1. Startseite
  2. Hanau

Unfall am Heumarkt: Verunglückter sperrte sich aus und wollte zurück ins Hotel

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Kerstin Biehl

Der Verunglückte wird von den Höhenrettern aus dem schmalen Schacht geborgen.
Der Verunglückte wird von den Höhenrettern aus dem schmalen Schacht geborgen. © -

Es ist kurz nach 2 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag. Aus der Hauswand des Hotels am Heumarkt kommt leises Stöhnen. „So wie jemand, der Schmerzen hat.“ Polizeipressesprecherin Martina Ackermann zitiert aus dem Polizeibericht, der den Einsatz zum skurrilen Schachtsturz im Hotel Domino (wir berichteten) dokumentiert.

Hanau – Eine aufmerksame Passantin habe die leisen Rufe gehört und die Polizei alarmiert. 2.13 Uhr war es da. Die Schmerzenslaute seien zunächst nicht genau zu lokalisieren gewesen, sagt Ackermann auf Nachfrage unserer Zeitung.

Doch nach und nach wird klar: Die Geräusche kommen nicht aus der Wand, sondern vielmehr aus einem dahinter verlaufenden Versorgungsschacht. In ihm liegt ein Mann, 35 bis 40 Jahre alt, verletzt von dem zehn Meter tiefen Sturz hinab aus dem zweiten Obergeschoss in die enge Öffnung, die eigentlich Rohren für Wasser oder Belüftung vorbehalten ist.

Die Feuerwehr wird gerufen. Nach einer ausführlichen Erkundung durch den Zugführer der Berufsfeuerwehr wird klar, dass aufgrund der baulichen Gegebenheiten die Sondereinheit Höhenrettung der Feuerwehr Hanau hinzugezogen werden muss.

„Es gab zunächst auch die Überlegung, die Wand zu durchbrechen, um von außen an den Verunglückten heranzukommen“, so die Information von Feuerwehr-Pressesprecher Volker Taeger. Doch die Retter entschlossen sich schließlich für den Einsatz der Spezialkräfte, die sich von oben in den Schacht abseilten. „Zunächst ist ein Feuerwehrmann heruntergelassen worden. Er hat die genaue Lage der verletzten Person festgestellt und ob diese transportfähig ist. Außerdem musste er beurteilen, wie der Verletzte am besten geborgen werden kann. Und natürlich, wie schwer die Verletzungen sind. Alle Berufsfeuerwehrleute sind ja gleichzeitig Rettungssanitäter, was sehr wichtig ist“, erläutert Feuerwehrmann Taeger.

Schließlich konnte der mittlerweile unterkühlte Verletzte mithilfe eines weiteren Kameraden, der ebenfalls in den Schacht abgelassen wurde, per Rettungswinde nach oben geholt werden. Wie lange sich der Mann in dem Schacht befand, ist bislang nicht bekannt.

Die gesamte Rettung gestaltete sich sehr schwierig, da der Versorgungsschacht aufgrund von diversen Rohrleitungen teilweise nur einen sehr engen Durchmesser hat, heißt es im Einsatzbericht der Feuerwehr. Und weiter: Die schwer verletzte Person konnte unter der Leitung des Einheitsführers der Höhenrettung, Eric Heinz, gegen 4 Uhr zur weiteren Behandlung an den anwesenden Notarzt übergeben werden. Anschließend wurde er ins Krankenhaus eingeliefert.

„Schlimm was da passiert ist“, kommentiert eine Hotelmitarbeiterin am Montagmorgen auf Nachfrage unserer Zeitung am Telefon das Geschehen vom Wochenende. Zum genauen Hergang könne sie leider nichts sagen. Sie sei nicht vor Ort gewesen und ihre Chefin heute nicht erreichbar. Die Rezeption sei in der Nacht auch nicht besetzt, sodass die Mitarbeiter ohnehin keine Auskunft über die Geschehnisse geben könnten, sagt sie.

Fest steht, dass sich der Zugang zum Versorgungsschacht, durch die der Verletzte gefallen sein muss, außerhalb seines Hotelzimmers auf dem Balkon befindet, heißt es vonseiten der Feuerwehr. „Eigentlich ist so ein Zugang mit einem Schutzgitter gesichert“, weiß Pressesprecher Volker Taeger.

Etwas Licht ins Dunkel des Unfallgeschehens bringt der Einsatzbericht der Polizei. „Er soll sich ausgesperrt haben und versucht haben, wieder ins Hotel zu gelangen“, sagt Polizeipressesprecherin Martina Ackermann über den Verunfallten. Das zumindest habe er gegenüber den Beamten vor Ort angegeben. Laut Information der Feuerwehr befinde er sich „auf dem Weg der Besserung“.

Die Feuerwehr Hanau war mit 35 Kräften bis 5.15 Uhr im Einsatz. Wer die Kosten für den Einsatz übernehmen muss, ist laut Feuerwehr-Pressestelle aktuell noch nicht geklärt.

Von Kerstin Biehl

Auch interessant