Die Schilder stehen schon: Am Montag beginnen die Fällarbeiten von 64 Bäumen. Foto: Christian Dauber

Hanau

Umbau fordert Tribut - 64 Bäume müssen für Neugestaltung weichen

Hanau. Wenn im März die Bauarbeiten an der Wallonisch-Niederländischen Kirche beginnen und der Platz umgestaltet wird, wird ein Großteil der heute dort vorhandenen Bäume Geschichte sein. Am kommenden Montag und Dienstag werden insgesamt 64 Zierkirschen, Ahorne, Eschen, Birken und Baumhasel den Fällarbeiten zum Opfer fallen

Von Elfi Hofmann

Laut Mitteilung der Stadt habe man zu Beginn der Planungen im Jahr 2017 noch gehofft, eine Baumhasel zu erhalten, ihr Zustand habe sich in der Zwischenzeit allerdings massiv verschlechtert. Übrig bleiben dann lediglich zwei der alten Bäume.

Warum werden über 60 offensichtlich gesunde Bäume (bis auf die erwähnte Baumhasel) gefällt? Geschieht dies aus rein gestaltungstechnischen Gründen?

Laut der Pressestelle der Stadt Hanau sind gestalterisch-funktionale Gründe ausschlaggebend. Der Planentwurf der Landschaftsarchitekten sehe eine Grünfläche um die Kirche vor, die nach außen hin bis zu einem Meter ansteigt. Das bedeutet, dass der Wurzelbereich von Bestandsbäumen mit Erde zuzuschütten wäre, wenn der Zustand wie bisher bleiben soll. Ein Umpflanzen stünde in keinem Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Wie alt sind die Bäume und was versteht man unter der „zeitlich begrenzten Vitalität“?

„Die Bäume sind mindestens 20 Jahre alt, darunter die Zierkirschen als jüngste, aber auch kurzlebigste Pflanzung. Eine Langlebigkeit ist auch bei den anderen Bäumen nicht gegeben, weil sie auf nicht optimalem Grund (aufgeschütteter Schutt und kleiner Wurzelbereich) gepflanzt wurden“, so Pressesprecher Joachim Haas-Feldmann. In jüngerer Vergangenheit habe HIS bereits nicht mehr verkehrssichere Bäume fällen müssen, wie der bloße Augenschein dort zeigt.

Wie lange steht diese Entscheidung schon fest?

Der Stadtverordnetenbeschluss vom 20. August 2018 zur Gesamtmaßnahme beinhalte auch das Baumfällen. Darüber hinaus war das Gegenstand der Diskussion im Struktur- und Umweltausschuss, Zahlen wurden damals allerdings nicht genannt. Es war lediglich die Rede von zahlreichen Bäumen.

Warum wird über die Fällung erst wenige Tage vorher informiert?

„Wir können erst kommu‧nizieren, wenn die Fällgenehmigung der städtischen Naturschutzbehörde vorliegt, mit der vor Ort die Bäume in Augenschein genommen wurden“, so Haas-Feldmann. Man kommuniziere zudem immer bewusst zeitnah vor den Fällungen, damit insbesondere die Anlieger von etwaigen ‧Einschränkungen erfahren und dies nicht bei zu früher Information wieder vergessen haben. Das zeigt die Erfahrung.

Warum wurde in bisherigen Mitteilungen nichts davon erwähnt?

Es sei von Anfang an, in allen Präsentationen sowohl beim Bürgerwochenende im Oktober 2017 als auch in diversen parlamentarische Gremien immer öffentlich so kommuniziert worden, dass nur wenige Bäume erhaltenswert sind und verbleiben und dafür neue, ökologisch wertigere gepflanzt werden.

Wer hat darüber befunden, dass diese Bäume gefällt werden?

Die Fällungen ergeben sich aus dem Stadtverordnetenbeschluss. Die fachlichen Prüfungen oblagen dem Baumkontrolleur von HIS und Naturschutzbehörde.

Wie hoch sind die Kosten für die Fällungen und die Neupflanzungen?

Die Fällungen sind bei HIS mit 4200 Euro veranschlagt; das Stammholz wird für das im Sommer neu entstehende Hackschnitzel-Heizwerk von HIS in der Theodor-Fontane-Straße verwendet. Zu den Kosten für die Neupflanzung lässt sich auf Nachfrage derzeit noch nichts sagen, da in den Baumschulen noch keine neuen Bäume in Augenschein genommen wurden respektive dieser Auftrag noch nicht vergeben ist.

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