Erfolgreiche Jugend: Bei den deutschen Meisterschaften der B-Jugend im Damenflorett gab es Mannschaftsgold für die TFC-Fechterinnen. Fotos: Privat

Hanau

Turn- und Fechtclub Hanau feiert 150-jähriges Jubiläum

Hanau. Der Turn- und Fechtclub (TFC) Hanau zählt zu den ältesten Fechtvereinen Deutschlands und hat eine bewegte Geschichte mit Höhen und Tiefen hinter sich. Am Dienstag wurde der Klub 150 Jahre alt.

Von David Lindenfeld

In der Pestalozzi-Sporthalle in Hanau wird deshalb am Samstag das große Jubiläum des TFC gefeiert, der noch vor dem Deutschen Kaiserreich am 4. Juni 1869 gegründet wurde und mittlerweile Landesstützpunkt der hessischen Florettfechter ist.

Die Geschichte des Vereins beginnt zu einer Zeit, als Deutschland noch kein Bundesstaat wie heute war, sondern als loser Staatenbund unter dem Namen Deutscher, später Norddeutscher Bund agierte. Seit im frühen 19. Jahrhundert die Turnbewegung von Friedrich Ludwig Jahn, besser bekannt als Turnvater Jahn, ins Leben gerufen wurde, erlebte sie anfangs zahlreiche Auf- und Abschwünge. Nach dem Scheitern der bürgerlichen Revolution 1848/49 waren viele Turnvereine verboten und ihre Mitglieder wurden verfolgt.

Zahlreiche Neugründungen von Turnvereinen

Die Anfänge des Turn- und Fechtclubs Hanau liegen in einer Phase, in der Turnen wieder populärer wurde: Einhergehend mit der Wiedererstarkung der Nationalbewegung in den 1860er Jahren kam es zu zahlreichen Neugründungen von Turnvereinen – einer von ihnen: der TFC, erkennbar an seinen schwarz-weißen Vereinsfarben. Schnell ging es bergauf für den Verein, der neben dem Turnen nach dem großen Vorbild, Turnvater Jahn, auch Sportfechten betrieb.

Neue Abteilungen wurden gegründet: Unter anderem gehörten Tennis, Crocket und Leichtathletik schon bald zum festen Programm des Vereins, der 1911 seine eigene Halle und ein Vereinshaus am Grünen Weg 1 in Hanau baute. Sie wurde fortan zum Training genutzt, diente nach dem Ersten Weltkrieg noch bis 1919 als Lazarett für Verwundete und beheimatete im Anschluss rund 600 Mitglieder. Es war die Blütezeit des Vereins. Zahlreiche weitere neue Abteilungen gründeten sich: Frauenfechten, Handball, Schwimmen, Herren- und Damen-Hockey, Boxen, Tennis und sogar Kanu-Fahren wurden als neue Sparten geschaffen.

Während des Zweiten Weltkrieges beschlagnahmte die Wehrmacht die TFC-Halle, die bei den Luftangriffen auf Hanau schließlich vollständig zerstört wurde. „Fechten war in den Nachkriegsjahren dann erstmal verboten. Im Verein wurde aber trotzdem weiter gefochten“, sagt der heutige Abteilungsleiter Ekkehard Brüggemann.

Grundstückstausch mit der Stadt

Da die alte Hohe Landesschule quasi um die Ecke war und eine Sporthalle benötigte, kam es 1954 zu einem Grundstückstausch mit der Stadt, und der TFC zog in sein neues Vereinsheim an der Bulaustraße um. Der Aufschwung inklusive steigender Mitgliederzahlen war gegen Ende der 1950er Jahre jedoch vorbei. „Andere Vereine haben dann sehr stark um Mitglieder gebuhlt, und wir viele verloren“, erklärt Brüggemann.

Viele Abteilungen wurden nach und nach geschlossen. „Mittlerweile ist es so, dass wir mit dem Fechten den Verein tragen, und dass alle anderen Sparten von Senioren geprägt sind“, so der Abteilungsleiter. Neben den Fechtern gibt es noch eine Kegelabteilung und den Seniorensport für Damen und Herren.

Der Fokus liegt allerdings auf dem Fechten und seit den 1970er Jahren und dem Wirken von Nachwuchsförderer Albert Jüngling vor allem auf dem Jugendbereich. Rund 70 Mitglieder zählt die Fecht-Abteilung. 30 von ihnen sind heranwachsende Sportler. Ab der Jahrtausendwende begann der TFC, professioneller mit der Jugend zu trainieren und mehr als zwei wöchentliche Trainingseinheiten anzubieten. Die Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten: 2006 wurde die A-Jugend-Mannschaft im Degenfechten bei den Herren Deutscher Vizemeister.

Größter Erfolg 2014

In den Jahren 2006 und 2007 holte der spätere Nationalmannschafts-Florettfechter, Niklas Uftring, fünf Medaillen im Florett- und Degenfechten bei den Deutschen B-Jugend-Meisterschaften für den TFC. Den bislang größten Erfolg bei den Aktiven errang 2014 Mirko Brüggemann, der Platz acht in der Finalrunde bei den Deutschen Meisterschaften im Herrenflorett erreichte und inzwischen gemeinsam mit Vater Ekkehard sowie dem Vater-Tochter-Duo, Frauke und Thomas Lutz, die Jugend trainiert.

Die Arbeit des ehrenamtlichen Trainer-Quartetts kann sich sehen lassen: Mit Angelina Philipp wurde 2016 erstmals eine TFC-Fechterin Deutsche Meisterin im B-Jugend Damenflorett. In diesem Jahr gab es Mannschaftsgold bei den Deutschen B-Jugendmeisterschaften im Damenflorett, wo der TFC aktuell landesweit führend ist.

Die gute Jugendarbeit blieb auch dem Hessischen Fechtverband nicht verborgen, der den TFC Hanau 2016 zum Landesstützpunkt Florett ernannte. Das Credo des Klubs: „Jeder kann Fechten lernen“, teilt Ekkehard Brüggemann mit. Zweimal im Jahr bieten die Hanauer Anfängerkurse an, in denen Interessierte bei einer wöchentlichen Trainingseinheit ein Schnuppertraining bekommen, das insgesamt sechs Wochen dauert. Die Ausrüstung wird gestellt. Für die Zukunft erhofft sich Brüggemann, dass mehr Kinder und Jugendliche, die er und das Trainerteam lange begleitet haben, auch als Aktive weiter Teil des Vereins bleiben.

Viele Gäste erwünscht

„Leider ist es so, dass es uns trotz all der Anstrengungen oft nicht gelingt, die Fechter länger an den Verein zu binden als bis kurz vor oder nach dem Abitur“, sagt der 57-Jährige. Zur Jubiläumsfeier am Samstag erwartet er neben Hanaus Oberbürgermeister, Claus Kaminsky, auch den Präsidenten des Hessischen Fechtverbandes, Georg Anselm, und den Vorsitzenden des Sportkreises Main-Kinzig, Stefan Bahn. Zudem hofft er auf viele Gäste.

„Es wird keine riesige Feier geben, weil wir auch kein riesiger Verein mehr sind“, so Brüggemann, der jedoch für spannende Programmpunkte gesorgt hat: Neben einem Abriss der Geschichte wird es auch Gefechte vom Nachwuchs zu sehen gehen – die Action darf am Jubiläumstag freilich nicht fehlen.

Infos über den TFC

Informationen zu den Sportangeboten des Turn- und Fechtclubs Hanau sowie zu Trainingszeiten und Trainingsorten finden Interessierte auf der Internetseite.››tfc-hanau.de

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