Auf dem Areal des 47,5 Hektar Gesamtfläche umfassenden Pionier-Park-Areals sowie entlang der Aschaffenburger Straße wurden in den vergangenen Wochen rund 280 Bäume gefällt, viele davon Hybridpappeln mit Mistelbefall. Fotos: Holger Hackendahl

Hanau

Über 270 Bäume gefällt: Kahlschlag auf Pioneer-Park-Areal

Wolfgang. Im Pioneer Park Hanau-Wolfgang, dem ehemaligen Kasernengelände der US-amerikanischen Streitkräfte, entsteht ein neues Wohngebiet, das in naher Zukunft in 1600 Wohneinheiten bis zu 5000 Menschen eine Wohnstätte bieten soll.

Von Holger Hackendahl

Über 270 Bäume hat die Projektgesellschaft LEG Hessen-Hanau GmbH, ein gemeinsames Unternehmen der Stadt Hanau und der DSK/BIG Gruppe, in den vergangenen Wochen auf dem 47,5 Hektar großen Areal sowie entlang der Aschaffenburger Straße fällen lassen. Anwohner sprechen von einem Kahlschlag und sind entsetzt. Die Stadt argumentiert, die Bäume hätten aus baulichen Gründen sowie wegen Vitalitätsmängeln weichen müssen.

Von den Baumfällungen sind 236 nach der Baumschutzsatzung geschützte Exemplare, überwiegend Pappeln, aber auch Robinien, Spitzahorn, Rosskastanien, Stieleichen, Winterlinden, großblättrige Sommerlinden, Birken und weiße Rosskastanien betroffen. Hinzu kommen weitere 41 untermaßige, nicht nach der Baumschutzsatzung geschützte Bäume auf dem Gelände der Pioneer-Kaserne und dem Triangle-Areal.

Fällung vor der Brutzeit genehmigt

Auf Anfrage bei der Stadt Hanau heißt es dazu, den entsprechenden Fällantrag seitens der LEG Hessen-Hanau GmbH habe die Stadt mit den üblichen Auflagen genehmigt. Die Baumfällarbeiten haben bereits im Januar begonnen und erstreckten sich, so die Information der BAUprojekt Hanau Baubetreuungs- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH, auf das gesamte Pioneer-Areal.

Die Fällanträge seien durch die Untere Naturschutzbehörde mit Blick auf die bald beginnende Brut- und Setzzeit zwischen März und Oktober zügig genehmigt worden, argumentiert man bei der BAUProjekt-Gesellschaft. Da Fällungen nur bis Ende Februar möglich sind, würden aktuell auch schon Bäume an Stellen gefällt, an denen erst zu einem späteren Zeitpunkt die Bauarbeiten starten würden. Die im Januar begonnenen Fällarbeiten seien bis auf vereinzelte Bäume bereits abgeschlossen.

Die Rodungen waren, so ist einer städtischen Pressemitteilung zu entnehmen, „im Zuge der Baustelleneinrichtung sowie im Rahmen der Baumaßnahmen erforderlich“. Die Baumstandorte sind diesen Worten zufolge in der Regel unmittelbar von „Boden eingreifenden Maßnahmen“ wie Kanal- und Leitungsstraßenbau und Bodensanierung betroffen, sodass die Standsicherheit der Bäume beeinträchtigt werde. Viele der gefällten Bäume hätten zudem einen „Vitalitätsmangel wegen Mistelbefall“ aufgewiesen. Glasbrüchige Hybrid-Pappeln gefährdeten darüber hinaus die Verkehrssicherheit.

Die ausgeführten Rodungen entlang der Aschaffenburger Straße habe man vor allem mit Blick auf die dort vorgesehene Lärmschutzwand vorgenommen, heißt es in der Pressemitteilung. Auch hier hätten Brut- und Setzzeiten berücksichtigt werden müssen. Die Bauarbeiten würden voraussichtlich erst im Sommer beginnen.

Ersatzpflanzungen bis Februar 2022

Bei der Genehmigung ihres Fällantrags hat die Stadt der LEG Hessen-Hanau GmbH zur Auflage gemacht, für die Fällung der beantragten Bäume mindestens 236 Ersatzbäume mit je 16 Zentimetern Umfang und weitere 61 Ersatzbäume mit je 16 Zentimetern Umfang als Ausgleich für die bereits am 2. Januar 2018 erteilte Fällgenehmigung für das Triangle-Areal zu pflanzen.

Die Ersatzpflanzungen müssen auf einem Freiflächenplan dargestellt werden, der bis September 2019 vorzulegen ist und der Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde bedarf. „Die Ersatzpflanzungen sind sukzessiv nach Baufortschritt mit Errichtung der Freiflächen jedoch bis spätestens Februar 2022 auszuführen und von der Unteren Naturschutzbehörde abzunehmen“, erklärte Daniel Freimuth von der BAUprojekt Hanau gegenüber unserer Zeitung.

Großzügige Grünflächen vorgesehen

Es sei wahrscheinlich, dass die LEG Hessen-Hanau GmbH im Zuge des Baufortschritts weitere Baumfällungen bei der Stadt beantragen werde, insbesondere im zweiten Bauabschnitt (Pioneer West), kündigte er an. Die Erschließung dieses Areals soll aber erst Ende 2019/Anfang 2020 beginnen.

„Grundsätzlich gilt, dass die LEG Hessen-Hanau GmbH im Pioneer Park Hanau möglichst viel vom alten Baumbestand erhalten will – das Thema Nachhaltigkeit gehört zu den Leitmotiven des Projekts. Deshalb sind auch großzügige Grünflächen vorgesehen, insgesamt rund zehn Hektar bei einer Fläche von insgesamt 47,5 Hektar“, so Freimuth.

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