Akrobatik und Ausdruck: Garde und Schautanz kombiniert beides. Die Maintalerin Valesca Bräunig weiß, wie eine gute Ausführung aussieht. Foto: Frank Bräunig

Hanau/Maintal

Valesca Bräunig tanzt lebenslang Garde - EM in Hanau startet

Hanau/Maintal. Viele kennen den Garde- und Schautanz nur vom Karneval. Bunte, knappe Outfits, in denen die Tänzerinnen schwungvoll zur Musik ihre Beine in die Luft werfen. Dass dieser Sport aber äußerst anspruchsvoll und stilvoll sein kann, zeigen die Tigers des TSC Schwarz-Gold Frankfurt.

Von Sabrina Kwasniok

Teil von ihnen ist die Maintalerin Valesca Bräunig. Die 20-Jährige ist schon seit ihrer Kindheit fest in den Garde- und Schautanz verwickelt und will bei den Europameisterschaften in Hanau von morgen bis Sonntag mit ihrem Team alles geben.

Von Geburt an bestimmt

Dass Valesca Bräunig einmal Garde- und Schautänzerin wird, war für die Maintalerin schon von Geburt an bestimmt. Schon bevor sie 1998 das Licht der Welt erblickte, meldeten ihre Eltern sie im Faschingsverein FKG Narrhalla, in dem die beiden selbst Mitglied waren, an. „Ich bin mit dem Sport groß geworden“, erklärt die 20-Jährige. Bereits ihre Mutter liebte das Tanzen und gab diese Leidenschaft an ihre Tochter weiter.

Die Frage, ob Valesca Bräunig sich je zu etwas gezwungen gefühlt habe, verneint sie. „Nein, ich fand es eigentlich cool, von Anfang an tanzen zu können. Ich habe die Freiheit gehabt, selbst zu entscheiden, was ich mache. Ich habe Ballett getanzt, geturnt und Trompete gespielt – alles weil ich das wollte. Ich hätte einfach sagen können 'Ich möchte das nicht'.“

Obwohl Valesca Bräunig viele andere Hobbys ausprobiert hat, blieb das Garde- und Schautanzen immer ihre Nummer eins. Das Gefühl, nach der Choreografie auf der Bühne zu stehen und den Applaus zu hören, sei einfach unbeschreiblich. Zudem komme es im Garde- und Schautanz mehr auf die Akrobatik an.

Wechsel zum TSC Schwarz-Gold Frankfurt

Deshalb wollte Valesca Bräunig sportlich weiterkommen und entschied sich 2011 den Faschingsverein zu verlassen und wechselte, dank der Unterstützung ihrer Mutter, zum TSC Schwarz-Gold Frankfurt – damals noch bei den Little Tigers. 2014 wurde sie dann Teil der Tigers. „Der Verein ist wie eine Familie für mich“, erzählt die Studentin heute stolz, „wir sind zusammen groß geworden.“ Das unterschiedliche Alter innerhalb des Teams, sei für die 20-Jährige kein Problem. „Bei uns gibt es keine Grüppchenbildung. Wir teilen alle das selbe Hobby und haben somit immer ein Gesprächsthema parat.

Aktuell bestehen die Tigers aus 40 Tänzerinnen zwischen 16 und 41 Jahren. Je nach Art des Tanzes variiert die Anzahl dieser in der Choreografie. „Wir tanzen in fünf verschiedenen Disziplinen: Modern, Charakter, Polka, Marsch in der Gruppe und ein Solo“, erklärt Valesca Bräunig. Sie selbst nimmt an allen Gruppentänzen teil. Die unterschiedlichen Richtungen würden sich hauptsächlich durch die Musik unterscheiden. Zudem verflechtet man im Charakter ein Thema in den Tanz, um so eine Geschichte zu erzählen. Dieses Jahr führen die Tigers beispielsweise den Engelstanz „exilium angeli“ auf.

Für jede Stilrichtung gibt es auch ein eigenes Kostüm. Lediglich Marsch und Polka teilen sich das selbe Outfit. Einmal im Jahr wechselt der Charakter das Aussehen, die restlichen Disziplinen bekommen alle zwei bis drei Jahre einen neuen Look.

Auftritte an den meisten Wochenende

Die Choreografien verändern sich innerhalb einer Saison nicht. Insgesamt treten die Tigers fast jedes Wochenende auf, sowohl bei lokalen und internationalen Veranstaltungen als auch bei Meisterschaften. Beginn der Saison ist meist im Dezember, geendet wird im Mai. Somit kommt es häufiger vor, dass die Tänzerinnen zu den Meisterschaften Ende der Saison müde werden.

Dennoch wollen die Tigers bei den Europameisterschaften am kommenden Wochenende in der August-Schärttner-Halle alles geben. Dafür wird zweimal in der Woche bis zu vier Stunden lang trainiert. Insgesamt sind die Tigers schon 40-mal Europameister geworden. „Im Marsch hoffen wir auf jeden Fall wieder auf den Titel. Dort sind wir schon seit über acht Jahren ungeschlagen“, so Valesca Bräunig über ihr Vorhaben.

Und auch die Little Tigers dominieren in dieser Disziplin. Generell sollten am Wochenende keine Fehler gemacht werden. Die Konkurrenz sei stark. Dennoch freut Valesca Bräunig sich auf den Kampf. „Es ist immer eng und spannend.“

Lockere Zukunft im Tanzen

Valesca Bräunig selbst sieht ihre Zukunft im Tanzen locker. Sie hoffe, noch viele Jahre Teil der Tigers sein zu dürfen, erfolgreich zu sein und weiterhin nicht den Spaß am Tanzen zu verlieren. Eine Solokarriere komme für sie nicht in Frage. „Ich habe schon mal Solo getanzt und durfte sogar zu den Europameisterschaften fahren“, erzählt die 20-Jährige stolz. Nach diesem Höhepunkt beendete sie ihre Solokarriere vor zwei Jahren. Für sie sei es ein ganz anderes Gefühl, alleine auf der Bühne zu stehen. „Man ist viel nervöser und hat kein Team, das einen auffängt, wenn man einen Fehler gemacht hat.“

Das Highlight ihrer Karriere war für Valesca Bräunig das Erreichen der Höchstpunktzahl im Charakter beim Final Breakdown 2015/16, im Marsch 2016/17. Aber auch Verletzungen musste die Studentin schon hinnehmen. Doch das gehöre für sie zum Tanzen dazu. „Es passiert sehr oft, dass die Bänder nach dem umknicken mal überdehnt sind.“ Doch dies seien keine schweren Verletzungen. „Das bekommt man alles wieder hin“, scherzt die Maintalerin.

Garde- und Showtänzer müssen „auf jeden Fall Leidenschaft und Disziplin“ mitbringen, so Valesca Bräunig. „Garde ist ein Übungssport, den man am besten von Geburt an trainiert.“

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