So könnte die ehemalige Großauheim-Kaserne zukünftig aussehen. Rechts hinten ist das künftige Blockheizkraftwerk zu sehen. Rendering: PM
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So könnte die ehemalige Großauheim-Kaserne zukünftig aussehen. Rechts hinten ist das künftige Blockheizkraftwerk zu sehen. Rendering: PM

Aufstellen für die Zukunft

Trotz Pandemie: Stadtwerke mit Kundenzuwachs und stabilem Jahresergebnis

  • Kerstin Biehl
    VonKerstin Biehl
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Die Stadtwerke-Chefin Martina Butz hat im Rahmen einer Pressekonferenz eine Bilanz zum Corona-Jahr gezogen. Die Kernaussage: Der Gewinn des Unternehmens liegt – trotz Pandemie – mit 6,9 Millionen Euro nur leicht unter dem des Vorjahres. Ein Ergebnisausblick für 2021 bestätigt per Hochrechnung das Planergebnis von 6,8 Millionen Euro.

Hanau – Zwar müssten, so Geschäftsführerin Martina Butz, für 2020 leichte Einbrüche im Strom- (minus 6,4 Prozent) -und Erdgasabsatz (minus 8,5 Prozent) verzeichnet werden. Das sei allerdings auf ein relativ warmes Jahr und eine geringere Menge an Abnahmen von Strom im Großkundenbereich aufgrund der Corona-Pandemie zurückzuführen.

Ein Plus hingegen gab es im Bereich der Kundenzahl. 1132 Stadtwerke-Kunden gibt es seit vergangenem Jahr mehr, insgesamt sind es 72  532. Pandemie-bedingt mussten geplante Investitionen, wie beispielsweise die in den Neubau eines Wasserwerks für drei Millionen Euro, in 2021 verschoben werden.

Ein großes Thema, nicht nur für das aktuelle Geschäftsjahr, ist der beschlossene Kohleausstieg. „Momentan“, so Matthias Fernitz, Bereichsleiter Fernwärme bei den Stadtwerken, „trägt den Löwenanteil unserer Energiegewinnung das Kraftwerk Staudinger. Ich gehe davon aus, dass wir spätestens Ende 2024 von dort keine Fernwärme mehr erhalten. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach einem Nachfolgeprojekt begeben.“ Dadurch kam – wie berichtet – die Kooperation mit der Muttergesellschaft Mainova zum Bau eines großen Blockheizkraftwerks (BHKW) zustande. „Somit können wir nahtlos die Wärmeversorgung für Hanau gewährleisten“, berichtete Fernitz. Gebaut wird das BHKW bekanntlich auf dem ehemaligen Kasernengelände in Großauheim. Auch ein Umspannwerk wird dort errichtet. Im ersten Quartal kommendes Jahr soll auf dem Gelände mit der Rodung begonnen werden, für Oktober 2024 ist die volle Inbetriebnahme geplant, erste Testdurchläufe sollen bereits zu Beginn 2024 laufen. Baubeginn ist, Stand jetzt, Ende kommenden Jahres. Das sogenannte Gasmotoren-Blockheizkraftwerk kann zeitgleich Strom und Wärme erzeugen. Es wird über drei Aggregate mit je zehn Megawatt Leistung verfügen und zwei Reservekessel mit jeweils acht Megawatt Leistung. Zudem soll es drei Wärmespeicher geben.

Die Trinkwasserversorgung der Brüder-Grimm-Stadt wird zu 80 Prozent aus den Brunnen der Stadt gestemmt. „Wir haben in Hanau keine Wasserknappheit, eher das Gegenteil. Wir verkaufen unser Wasser an benachbarte Kommunen“, so Butz. Die Geschäftsführerin informierte zudem über die abgeschlossene Sanierung des Wasserturm-Dachs in Kesselstadt, die acht Monate gedauert hat.

Das Wasserwerk III in Wilhelmsbad, das neu gebaut wird, soll im dritten Quartal fertiggestellt sein. Dann wird die Wassertechnik eingebaut. Die Inbetriebnahme ist für Anfang 2023 geplant.

Einen Blick auf die aktuelle Geschäftsentwicklung der Hanau Netz, deren Ergebnis vollständig in das der Stadtwerke einfließt, warf Geschäftsführer Adrian Szabo: „Die Geschäftsentwicklung war im vergangenen Jahr sehr durchwachsen. Das Jahr 2020 wurde mit einem Jahresfehlbetrag von 1,4 Millionen Euro und damit 1,7 Millionen unter dem Vorjahr abgeschlossen.“

Vor allem die großen Gewerbekunden wie VAC oder Dunlop hätten pandemiebedingt ihre Produktion fast vollständig heruntergefahren. Zwar habe sich die Entwicklung der durchgeleiteten Strom- und Gasmengen inzwischen stabilisiert, „für das aktuelle Jahr erwarten wir weiterhin einen niedrigen sechsstelligen Fehlbetrag“, so Szabo.

Trotz Einschränkungen wurden 8,7 Millionen Euro Bruttoinvestitionen und 5,4 Millionen Euro kostenwirksame Erneuerungen und Unterhaltungsmaßnahmen in Strom-, Gas- und Wassernetze umgesetzt, der höchste Stand in der Geschichte der Hanau Netz.

Von Kerstin Biehl

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