Die Fastenzeit steht bevor. Aber was bedeutet diese Zeit für die Hanauer? Symbolfoto: Pixabay

Hanau

Umfrage auf dem Wochenmarkt: Was bedeutet die Fastenzeit heute?

Hanau. Die Fastenzeit dauert 40 Tage und erstreckt sich vom heutigen Aschermittwoch bis zum Ostersonntag. Was verbinden die Menschen mit dem Begriff Fasten? Beteiligen sie sich selbst daran? Spielt diese Zeit für sie aus religiösen Gründen eine Rolle?

Unsere Praktikantinnen Eva Walther und Marie Fries haben sich – bevor die Bluttat zum Innehalten zwang – auf dem Hanauer Wochenmarkt umgehört und dabei erfahren, dass für viele Menschen das Fasten – wenn überhaupt – nicht aus religiösen Gründen in Erwägung gezogen wird. Wer Verzicht üben möchte, tut dies häufig, um sich gesünder zu ernähren oder lieb gewonnene und als ungesund oder umweltschädlich betrachtete Gewohnheiten vorübergehend aus dem Leben zu verbannen. Mag sein, dass unsere Umfrage den einen oder anderen im Nachhinein nachdenklich stimmt. Folgende Stimmen haben unsere Praktikantinnen zusammengetragen.

Jana Halko, 40 Jahre. „Ich faste und verzichte auf Alkohol und Süßigkeiten. Das tue ich aber nicht aus religiösen Gründen, sondern für mich selbst.“

Ulrike Walther, Lehrerin, 56 Jahre, gibt an, aus gesundheitlichen Gründen auf Alkohol zu verzichten. „Ich bin religiös aufgewachsen. An dem katholischen Gymnasium, das ich besucht habe, war das Fasten ein wichtiger Bestandteil“, sagt sie. Die Lehrer hätten nicht nur aufs Verzichten von Essen Wert gelegt, sondern prinzipiell darauf, bewusster zu leben und zu entscheiden. Beispielsweise dafür, eine gute Tat pro Tag zu vollbringen. „Die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern ist ja die Fastenzeit. Daher bietet sich an, genau dann zu fasten, wenn man es ohnehin vorhat.“ Die Lehrerin verweist auf den biblischen Hintergrund der Fastenzeit. Sie erinnert an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste zum Fasten und Beten verbracht habe, bevor er nach Jerusalem gegangen sei. Außerdem merkt sie an, dass die Mönche in diesem Zusammenhang das Bier erfunden hätten, weil es aufgrund seines niedrigen Alkoholgehalts als Fastenspeise galt.

Eine Rentnerin, die ungenannt bleiben möchte, sieht im Fasten für sich keinen Sinn: „Ich muss nicht abnehmen, also faste ich auch nicht!“ Auch ein Maschinenbauer und seine Frau, die an den Marktständen entlangschlendern, werden nicht fasten, sie wüssten nicht, weshalb, sagen sie.

Anders sieht das eine 82-jährigeSeniorin: „Ich faste eigentlich jedes Jahr“, sagt sie. Und sie tut das aus Überzeugung und nicht aus gesundheitlichen Gründen. „Das gehört sich so“, findet sie, „es gehört zu meinem Rhythmus und Ablauf im Jahr. Vor allem verzichte ich dann auf Fleisch.“

Ein Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte, bekennt, nicht zu fasten. Er arbeite körperlich sehr hart. Aus diesem Grunde komme das Fasten für ihn nicht in Frage.

Für einjunges Pärchen hat die Fastenzeit ebenfalls keine Bedeutung: „Ich faste nicht, weil ich als Atheistin keinerlei Bezug zur Religion habe“, erklärt sie. Ihr Partner habe sich früher mit dem Fasten beschäftigt. Allerdings habe er nicht aus religiösen Gründen gefastet, sondern um sich zu beweisen, dass er dazu in der Lage ist. „Ich habe unter anderem einmal 40 Tage aufs Fernsehen verzichtet“, erinnert er sich. In diesem Jahr werde er aus beruflichen Gründen allerdings nicht fasten.

