Hier knallt's immer wieder. Am Donnerstagnachmittag ist es an der Unfallkreuzung zwischen Mittelbuchen und Bruchköbel erneut zu einem Unfall gekommen. Ein Toyota und ein Opel waren zusammengestoßen. Foto: Michael Bellack

Hanau

Unfallkreuzung B45: Warum eine Ampel kommt und kein Kreisel

Mittelbuchen. „Ich weiß, wie es ist, an dieser Ecke aus einem Autowrack zu kriechen“, kommentierte der Mittelbuchener Jochen Dohn (ehemaliger Stadtverordneter der Alternativen Linken Fraktion, ALF) unter dem HA Facebook-Post zum Unfallschwerpunkt zwischen Mittelbuchen und Bruchköbel

Von Kerstin Biehl​

Dort, wo auf der Landesstraße 3195 von Mittelbuchen aus nach links auf die Bundesstraße 45 abgebogen wird. Am Telefon erzählt uns Dohn von seinem Unfall. „Das liegt ein paar Jahre zurück, 2007 war das. An der Brisanz dieser Stelle hat sich aber nichts geändert.“

Damals war er mit seinem Pkw auf dem Weg von Bruchköbel nach Mittelbuchen. Weit kam er nicht. An besagter Unfallkreuzung war Schluss. „Ein Pkw, der von der Ausfahrt der B 45 kam, ist seitlich in mich rein gefahren. Totalschaden. An beiden Autos. Zum Glück ist dabei niemand ernsthaft verletzt worden.“ Eigentlich, sagt er, sei die Kreuzung gut einzusehen. Er vermutet, dass Abbieger zuweilen die Geschwindigkeit derer, die aus Mittelbuchen kommen, unterschätzen.

Dohn ist nicht der Einzige, der an dieser Stelle verunglückt ist.Immer wieder kommt es dort zu Unfällen. Alle paar Wochen, mitunter auch öfter. Die Kreuzung ist unübersichtlich. Vor allem in der Dämmerung. Oder bei tief stehender Sonne. Aber auch am helllichten Tag ist bisweilen schwer auszumachen, ob der Autoverkehr aus Richtung Bruchköbel nun geradeaus nach Mittelbuchen oder zur Auffahrt auf die B45 weiterfahren will. Auch wer aus der Gegenrichtung kommt, scheint leicht die Übersicht verlieren zu können. Dazu kommt der Rad- und Personenverkehr, der die Auffahrt zur B 45 kreuzt.

Donnerstagnachmittag hat es an der Stelle wieder geknallt. Ein junger Mann aus Bruchköbel, der in einem Toyota saß, ist mit einer Maintalerin, die in einem Opel Corsa unterwegs war, kollidiert. Beide kamen verletzt ins Krankenhaus.

Bald sollen diese Unfälle der Vergangenheit angehören. Die Fachleute und Verkehrsexperten der Unfallkommission haben sich in mehreren Arbeitsterminen übereinstimmend auf die Installation einer Ampelanlage verständigt. Darüber informiert eine Pressemitteilung. Die Anlage soll aller Voraussicht nach im Jahr 2020 aufgestellt werden. Zudem soll dann die Abbiegespur aus Richtung Bruchköbel auf die B45-Auffahrt verlängert werden.

Optische Trennwirkung erzeugt

Bereits kurzfristig wird noch im September eine optische Hilfe eingerichtet, um für Verkehrsteilnehmende aus Richtung Mittelbuchen noch mehr als bisher zu verdeutlichen, welcher Gegenverkehr geradeaus unterwegs ist oder auf die Rampe zur Bundesstraße. Die Leitschwellen zwischen Geradeaus- und Rechtsabbiegespur aus Richtung Bruchköbel werden um weitere in kurzem Abstand zu den schon bestehenden verdichtet.

Dadurch soll für den Gegenverkehr aus Mittelbuchen die optische Trennwirkung verstärkt werden, um erkennen zu können, auf welche geradeaus fahrenden Fahrzeuge beim Linksabbiegen auf die B45 an dieser Stelle zu achten ist und auf welche nicht. Gleichzeitig verschwinden die bisher auch auf der Fahrbahnmitte angebrachten Leitschwellen, weil sie nach Ansicht der Fachleute sich nicht bewährt haben.

Wir haben beim Vorsitzenden der Unfallkommission, Thorsten Wünschmann, nachgehört, wie er die Kreuzung einschätzt: „An sich ist diese Kreuzung nicht gefährlich“, sagt der Hanauer Ordnungsamtsleiter. „Es ist das Fahrverhalten der Menschen. Fehleinschätzungen oder Ungeduld, die zu den Unfällen führen.“ Ein Kreisverkehr, so Wünschmann, wäre die elegantere Lösung gewesen. Die angenehmere für Verkehrsteilnehmer."

Federführend für den Bau der Ampelanlage und die Verlängerung der Abbiegespur aus Bruchköbel auf die Rampe B45 ist Hessen Mobil. Wann genau die Ampel installiert wird, kann noch nicht gesagt werden, heißt es seitens der Hessen-Mobil-Pressestelle auf HA-Nachfrage.

Die Entscheidung für die Ampel sei, im Gegensatz zur Schaffung eines Kreisels, relativ kurzfristig umzusetzen.„Auf Grund der Unfallsituation muss hier schnellstmöglich gehandelt werden“, so die Pressestelle. Ein Kreisel sei eine mittelfristige Maßnahme, für die zunächst Baurecht geschaffen werden müsse. Deshalb habe man sich für die Lichtanlagen-Lösung entschieden. Die obere Landesbehörde für Straßen- und Verkehrsmanagement hat unterdessen mit Planungsarbeiten begonnen. Damit soll an der Unfallstelle auch für Radfahrende entlang der Landesstraße zwischen Mittelbuchen und Bruchköbel das Queren von zwei Auto- und Lkw-Fahrspuren sicherer werden als bisher.

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