Der Angeklagte Sascha P. verbirgt sein Gesicht hinter einer Akte. Neben ihm sein Verteidiger, Rechtsanwalt Timo Wild. Foto: Rainer Habermann

Hanau

Überfall auf Döner-Laden: Täter unter Drogen- und Alkoholeinfluss

Hanau. „Ich brauche Geld! Mach Platz, sonst stech ich dich ab!“ Mit diesen oder ähnlichen Worten soll der heute 23-jährige ledige Sascha P. am 26. August vorigen Jahres einen Döner-Imbiss in Hanau überfallen und rund 300 Euro aus der Kasse erbeutet haben.

Von Rainer Habermann

Als Waffe benutzte er eine abgebrochene Bierflasche. Und weil das so schön klappte, wie Sascha P. vor Gericht jetzt erzählte, zog er die gleiche Nummer am darauffolgenden Morgen, nach einer durchzechten und durchkifften Nacht, gleich noch einmal durch: bei einem Kiosk, ebenfalls in Hanau.

Vorbestrafter Täter stellt sich freiwillig der Polizei

Dort erbeutete er Bargeld und rund 50 Päckchen Zigaretten, die er gleich im Franziskushaus, einem Obdachlosenwohnheim, weiter „vertickte“. Doch dann verließ ihn wohl der Mut, respektive senkte sich sein Drogen- und Alkoholpegel so weit, dass er sich am übernächsten Tag, nach einem Besuch bei seinen Eltern, der Polizei stellte. Das Makabre: Zwischen den Taten und einer verbüßten Jugendhaftstrafe von eineinhalb Jahren lagen nur drei Tage.

Er war auf Bewährung vorzeitig draußen. Denn der „Hanauer Bub“ startete seine Alkohol-, Marihuana-, Kokain- und Gewaltkarriere schon in früher Jugend und war für die Polizei, wie man so schön sagt, kein unbeschriebenes Blatt. Deshalb wanderte er auch postwendend wieder in Untersuchungshaft und wurde gestern in Handschellen in den Saal A216 des Hanauer Landgerichts geführt, wo die 2. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Coretta Oberländer seinen Prozess wegen schweren Raubes mit einem gefährlichen Gegenstand führt.

Täter räumt zum Teil Tat ein

Die Anklage wird vertreten von Staatsanwältin Nina Bolowich, Sascha P.s Verteidiger ist Rechtsanwalt Timo Wild aus der Hanauer Kanzlei Nickel. Eigentlich eine klare Angelegenheit, denn der Angeklagte schildert sehr ausführlich die Tatumstände, räumt ein, die abgebrochene Bierflasche geführt zu haben, erzählt auch sehr langatmig und detailverliebt, wie er seine Flucht gestaltet hatte. Bis er sich schließlich selbst stellt.

Allerdings: Den Satz „Ich stech dich ab“ will er nicht gesagt haben. Zumindest erinnert er sich nicht mehr daran, wohl aber daran, dass er „hackedicht“ und „vollgedröhnt“ gewesen sei und den Pegel immer wieder hochgehalten habe. Nicht nur Bier und Jack Daniels spielten da eine Rolle, auch Kokain. Wo man das in Hanau bekommen könnte, fragt Richterin Oberländer nebenbei. Sascha P. hat da so seine Quellen: Anruf genügt, dann kommt das Koks-Taxi. Bei wem, das sagt er natürlich nicht. Ganovenehre.

Unklarheit bei wichtigem Detail

Als Zeugen sagten am ersten Prozesstag der überfallene Dönerladen-Inhaber aus sowie zwei Gäste, die im Imbiss gewesen waren, als Sascha P. dort auftauchte und in die Kasse griff. Einer will den ominösen Satz gehört haben, ein anderer nicht, die Situation schildern aber alle Beteiligten mehr oder weniger übereinstimmend. Auch ein Hanauer Streifenbeamter wird vernommen, der den Überfall aufgenommen und der Sascha P. am Abend des 29. August 2019 festgenommen hat und die Akte führte.

Allerdings gibt es Unklarheiten bezüglich der Bierflasche. Sascha P. will sie vor dem Laden zerschlagen haben, für den Polizisten sahen die Glasscherben auf dem Boden des Döner-Imbiss so aus, als sei die Flasche erst drinnen zerbrochen.

Langjährige Haftstrafe droht

Doch das dürfte für das Verfahren keine große Rolle spielen, das am Mittwoch, 12. Februar, um 9.30 Uhr an selber Stelle mit der Aufklärung des zweiten Falles, dem Überfall auf den Kiosk, fortgesetzt wird.

Bei dem Tempo, das die Kammer vorlegt, könnten an diesem Tag bereits die Plädoyers gehalten und ein Urteil gesprochen werden, das ganz sicher keine Bewährungsstrafe ausweisen wird. Das deutete Oberländer bereits recht deutlich an. Die Frage lautet eher, ob ein Maßregelvollzug nebst Alkohol- und Drogenentzug in Betracht kommt, oder eine langjährige Haftstrafe.

Der FallAm 26. und 27. August 2019 überfällt ein offenkundig berauschter Täter zunächst einen Döner-Imbiss und am Morgen danach einen Kiosk in Hanau. Zwei Tage später stellt er sich der Polizei und wird in Untersuchungshaft genommen, weil er mehrfach vorbestraft ist. Es handelt sich um den zum Tatzeitpunkt 22-jährigen Hanauer Sascha P. 5. Februar 2020:Der Prozess wegen schweren Raubes mit einer gefährlichen Waffe beginnt vor dem Hanauer Landgericht. Der Angeklagte ist geständig und lässt sich zu den Taten ein. Zeugen werden vernommen. Der Prozess wird am Mittwoch, 12. Februar, um 9.30 Uhr im Saal A215 fortgesetzt. An diesem Tag wird mit Plädoyers und dem Urteil gerechnet. rh

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