Eine Mitarbeiterinin der Buchhaltung einer Firma verzichtet jedes Jahr in der Fastenzeit auf Süßigkeiten, „Man fühlt sich dadurch einfach besser“, ist sie überzeugt.

Daniel M., 22 Jahre, Chemielaborant, fängt bald an zu studieren: „Ich faste jetzt nicht, weil ich gereizt werde, wenn ich Hunger habe.“ Wenn er aber faste, dann nicht, weil Fastenzeit sei, sondern weil er es wolle.

Adriana B. sieht keine Verbindung zwischen dem Verzicht von Essen, Trinken oder Fernsehen zu Gott oder der Religion. Deshalb fastet sie auch nicht in der Fastenzeit.

Hilde, 68 Jahre, und Stefan Hempel, 69 Jahre: „Wir fasten, wenn uns danach ist, nicht dann, wenn es die Kirche vorgibt. Wir sind nicht katholisch“, sagen sie.

Ein Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte, fastet „ein bisschen“. Dabei lässt er den Alkohol beiseite, „um sich besser zu fühlen. Es bietet sich an, den Verzicht in der Fastenzeit zu praktizieren.“

Jan Dörmann, 37 Jahre: „Ich faste nicht. Ich bin aus der Kirche ausgetreten und habe deswegen keinen Bezug dazu.“

Auch eine weitere Marktbesucherin gibt an, nicht zu fasten. Sollte sie es in Erwägung ziehen, dann nicht zur Fastenzeit, denn sie gehöre nicht dem katholischen Glauben an.

Rosmarie, 79 Jahre: „Ich faste nicht. Aber ich lege prinzipiell zwei Intervallfastentage in der Woche ein“, sagt sie. Und sie findet: „Man sollte in der Fastenzeit grundsätzlich etwas langsamer machen.“ Sie selbst trinke ohnehin keinen Alkohol, finde aber, dass andere Menschen darauf ruhig verzichten können.

Hergen Hahn, 76 Jahre: „Fasten ist nicht von der Konfession abhängig. Für mich ist das eine Lebensphilosophie.“ Er esse ohnehin einmal in der Woche Fisch und immer viel Gemüse. Ganz unabhängig von der 40-tägigen Fastenzeit achteten er und seine Frau grundsätzlich auf Ernährung, tränken nur wenig Alkohol und wenn, dann nur trockenen Wein.

Elfriede Schwings, 90 Jahre, fastet nicht, weil sie sich dafür zu alt fühlt. „Da macht man nicht mehr alles mit. Am Karfreitag faste ich aber auf jeden Fall.“

Marion Winberg, 65 Jahre: „Ich faste. Aber das tue ich schon seit Mitte Januar, um den Weihnachtsspeck loszuwerden, nicht aus religiösen Gründen.“

Benjamin Köhler, 34 Jahre: „Man braucht keine Fastenzeit als Anstoß fürs Fasten!“ Wann immer er Lust habe, esse er kein Fleisch, verzichte auf Alkohol und Rauchen.

„Ich gehe trainieren und esse wie ein 'normaler' Mensch. Deshalb muss ich nicht fasten“, sagt ein weiterer Marktbesucher. Stolz zeigt er dabei auf seinen Bauch. „Sechs Wochen auf Bier zu verzichten wäre eine totale Katastrophe“, so seine Selbsteinschätzung.

Regina Wagner und Annemarie Reussner (Rentnerinnen): „Ich habe früher gefastet und keinen Wein getrunken. Das hat mir gut getan und gut gefallen“, sagt Regina. Annemarie hingegen bekennt: „Ich musste in meinem Leben schon viel fasten und bin froh über alles, was mir heute zur Verfügung steht“, sagt die ältere Dame. Außerdem habe sie nicht gesündigt, also müsse sie auch nicht fasten.

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