Noch ist der Zug nicht da, aber es gibt Netz am Bahnhof Maintal-Ost – zwar ungesichert, aber immerhin besser als nichts. Von hier aus geht die WLAN-Reise los. Doch glücklich und zufrieden ist Rainer Habermann im RB 58 – mit WLAN. Fotos: Rainer Habermann

Hanau

Unser Reporter im Selbstversuch: Der RMV und die Suche nach WLAN

Region Hanau. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) verspricht auf seinen Webseiten, alle 191 S-Bahnen im Rhein-Main-Gebiet bis Ende des Jahres mit kostenlosem WLAN zu versorgen (wir berichteten). Fünf Millionen Euro nimmt der ÖPNV-Betreiber dafür in die Hand.

Von Rainer Habermann

Eine gute Sache, finden wir. Denn die Mobilfunkversorgung ist nicht auf allen Strecken gut oder ausreichend, und viele Pendler schätzen es, wenn sie auch auf dem Weg von oder zur Arbeit bereits im Internet unterwegs sein können. Doch was ist mit den ‧Regionalbahnlinien, die die Pendler aus dem Main-Kinzig-Kreis in die Metropole und zurück bringen? Wir haben es getestet.

11 Uhr: Es geht los mit dem Bus MKK 23 zum Bahnhof Maintal-Ost.

11.09 Uhr: Ankunft Bahnhof. Netz: fff.freifunk.net (ungesichert). Aber schon mal gut, dass der Dörnigheim-Hochstädter Bahnhof ein freies WLAN hat.

11.19 Uhr: RB 58 nach Laufach fährt absolut pünktlich ein. WLAN im Zug! Nach kurzer Anmeldung im Portal bin ich sofort verbunden. Parallel dazu auf dem iPhone mit LTE-Karte nur „Edge“. Das fängt wirklich richtig gut an!

11.26 Uhr: WLAN steht perfekt, YouTube-Filme laufen flüssig und einwandfrei. Ich bin begeistert.

11.28 Uhr: Kurz vor dem Hanauer Hauptbahnhof leichte Verwirrung. Ansage „Ausstieg links“, sofort danach Ansage „Ausstieg rechts“, dann doch links, dann aber rechts. Wundert mich jedoch nicht. Es geht auch in kaum einem Bus das Display, das die Haltestellen anzeigt. Aber das sind andere Themen.

11.30 Uhr: Ankunft im Hanauer Hauptbahnhof. Mein nächstes Ziel ist Langenselbold mit dem RB51 in Richtung Fulda. Glücklichweise hat der Zug 35 Minuten (!) Verspätung. Eine Erklärung warum, gibt es nicht . . .

11.43 Uhr: Schließlich Abfahrt, WLAN-Check: null, kein Netz. iPhone sagt 3G, aber schwankend. Ich fühle mich an meine alte Bahnfahrerzeit erinnert. Verspätungen kenne ich… Jetzt geht nur Mobilnetz. Bis Gelnhausen. Ab Rodenbach nur noch das endlos langsame „Edge“ (gähn).

11.51 Uhr: Durchsage: wegen großer Verspätung Umstiegsmöglichkeit in Selbold für Fulda.

12.05 Uhr: RE 50 zurück nach Frankfurt Hauptbahnhof. Gleiches Spiel: kein WLAN. Beschließe, in Hanau umzusteigen und nach einem anderen Zug zu suchen. Mir gegenüber sitzt eine nette ältere Dame, die gerade ihre Socken wechselt und dabei ihre Füße massiert. Aber ansonsten alles gut. „Herr Mayer“, der Selbolder Buchhändler und Kabarettist, fährt mit dem gleichen Zug, offenbar zur Buchmesse. Er hat mich aber nicht gesehen.

12.15 Uhr: Wieder Ankunft im Hanauer Hauptbahnhof, gemütlich Zeit zum Umsteigen in die S9 zum Flughafen. WLAN-Check: perfekt! Wieder einloggen, geht problemlos ins WLAN@RMV S-BAHN. Die S9 ist relativ leer und hat den typischen „U-Bahn-Charme“.

13.01 Uhrsoll sie am Frankfurter HBF sein, südmainisch. Schau mer ma. Ich kriege allmählich Hunger . . . Was nervt, ist das ständige laute Piepsen, wenn die Türen sich schließen. Aber die Displays funktionieren! Es werden die geplante und die aktuelle Ankunftszeit an jeder Station angezeigt. Bisher eine Minute Verspätung. Das ist mehr als akzeptabel. Schaue mir auf YouTube ein Filmchen des HR an: „Alltäglicher Wahnsinn – wie RMV-Pendler im Stich gelassen werden“. Kann nichts dafür, der Film heißt so. Ich fühl mich gut bis jetzt. Aber ab Offenbach ist die Bahn knallvoll.

12.48 Uhr: Kurz vorm Frankfurter Hauptbahnhof klappt irgendetwas nicht: WLAN ist weg. Keine Balken mehr, Fehlermeldung: „Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuche es später noch einmal“. Kryptisch.

13.03 Uhr: Ein kurzer Fastfood-Stopover in der B-Ebene. Quick undamp; dirty, im wahrsten Sinne des Wortes.

13.33 Uhr: Hurra! Sitze im Stockheimer Lieschen (RB 34) auf dem Weg nach Win‧decken. Das legendäre „Pannen-Lieschen“. Mal schaun. Abfahrt soll 13.46 Uhr sein. WLAN-Check: Null. Nada. Niente. Ich steige wieder aus. Auch am gesamten Frankfurter HBF kein frei verfügbares WLAN. Die Bilanz fällt bisher eher mäßig aus. Jetzt heißt es: in Geduld üben. Der nächste Zug zurück nach Maintal, wo dann mein RMV-WLAN-Abenteuer fürs erste beendet sein soll, geht erst um 14.30 Uhr.

14.18 Uhr: Der Zug fährt ein (RE 50). Ich hatte es fast befürchtet: Es ist einer von den „alten“ und noch nicht mit WLAN ausgerüstet.

Fazit

Von sechs Zügen, die ich benutzt habe (RB34, RE50, RB51, nochmal RE50, S9 und RB58), verfügten nur zwei (RB58 und S9) über WLAN. Es scheint mir auch fast so, als seien die U-Bahn-Tunnel in Frankfurt noch nicht alle mit Mobilnetzen versorgt. Wenn die Außenantennen am Zug kein Signal bekommen, kann das beste WLAN drinnen natürlich nicht funktionieren. Der RMV hat noch viel zu tun, auf dem Weg ins digitale Zeitalter, denke ich mir. Fahre dann wieder zum Hanauer Hanauer Hauptbahnhof und steige hier in den RB 58 zurück nach Maintal ein. Lege im Geiste die Füße hoch und genieße die Online-Ausgabe des HA. Denn dieser hochmoderne Nahverkehrszug hat WLAN.

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