Rolex-Uhren
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Objekt der Begierde: Weil er Geld brauchte, hat ein 23-Jähriger eine Luxusuhr geraubt. Doch ist es nur ein billiges Imitat gewesen.

Langes Vorstrafenregister

Gefälschte Rolex geraubt: 23-Jähriger zu Gefängnis und Entzug verurteilt

  • vonThorsten Becker
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„Vielleicht wollten Sie ja mal das ganz große Ding drehen . . ?“, vermutet Richter Dr. Niels Höra in Richtung des Angeklagten, der in kriminellen Hanauer Kreisen als „Matscho“ bekannt ist. Was der Richter nicht sagt, weiß aber jeder im Verhandlungssaal: Das „Ding“ ist voll in die Hose gegangen.

Dafür wird „Matscho“ (23) am Freitag zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Dieses „Ding“ sollte sich kurz vor dem Jahreswechsel 2018/19 offenbar richtig lohnen. Das Objekt der Begierde: eine Armbanduhr der Marke „Rolex Submariner“.

Raubzug über WhatsApp geplant

Schon wenige Stunden vor dem Raubzug ist sich Marcello S., wie „Matscho“ mit bürgerlichem Namen heißt, ziemlich sicher und trifft Vorbereitungen: „Die ist mindestens 8000 Euro wert – habe extra Pfefferspray gekauft.“ Diese Nachricht sendet er über WhatsApp.

So diskutiert er bereits vor dem Verbrechen mit seinem Freundeskreis, aus dem kaum jemand als gesetzestreu eingestuft werden dürfte: „Warum hast du den nicht gleich abgezogen?“, kommt über Whats-App die Frage zurück. Nach langem Hin und Her entscheidet sich S.: „Ich mache es alleine.“ Seine Verlobte drückt ihm dazu sogar noch digital die Daumen: Ein Küsschen und „pass auf dich auf!“ werden gesendet.

Opfer mit Pfefferspray attackiert

Dann schreitet S. zur Tat. Er trifft am City-Center einen flüchtigen Bekannten – den er wohl schon zuvor ausgespäht hat. „Ich habe die Uhr bei ihm gesehen. Ich wollte die Uhr haben, da ich kein Geld mehr hatte“, gesteht er vor Gericht. Sein Opfer verwickelt er in ein Gespräch, nimmt mit ihm zusammen den Fußweg in Richtung Lamboy.

An der Kinzig, in Höhe des Sandeldamms, geht dann alles ganz schnell: Das zehn Jahre ältere Opfer bekommt eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht, S. flüchtet mit der Luxusuhr und verkündet stolz über Whats-App: „Ich habe die Uhr!“ Erst Tage später merkt S. dann, dass es ein Fehlgriff gewesen ist, denn alle Versuche, die „Rolex“ zu verticken, schlagen fehl. So lautet die WhatsApp-Nachricht im Januar 2019: „War jetzt im Uhrenladen, die Sch. . . Rolex ist nicht echt.“

Imitat ist höchstens 200 Euro wert

Aus der Traum vom „großen Ding“. Das Imitat der Edeluhr ist höchstens 200 Euro wert. Statt einen Reibach zu machen, bekommt S. dafür Ärger mit der Kriminalpolizei. Aber das ist der junge Mann schon seit fast einem Jahrzehnt gewohnt. Diesmal ist er aber nicht nur aus lauter Geldgier einem Imitat auf den Leim gegangen. Diesmal hat er sich quasi selbst überführt.

„Wir haben nach ihm gesucht“, berichtete eine Kriminalhauptkommissarin. Doch die Fahndung endet schnell, denn S. wird in einer anderen Sache verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert. „Wir haben Wohnungen durchsucht, aber keine Rolex gefunden“, so die Ermittlerin, die jedoch nicht aufgibt. „Wir haben dann mal in der Justizvollzugsanstalt nachgefragt, was er bei der Festnahme alles bei sich hatte.“

Das Smartphone wird beschlagnahmt und ausgewertet, die Inhalte auf eine Blue-Ray-Disk kopiert. „Diese Blue-Ray-Disk ist wirklich ein Volltreffer“, freut sich Richter Höra. Denn in den ausführlichen WhatsApp-Nachrichten sind erdrückende Beweise. Der „Rolex-Raubzug“ wirkt für sich genommen eher stümperhaft.

Angeklagter wurde mit 14 zum ersten Mal verurteilt

Das große Problem des Angeklagten: Der junge Mann ist am Morgen von den Wachtmeistern aus der Strafhaft in Handschellen vorgeführt worden. Er hat bereits einiges auf dem Kerbholz. Trotzdem scheint S. am Ende mit dem Urteil von „drei Jahren und drei Monaten“ sowie der Einweisung in den Maßregelvollzug zufrieden zu sein.

Bei Richter Höra kommt das gar nicht gut an: „Ich weiß nicht, warum Sie sich freuen. Ich freue mich ganz und gar nicht“, sagt der Vorsitzende und geht mit S. hart ins Gericht. „Sie sind ein beharrlicher Rechtsbrecher und ein mehrfacher Bewährungsversager“, so der Richter zu dem erschreckende langen Vorstrafenregister des 23-Jährigen, der bereits im Alter von 14 Jahren sein erstes Urteil wegen Diebstahls „kassiert“ hat.

Düstere Prognose für die Zukunft

Seit 2011 ist fast jährlich ein weiteres Urteil hinzugekommen, elf an der Zahl. Im Jugendgefängnis Rockenberg ist er in den vergangenen Jahren ein- und ausgegangen. Jetzt kommt eine weitere Verurteilung, diesmal wegen besonders schweren Raubs, hinzu. „Selbst eine höhere Freiheitsstrafe würde Sie wohl kaum beeindrucken. Die würden Sie absitzen, dann rauskommen und weitermachen wie bisher“, lautet die düstere Prognose von Höra.

So haben die Richter, die beim Strafmaß deutlich unter der von Staatsanwalt Dr. Alexander Voigt geforderten Strafe von fünf Jahren und vier Monaten geblieben sind, nur die Hoffnung, dass der seit dem Kindesalter kiffende Angeklagte endlich von den Drogen ablässt. Daher hat ihn die Strafkammer gegen ihn außerdem eine Drogentherapie angeordnet.

Von Thorsten Becker

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