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Zwar wirkt sich die Coronakrise auch auf das Baugewerbe aus, es kann aber dennoch weiter gearbeitet werden.

Kein Stillstand auf der Großbaustelle

Trotz Corona sollen auf Pioneer im April die ersten Bewohner einziehen

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Hochbetrieb herrscht am Freitagmorgen auf Pioneer. Ein großer Kran liftet schwere Eisenplatten, Transporter kommen und gehen, Maler und Lackierer rühren Farbe. Von dem gesellschaftlichen Stillstand, den das Coronavirus mit sich gebracht hat, ist auf der Großbaustelle in Wolfgang auf den ersten Blick nichts zu spüren.

Im Süden des großen Areals, auf dem in den kommenden Jahren rund 5000 Menschen neuen Wohnraum finden sollen, liegt Triangle Housing. In den ehemaligen Wohnblöcken der US-Soldaten entstehen grundsanierte Eigentumswohnungen. Nach zwei Jahren Sanierungszeit sollen jetzt die ersten Bewohner einziehen. „Zum 20. April möchten wir hier die ersten Wohnungen übergeben. Leider kam aber auch uns Corona dazwischen, sodass ich nicht weiß, ob wir den Termin halten können. Aber wir setzen wirklich alles daran“, sagt Andrea Gernandt, Projektleiterin bei der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) und für das Bauvorhaben Triangle Housing zuständig. 

Hier entsteht bezahlbares Wohneigentum

Hier entsteht, in Kooperation mit der Stadt Hanau und der Sparkasse Hanau, bezahlbares Wohneigentum, weit unter den in der Region üblichen Marktpreisen für neuwertigen Erstbezug. Und mit der Idee, die monatliche Belastung der künftigen Eigentümer für Zins und Tilgung nicht höher als die Miete für eine vergleichbare Wohnung in Hanau anzusetzen. Die Bedingung: Die Erwerber müssen mindestens zehn Jahre selbst in der Wohnung wohnen. 

Damit in drei Wochen tatsächlich die ersten Bewohner einziehen können, darf jetzt nichts schief gehen. Das allerdings, ist in Zeiten von Corona, schwer. Doch wie genau sehen die Einschränkungen aus, mit der die Bauleiterin derzeit umgehen muss? „An Arbeitern mangelt es uns jedenfalls nicht“, sagt sie. „Wir haben so tolle Unternehmen. Wenn irgendwo Mitarbeiter fehlen, beschaffen sie welche, das funktioniert hier hervorragend.“ 

Die Elektrohandwerker und Trockenbauer kämen meist aus Polen, was aktuell natürlich schwierig sei, wegen des Reiseverbots. „Damit müssen wir umgehen und finden Lösungen. Es kommen dann Kräfte aus Kroatien oder Rumänien. An Fachkräften und auch an der Arbeitskapazität werden wir nicht scheitern. Eher an der Materialienbeschaffung, da sehr viele Firmen Baumaterial aus Spanien und Italien beziehen. Dort steht die Produktion still.“ Es mangele auch an der Unterstützung von behördlicher Seite. So würden etwa für die Übergabe der Wohnungen diverse Bestätigungen, zum Beispiel für den Schallschutz, benötigt. 

Verzögerungen wegen Corona

Da die entsprechenden Behörden wegen Corona nicht geöffnet sind oder nur mit Einschränkung arbeiten können, gebe es dahingehend Verzögerungen. Schwierig werde sich auch die Abnahme des Gemeinschaftseigentums gestalten. „Eigentlich sind da immer alle Eigentümer dabei. Aber das können wir jetzt ja nicht mehr so handhaben, wegen der Versammlungsregel, die eine Zusammenkunft auf zwei Personen begrenzt. Und ich kann es ja auch nicht so machen, dass ich immer nur mit einem durch laufe, dann werden wir ja nie fertig“, erklärt Gernandt.

Doch auch hierfür werde eine Lösung gefunden, da ist sie sich sicher. Zum 20. April sollten im ersten Bauabschnitt – er umfasst 48 Wohneinheiten in drei Gebäuden – im ersten Haus 16 Wohnungen übergeben werden. Gestern wurde das kernsanierte Bestandsgebäude, das drei Etagen plus ein ausgebautes Dachgeschoss umfasst, von drei Seiten entrüstet. Kommende Woche sollen die Balkone angebracht werden, die als Balkontürme vor die Wohnzimmerfenster platziert werden. Die Erdgeschosswohnungen haben eine Terrasse mit kleinem Gartenanteil. Gemeinsam mit zwei weiteren Bestandsgebäuden und einem Neubau bildet das Haus eine quadratische Anordnung um einen begrünten Innenhof. 

Eine Auflage der Stadt

Dort soll ein Spielplatz entstehen, denn vorwiegend, so Gernandt, würden in Triangle Housing Familien einziehen. Vier der alten Bäume konnten in dem Innenhof erhalten werden – eine Auflage der Stadt. Die Wohnungen in Triangle wurden von den US-Amerikanern einst recht großzügig gebaut. Mit einer Größe von 98 bis 120 Quadratmetern finden hier Familien mit ein bis zwei Kindern Platz. Die teuerste Wohnung kostet 2500 Euro pro Quadratmeter – ein Preis, der im Rhein-Main-Gebiet seinesgleichen sucht. 

Sicher ein Grund, weshalb von den insgesamt 372 Wohnungen lediglich noch zwei nicht verkauft sind. Für Gernandt und ihr Team heißt es jetzt nochmal richtig auf die Tube drücken. Denn: „Ich habe jeden Tag an die 100 Anrufe mit Nachfragen, ob der Übergabetermin einhaltbar ist. Wir geben alles, sage ich dann, aber ich kann es nicht versprechen.“ Die Projektleiterin hat großes Verständnis für die neuen Bewohner: „Sie haben ja Mietfristen, die sie auch einhalten müssen.“ Deshalb werde in Triangle Housing in den kommenden Wochen „so richtig Gas“ gegeben, damit die Schlüsselübergabe, trotz Corona, am 20. April klappt.

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