. „Ich freue mich riesig. Denn ich habe mich vehement für den Erhalt eingesetzt. Ich war in der vergangenen Woche nochmal höchstpersönlich beim Oberbürgermeister und habe mit Nachdruck für den Erhalt der Zebrastreifen plädiert“, sagte Geier-Roth. Bei dem Gespräch sei sie auf sehr viel Wohlwollen gestoßen. „Es hat sich rentiert, dass ich mich dahinter geklemmt habe und dass wir uns innerhalb des Ortsbeirats einig waren.“

Der Erhalt der Zebrastreifen sei auch eine Botschaft nach draußen und signalisiere die Wichtigkeit der Arbeit des Ortsbeirats, der seine Arbeit mit „ehrenamtlichem Einsatz und ganz viel Herzblut“ leiste. „Es ist schön, dass dies durch diese Geschichte einmal nach außen sichtbar wird“, so die Ortsvorsteherin.

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